Fussball

«Ich nähme mich nie raus»

Admir Mehmedi sollte wohl ausgewechselt werden. Aber dann schoss er das 1:1 gegen Rumänien. Er ist der erste Schweizer, der an einer EM- wie an einer WM-Endrunde ein Tor geschossen hat.

Admir Mehmedi hat seinen Platz im Nationalteam bestätigt.

Admir Mehmedi hat seinen Platz im Nationalteam bestätigt. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Manche hätten Admir Mehmedi (25) nach der verpatzten Endphase seiner ersten Saison bei Bayer Leverkusen in den letzten EM-Testspielen der Nati nicht eingesetzt. Aber dann machte er gegen Belgien einen guten Match und schoss er gegen Moldau, bei Halbzeit eingewechselt, gar das Siegestor zum 2:1.

Manche hätten Mehmedi dann am Mittwoch gegen Rumänien nicht wieder in die Startelf genommen, nachdem er – wenigstens aus ihrer Sicht – im EM-Startspiel gegen Albanien nicht sonderlich überzeugt hatte. Ganz abgesehen davon, dass ja Breel Embolo nachdrängte. Aber Vladimir Petkovic hielt an ihm fest. Er sieht in ihm eben – und dies völlig zu Recht – einen sehr mannschaftsdienlichen Spieler.

Aber selbst Petkovic sah dann die Zeit für einen Wechsel gekommen, als seine Mannschaft zehn Minuten nach der Pause gegen Rumänien trotz Überlegenheit und Chancenplus noch immer kein Tor geschossen hatte. Embolo stand jedenfalls bereit, auch Mehmedi nahm die Bewegung an der Seitenlinie wahr.

Aber zuerst war ja noch ein Eckball zu schiessen. Und der landete dann, zu kurz abgewehrt, auf Admir Mehmedis linkem Fuss. Die Entschlossenheit, mit der er den Ball ins Tor wuchtete, war der Situation angemessen. Der Jubel war gross, Mehmedi blieb drin, Embolo kam später für Haris Seferovic.

Eintrag ins Geschichtsbuch

«Ich habe schon gesehen, dass an der Seitenline etwas geht», sagte Mehmedi tags darauf, «aber es bleibt das Geheimnis des Trainers, wen er herausgenommen hätte.» Schmunzelnd fügte er bei: «Ich nähme mich nie raus.» Aber er sagte, ganz Mannschaftsspieler, auch: «Wenn ich mein Tor gegen einen Sieg eintauschen könnte, würde ich es machen. Dann wären wir jetzt ja schon weiter.»

Doch das Tor ist nun mal seines, und damit nimmt er in der Schweizer Länderspielgeschichte eine besondere Stellung ein: Er ist der Erste, der an einer WM und an einer EM getroffen hat. Denn das zweite seiner bisher fünf Tore in 44 Länderspielen fiel an der WM in Brasilien – und es war ebenfalls ein erlösendes 1:1 nach einem Eckball Ricardo Rodriguez’. Es fiel gegen Ecuador, kurz nach Mehmedis Einwechslung bei Halbzeit. Seferovic, Blerim Dzemaili, Xherdan Shaqiri, aber auch Granit Xhaka hätten sich – als Torschützen von Brasilien – ebenfalls ins Geschichtsbuch einschreiben können. Keiner tats – wie einst auch Alex Frei nicht.

Er sei, sagt Mehmedi, «nicht mit sehr viel Selbstvertrauen» zur Nationalmannschaft gekommen, «denn die letzten Monate waren doch schwierig». Seit Mitte März wurde er von Leverkusens Trainer Roger Schmidt praktisch nicht mehr berücksichtigt. Andere wie Nachwuchsmann Julian Brand waren im Team, als es Bayer plötzlich gut zu laufen begann. Nach acht Siegen in den letzten neun Spielen war der Klub Dritter und Champions-League-Teilnehmer.

Die gesamte Saisonbilanz Mehmedis ist zwar keineswegs so schlecht, wie sie sich aufgrund der letzten Phase anfühlt. Immerhin brachte er es auf 15 Skorerpunkte in drei Wettbewerben. Aber er sagt auch: «In Freiburg hatte ich einen Trainer, der mir Selbstvertrauen gab – und ich gab es ihm zurück. Ich bin davon abhängig.» Man kann das auch so interpretieren, dass Bayers Schmidt anders ist als vorher der Freiburger Christian Streich. Und auch Petkovic.

Gedanken zur Zukunft

Kein Zweifel, ob er bei Bayer bleibt, wird Mehmedi noch beschäftigen. «Die Saison hat gut angefangen, enttäuschend war sie am Schluss, als ich nicht mehr zum Einsatz kam», sagt er. «Da macht man sich seine Gedanken schon – was für einen besser ist.» Beeinflusst werden sie wohl auch durchs Geld. Was verlangt Bayer für einen Mann, der vor einem Jahr für vier Jahre unterschrieb und für den acht Millionen Euro nach Freiburg überwiesen wurden?

«Zuerst will ich jetzt aber diese EM spielen – dann sehen wir es», sagt Mehmedi. Seine Gefühle und die der Mannschaft nach dem 1:1 gegen die Rumänen beschreibt er so: «Nach dem Startspiel waren wir erleichtert, weil wir gewonnen hatten. Jetzt sind wir enttäuscht, weil wir nicht gewannen, obwohl wir die bessere Mannschaft waren. Denn unser Ziel war, uns zu qualifizieren. Aber wir sind auf einem guten Weg.» Er denkt, «dass wir heute dominanter spielen als vor zwei Jahren an der WM.

Wir haben auch unsere Chancen, aber wir müssen effizienter werden.» Und: «Es fehlt schon eine gewisse Coolness vor dem Tor. Haris macht viel richtig. Er läuft viel für die Mannschaft – er läuft sich ja fast tot. Wenn ihm ein Tor gelingt, ist er befreit.» Da helfe vielleicht, «dass Haris einer ist, der allgemein nicht so viel überlegt – das kann ein Vorteil sein. Nach diesem Spiel hat er mir etwas leidgetan.» Auch er, Mehmedi, habe ja Durststrecken erlebt: «Man muss einfach weitermachen, darf nicht zu viel nachdenken – manchmal ist es ja auch einfach unerklärlich.»

Frankreich ist am Sonntag der nächste Gegner, gegen den sich Seferovic versuchen kann – wenn ihn Petkovic denn lässt. Dass Mehmedi spielen wird, steht ausser Frage – auch wenn der Trainer am Sonntagabend sagte, dass er von einem, «der mal Sturmspitze war», öfter Aktionen wie diese, entschlossene Abschlüsse, erwarte. Besonders freut man sich über Erfolge Mehmedis ja in Winterthur und beim FCW. Haben sie auf der Schützenwiese Hunger oder hat einer was zu feiern, dann kann die Pizza sehr wohl aus dem Hause Mehmedi kommen, vom «Wintiblitz» des Onkels Hasim.

Erstellt: 17.06.2016, 10:50 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben