Adliswil

«Ich bin gern gefordert»

Bevor es Mario Pischedda an den Zürichsee zog, spielte er auf Sardinien als Profi in der italienischen Serie C und D. Seit Januar 2017 trainiert der 37-Jährige den FC Adliswil. Er führte die Sihltaler in die 2. Liga, wo sie nun die Gruppe 1 (FVRZ) ungeschlagen anführen.

Lebt für den «Calcio»: Adliswils Trainer Mario Pischedda spricht zwar kaum Deutsch, doch der Sarde führt seine Equipe mit Gesten und dank Übersetzern von Erfolg zu Erfolg.

Lebt für den «Calcio»: Adliswils Trainer Mario Pischedda spricht zwar kaum Deutsch, doch der Sarde führt seine Equipe mit Gesten und dank Übersetzern von Erfolg zu Erfolg. Bild: Moritz Hager

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Was können Sie besser als Ihre Spieler?
Mario Pischedda: Immer 100 Prozent Leistung geben und von der Seitenlinie aus den Spielern auf dem Platz aus der Patsche helfen.

Was können Ihre Spieler besser als Sie?
Mich sauer machen. (schmunzelt)

Ihr grösster Erfolg?
Die Gründung meiner Familie.

Und im Sport?
Als Spieler der Gewinn der Serie-D-Meisterschaft im Jahr 2007 mit Tempio Pausania (der Klub schaffte so den Sprung in die Serie C; Red.) und als Trainer der Aufstieg im Frühling mit Adliswil.

Wann werden Sie nervös?
Das bin ich immer. (zupft an seiner Kappe)

Was macht Sie sprachlos?
Schwierig zu sagen. Bislang hat mich das noch nichts gemacht.

Welches Thema beschäftigt Sie aktuell am meisten?
Alle Hungersnöte und Kriege auf der Welt. Ich kann beides weder nachvollziehen noch verstehen.

Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?
Eine Minute zum Zähneputzen reicht mir. Ich bin nicht eitelwie Luca Schmid (Sportchef und Spieler des FCA; Red.).

Was kochen Sie am liebsten?
Pasta, Pasta und nochmals Pasta.

Und was trinken Sie dazu?
Ich trinke viel Wasser, aber zum Essen auch gern mal Wein. Und nach jedem Match gönne ich mir ein Bier.

Ihr erster Berufswunsch?
Ich wollte schon immer Profifussballer werden.

Was haben Sie gelernt, und welchen Beruf üben Sie heute aus?
Ich bin diplomierter Buchhalter. Hier in der Schweiz arbeite ich aber auf der Baustelle. Walter Nötzli (Sponsor des FCA; Red.) hat mir diesen Job ermöglicht.

Bleibt neben der Arbeit und dem Fussball noch Zeit für Hobbys?
Kaum, und wenn, dann verbringe ich sie mit meiner Familie. Ich spiele oft mit meinem Sohn Giovanni (achtjährig; Red.).

Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Als Junior durfte ich auf Sardinien am Muzzetta Torneo teilnehmen, und wir haben dieses Nachwuchsturnier sogleich zum ersten Mal für unseren Verein (Tempio Pausania; Red.) gewonnen. Seither gelang das dem Klub nicht mehr. Das Turnier ist für junge Fussballer wichtig, da viele Talentscouts dort sind. So wurde einst auch Gianfranco Zola (ehemaliger italienischer Nationalspieler; Red.) entdeckt. Er hat dann den Sprung zu Napoli in die Serie A und später ins Ausland (Athletic Bilbao, Bayer Leverkusen und Chelsea; Red.) geschafft.

Wie sind Sie zum Fussball gekommen?
Der «Calcio» ist seit eh und je meine grösste Leidenschaft. Als Bub brauchte ich nur einen Ball und eine Strasse zum Spielen.

Warum sind Sie Trainer geworden?
Meine Eltern haben mich dazu bewegt, ein Uefa-Diplom zu machen, und da mir der Verein die Möglichkeit dazu bot, habe ichsie wahrgenommen. Als Nächstes will ich nun das A-Diplom erwerben. Den Antrag habe ich beim FCA-Vorstand bereits deponiert.

«Ich habe mich in den FC Adliswil verliebt.»Mario Pischedda

Haben Sie den Entscheid, an die Seitenlinie zu wechseln, jemals bereut?
Nein, denn Trainer zu sein, ist für mich der schönste Job der Welt.

Weshalb und wie sind Sie überhaupt im FC Adliswil gelandet?
Weil meine Frau einen Job in der Schweiz gefunden hat, sind wir hierher gezogen. Ich suchte dann einen Klub, und ein Kollege schlug mir den FC Horgen vor. Nur meinten die Verantwortlichen, dass ich als 36-Jähriger ein Probetraining absolvieren müsse. Das wollte ich aber nicht, weil ich ein solches in meinem ganzen Leben nie machen musste. Da wir uns in Adliswil niederliessen, lag es auf der Hand, dass ich dort anklopfe.

Und dann?
Obwohl mir mein Kollege – mit der Begründung, dass der FCA nur in der 3. Liga spiele – davon abriet, schaute ich im Tal vorbei. Denn Ort und Liga waren mir ­weniger wichtig als die Freude am Fussball und gute Leute. Als ich die Mannschaft zum ersten Mal sah, entschied ich, hier zu bleiben. Ich habe mich in den FC Adliswil verliebt.

Sie sprechen kaum Deutsch. Wie kommunizieren Sie denn mit dem Team?
Die Sprache ist mein grösstes Handicap. Ich will – und werde – zwar möglichst schnell Deutsch lernen, fand bislang aber kaum Zeit dazu. Vorläufig übersetzen meine Assistenten Alessio Piccinno (ist beim Interview dabei; Red.) und Gianluca Cavaliere alles. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar, denn ich könnte ohne ihre Hilfe mein Amt nicht ausüben. Wenn ich hässig bin, verstehen mich die Spieler aber. (schmunzelt)

Welche Hürden mussten Sie zu Beginn Ihrer Amtszeit auch noch meistern?
Eine Mannschaft in einer laufenden Meisterschaft – nach zehn Siegen und nur einer Niederlage – auf Rang 1 zu übernehmen, das ist eine grosse Herausforderung. Da hätte ich lieber ein Team auf dem letzten Tabellenplatz gehabt. Ich konnte ja nur verlieren. Andererseits bin ich gern gefordert.

Ihrer Mannschaft läuft es rund. Wie lässt sich der aktuelle Höhenflug erklären?
Wir sind ein fantastisches Team und alles Kollegen. Jeder geht immer für jeden und gibt 100 Prozent.

Trotz des Erfolgs können sich Ihre Spieler sicher auch noch verbessern. Wo sehen Sie am meisten Potenzial?
Da gibt es einiges. In bestimmten Situationen müssen wir intelligenter agieren und schneller reagieren. Mein junges Team kann sich aber noch weiterentwickeln.

Warum gewinnt Ihre Equipe morgen Samstag das Heimspiel gegen Lachen / Altendorf?
Niemand sagt, dass wir siegen. Das entscheidet sich dann erst auf dem Platz. Lachen ist stark. Angst habe ich vor dem Gegner zwar keine, aber grossen Respekt.

Wie vertreiben Sie sich die Zeit auf der Heimfahrt von einem Auswärtsspiel?
Indem ich an Fussball denke, was ich sowieso fast immer mache. Und sind wir dann im Tal angekommen, trinke ich in unserem Klublokal ein Bier.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Eindeutig der Aufstieg mit dem FCA, das waren tolle Emotionen.

Und welches war die grösste Enttäuschung?
Als Spieler verlor ich zweimal in der letzten Runde eine Meisterschaft. Hart war auch der Abstieg mit Tempio Pausania aus der Serie C (2008; Red.), da ich verletzt war und dem Team nicht helfen konnte.

Was wollen Sie im Fussball noch erreichen?
Ich will immer gewinnen und möglichst lange im FCA bleiben. Die Spieler und der Klub sollen jedes Jahr Fortschritte machen.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Das überlasse ich dem Schicksal. Heute bin ich hier. Was morgen ist, weiss ich nicht.

Erstellt: 10.11.2017, 08:50 Uhr

Worum gehts?

Der FC Adliswil entliess im vergangenen Januar überraschend Trainer Gianfranco Perri, der die 1. Mannschaft seit der Saison 2012/13 betreut hatte. Zu jenem Zeitpunkt waren die Sihltaler mit 27 Punkten aus zehn Partien Wintermeister der 3. Liga, Gruppe 1. Mario Pischedda setzte die Erfolgsserie als neuer Coach fort. Unter ihm verloren die Adliswiler im Frühling nur zwei Partien und feierten den Aufstieg in die 2. Liga. Dort geht der Höhenflug weiter: Nach 12 Runden führt der FCA die Gruppe 1 ungeschlagen mit 28 Punkten (35:11 Tore) an. Morgen Samstag empfängt der Leader um 18 Uhr den vier Zähler zurückliegenden Verfolger Lachen/Altendorf. (ddu)

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