Thalwil

«Ich bin besessen vom Fussball»

Nach drei Jahren beim Erst­ligisten Thalwil verlässt Trainer Ergün Dogru den Verein Richtung Zug. Es sei an der Zeit, eine neue Herausforderung anzu­gehen. Thalwil bleibe aber eine Herzensangelegenheit, sagt der ehemalige Coach.

Wenn ich etwas tue, dann richtig und mit vollem Einsatz, sagt Ergün Dogru. Mit dieser Einstellung trainierte er den FC Thalwil und wird es bei zukünftigen Mannschaften gleichtun.

Wenn ich etwas tue, dann richtig und mit vollem Einsatz, sagt Ergün Dogru. Mit dieser Einstellung trainierte er den FC Thalwil und wird es bei zukünftigen Mannschaften gleichtun. Bild: Michael Trost

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Was können Sie besser als Ihre Spieler?
Ergün Dogru: Das ist schwierig, da nicht alle Spieler gleich waren. Ich bin jedoch eine sehr fokussierte Person, die sich von aus­sen nicht beeinflussen lässt. Zudem gehörte ich konditionell zu den Top­leuten innerhalb des Teams.

Ihr grösster Erfolg?
Meine drei Kinder. Sie sind mein ganzer Stolz.

Und im Sport?
Ich bin nach wie vor besessen vom Fussball. Nach zwölf Jahren als Trainer fasziniert mich dieser Sport gleich wie zu Beginn.

Wann werden Sie nervös?
Kurz vor den Spielen – da kribbelt es in mir. Es herrscht immer eine gewisse Anspannung und Vorfreude.

Was macht Sie sprachlos?
Die mangelnde Einstellung von Per­sonen, wenn sie etwas erreichen wollen. Das kann im Fussball sein, aber auch sonst im Leben.

Ihr Lieblingsdialekt?
Der Thurgauerdialekt. (lacht) Nein, natürlich der Dialekt, den ich selber spreche, nämlich der Zür­cher.

Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?
Hätte ich nicht solche Haare, dann wäre ich sicher schneller fertig. (schmunzelt) Ich benö­tige rund 15 Minuten. Besonderen Wert lege ich auf meine Figur. Solange ich Trainer bin, will ich fit sein. Das ist mir wichtig.

Was kochen Sie am liebsten?
Ich kann nicht kochen. Meine Frau ist diesbezüglich top. Am liebsten esse ich ihre Pasta an einer Lachs-Rahm-Sauce.

Ihr erster Berufswunsch?
Pilot, da mich das Fliegen schon immer fasziniert hat.

Was haben Sie gelernt, und welchen Beruf üben Sie heute aus?
Gelernt habe ich Bankkaufmann. Dazu bin ich eidgenössisch diplomierter Berufstrainer und habe Weiterbildungen in Magg­lin­gen absolviert. Ich arbeite in der Nach­wuchsabteilung des FC Luzern und leite dort das Leistungszentrum.

«Beim Fussballspielen sind einige Fensterscheiben kaputtgegangen.»Ergün Dogru

Bleibt noch Zeit für Hobbys?
Nein. Neben der Familie, der Arbeit und dem Fussball bleibt nicht mehr viel Zeit für anderes.

Ihr Lieblingssong?
«Dieser Weg» von Söhne Mannheims. Ich war auch schon an einem Konzert dieser Gruppe.

Ihr Lieblingsfilm?
«Blow» mit Johnny Depp in der Hauptrolle.

Ihr Lieblingsbuch?
Zuletzt habe ich die Biografie von Carlo Ancelotti gelesen. Als Nächstes soll die Biografie von Liver­pools Trainer Jürgen Klopp folgen.

Ihr Lebensmotto?
Liefern statt labern. Ich bin der Meinung, dass wenn man etwas an­packt, dies auch richtig tun sollte. Sonst kann man es gleich sein lassen.

Wer ist Ihr Vorbild?
Mein Vater. Meine Eltern kamen aus armen Verhältnissen von der Türkei in die Schweiz und haben sich durchgekämpft. Neben der Arbeit hatte er dennoch Zeit für die Familie. Wenn ich nur einen Bruchteil so sein kann zu meinen Kindern, wie er es bei uns ge­wesen ist, dann bin ich glücklich. Ich und meine Geschwister hatten eine tolle Kindheit.

Welches Thema beschäftigt Sie aktuell am meisten?
Die Frage, was unter Freundschaft verstanden wird? Das Konstrukt der Freundschaft im Allgemeinen finde ich sehr spannend. Wer ist beispielsweise auch in schlechten Zeiten loyal und hält zu dir? Politik kann man meiner Meinung nach nicht ändern, mit sozialen Aspekten setze ich mich lieber auseinander.

Was bedeutet dann für Sie Freundschaft?
Einen guten Freund muss ich nicht täglich sehen oder sprechen. Es ist das Gespür, dass jemand für einen da ist und umgekehrt. Wenn der andere fühlt, es ist jemand für ihn da. Dieses Gefühl­ einer Person zu geben, bedeu­tet für mich Freundschaft.

Welchen sportlichen Gross­­anlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Die Fussball-Weltmeisterschaft 1982 in Spanien. Ich war schon immer Deutschland-Fan und kann mich an jedes Spiel der Mannschaft an diesem Turnier erinnern.

Wie sind Sie zum Fussball gekommen?
Wir haben als Kinder oft mit unseren Nachbarn Fussball gespielt. Dabei sind einige Fensterscheiben kaputtgegangen. (lacht)

Was fasziniert Sie am Fussball?
Ich kann gar nicht genau beschreiben, weshalb mich Fussball so sehr begeistert, denn sonst wäre­ es keine Leidenschaft mehr. Das ist wie in der Liebe, da kann man auch nicht genau beschreiben, wieso es diese eine Person ist. Doch es gibt sonst keine Lebenssituation, wo ich während 90 Minuten alles um mich herum vergesse. Zudem muss ein Team als Kollektiv funktionieren, wobei jeder seinen Beitrag leisten muss.

Warum sind Sie Trainer geworden?
Ich führe gerne Leute an und ­gehe stets voran. Zudem kann ich bei Menschen eine Begeisterung auslösen.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Das erste Jahr in Thalwil. Nach einer schwierigen Vorrunde haben­ wir mit einer Bomben-Rückrunde souverän den Klassenerhalt geschafft.

«Ich kann gar nicht genau beschreiben, weshalb mich Fussball so sehr begeistert, denn sonst wäre es keine Leidenschaft mehr.»Ergün Dogru

Und welches war die grösste Enttäuschung?
Diese Saison, obwohl sie resultatmässig die beste war. Wir standen bis zu meiner frühzeitigen Entlassung während 23 Wochen zwischen Platz 1 und 4. Ich denke, dies ist für einen Verein wie den FC Thalwil nicht selbstverständlich. Nach dem Trainingslager in Malta zum Rückrundenstart hin haben wir gespürt, dass es innerhalb des Teams Gruppierungen gegeben hat und die Kluft immer grösser wurde. Es entstand eine Dynamik, die nicht aufhaltbar war.

Wie vertreiben Sie sich die Zeit auf der Heimfahrt von einem Auswärtsspiel?
Ich sass immer in der Nähe von meinem Assistenzcoach und dem Masseur. Mit dem Staff habe ich jeweils über alles Mögliche gesprochen, vor allem konnten wir viel lachen.

Weshalb haben Sie um die Auflösung Ihres noch bis 2019 gültigen Vertrags gebeten?
Durch den Abgang von Sportchef Patrick Kamm verlor das Team auch sein Fachwissen und seine Sozialkompetenzen. Ich übernahm das Amt des Sportchefs neben meiner Funktion als Trainer. Diesen Mehraufwand wollte und konnte ich nicht länger ausführen. Zusätzlich gab es innerhalb der Mannschaft Unruhen. Nach der guten Hinrunde hiess es plötzlich von der Vereinsleitung, dass die Aufstiegsspiele ein Thema seien. Nur wenige Spieler konnten mit dem neuen Druck umgehen. Durch diesen Interessenkonflikt bildeten sich im Team Gruppen, die gegen­ein­an­der hetzten.

Was versprechen Sie sich von Ihrem Wechsel zu Zug 94?
Es ist ein Stadt- und Traditionsverein. Ich brauchte eine neue Herausforderung, um persönlich einen weiteren Schritt nach vorne zu machen.

Wie lautet Ihre Bilanz nach den drei Jahren in Thalwil?
Grundsätzlich habe ich mehr Posi­tives wie Negatives erleben dürfen. Ich konnte in diesen drei Jahren viel lernen und habe auch viel zurückgegeben. Die Trennung hätte sicherlich anders über die Bühne gehen können, doch ich bin auf niemanden böse. Thalwil ist nach wie vor eine Herzens­angelegenheit für mich. Ich wünsche dem neuen Trainer sowie dem gesamten Verein weiterhin viel Erfolg. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 25.05.2018, 08:48 Uhr

Worum gehts?

Vor dem letzten Saisonspiel des Erstligisten Thalwil gegen Tuggen blickt der letzte Woche suspendierte Trainer Ergün Dogru auf seine drei Jahre bei Thalwil zurück. Nach zwei Saisons, in denen es überwiegend um den Klassenerhalt ging, befand sich der FCT heuer stets in den vor­de­ren Tabellenregionen. Dennoch war es Zeit für Dogru weiterzuziehen. Das Ruder übernahm Marco Bolli. Zurzeit belegen die Thalwiler den 5. Rang. (flm)

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