Fussball

Gegensätzliche Gefühle

Aufsteiger Adliswil ist der grosse Gewinner unter den Zürcher Zweitligisten, Absteiger Küsnacht der grosse Verlierer. Die anderen vier Klubs schlossen die Saison im breiten Mittelfeld ab.

Mario Pischedda (links) feierte mit Adliswil den zweiten Aufstieg in Serie, die Zeit von Rainer Bieli bei Küsnacht dagegen endete mit dem Abstieg.

Mario Pischedda (links) feierte mit Adliswil den zweiten Aufstieg in Serie, die Zeit von Rainer Bieli bei Küsnacht dagegen endete mit dem Abstieg. Bild: Moritz Hager

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Eine Mannschaft thronte in der Gruppe 1 über allen anderen: jene des FC Adliswil (1. Rang, 56 Punkte, 64:26 Tore). Bereits drei Runden vor Schluss sicherte sie sich den Aufstieg. Letztlich distanzierte sie die Konkurrenten um elf (!) und mehr Zähler. Umso erstaunlicher ist diese Dominanz, wenn man bedenkt, dass sich der FCA erst auf diese Saison hin – nach 19 Jahren – in der 2. Liga zurückgemeldet hatte.

Doch die Equipe von Trainer Mario Pischedda nahm den ganzen Aufstiegsschwung mit und fegte regelrecht über die Gegner hinweg. Die einzige kleine Schwächephase kam zu Beginn der Rückrunde, als der zur Winterpause ungeschlagene Leader zwei der ersten vier Partien verlor. Dann fand der FCA aber zurück in die Erfolgspur und zog es durch. Etwas, das auch den Präsidenten überraschte: «Uns war bewusst, dass wir ein gutes Kader haben. Aber mit einer solchen Saison hätten wir nie gerechnet», gesteht Bruno Stäubli. Besonders gefreut hat ihn, dass auch fünf eigene A-Junioren zum Aufstieg beitrugen.

Die Nachwuchsabteilung zu stärken und regelmässig Eigengewächse in die erste Mannschaft einzubauen, müsse auch künftig das Ziel sein, betont Stäubli. Im Hinblick auf das Abenteuer 2. Liga Interregional bleiben die Adliswiler bescheiden. «Wir schauen, was kommt. Um grosse Sprünge zu machen, fehlen uns schlicht die Ressourcen.» Umso mehr schmerzt, dass mit Blerton Avdyli (wechselt zu Lachen/Altendorf) und Gianluca Cavaliere (wird Spielertrainer beim FC Wollishofen) zwei Schlüsselspieler den Verein verlassen. Letzterer nimmt gleich noch Verteidiger Vigan Bunjaku mit.

Stäfa die Nummer 2

Zur Nummer 2 der Zweitligisten vom Zürichsee hat sich der FC Stäfa (4. Rang, 39 Punkte, 42:39 Tore) gemausert. Gegenüber der Vorsaison steigerte sich die Frohberg-Elf um fünf Zähler und vier Ränge – obwohl das Kader im Sommer redimensioniert worden war, respektive langjährige Leistungsträger den Verein verlassen hatten. Trainer Luigi Caracciolo hatte aber schon vor Meisterschaftsbeginn gesagt, er glaube einen guten Mix im Team zu haben und sehe das Potenzial für einen Platz im vorderen Mittelfeld. Mit seiner Einschätzung lag er richtig.

Knapp hinter den Stäfnern folgte der FC Horgen (6. Rang, 37 Punkte, 46:43 Tore). In Anbetracht dessen, dass sie im vergangenen Sommer – nach 15 Abgängen – eine fast komplett neue Equipe hätten zusammenstellen müssen, werte er diesen 6. Rang als sehr gutes Resultat, bilanziert Trainer Marcello Stellato. Gefallen hat ihm, dass sechs Junioren in die erste Mannschaft integriert werden konnten und sich mit Shams Artiq, Mendim und Endrite Gurgurovci gleich drei zu Stammkräften entwickelten. Für verbesserungswürdig hält Stellato dagegen die Ausbeute auf fremdem Rasen (einem Sieg stehen vier Niederlagen und acht Remis gegenüber).

Im Hinblick auf die kommende Saison wird das Horgner Kader einige Veränderungen erfahren. Captain Ilir Bakolli wechselt zu Lachen/Altendorf, Michael Nüss­li tritt zurück, Luka Katic pausiert, Nino Simic und Lorik Hasic verlassen den Verein in unbekannte Richtung. Im Gegenzug stossen vom FC Thalwil Goalgetter Mirco Coduti und Gentian Rusiti dazu, von den Reserven des FC Rapperswil-Jona nach einer Pause Floria Güdemann und aus der eigenen zweiten Mannschaft Mario De Ieso.

Männedorf auf gutem Weg

Auch der zweite Liganeuling neben Adliswil, der FC Männedorf (8. Rang, 36 Punkte, 35:46 Tore), schlug sich beachtlich. Obwohl im Vorfeld keine Investitionen ins Kader getätigt wurden, kam die Equipe von Mike Koller, der in die Fussstapfen des zu Herrliberg abgewanderten Aufstiegstrainers Kurt Kobel getreten war, nie wirklich mit den Abstiegsplätzen in Berührung. Dies, weil sich die jungen Spieler (das Durchschnittsalter liegt bei rund 23 Jahren) voll reinhängten und deshalb auch laufend Fortschritte erzielten.

«Ich bin sehr stolz auf die Entwicklung der Mannschaft», betont Koller. Geht das so weiter, ist der FCM auf gutem Weg, sich in der 2. Liga längerfristig zu etablieren. Bereits bekannt sind die Zuzüge von Daniel Di Bella (von Wetzikon) und Noé Angehrn (GC U-17/Tuggen). Verlassen werden das Team Daniel Schneider, Remo Hämmig, Michel Weber (alle Rücktritt), Timo Ehrenberg (Aus­­landsemester), Diogo Rodrigues (?), Nicolas Clavel (?), Dzelil Bajrami (?).

Eine durchzogene Saison erlebte der FC Wädenswil (10. Rang, 34 Punkte, 61:55 Tore). Sowohl in der Hin- als auch Rückrunde erwischte die Equipe jeweils einen guten Start und mischte vorne mit, doch gegen Ende ging es jeweils bergab, im Zuge der Unruhen auf der Trainerposition – Roberto Dominguez und Christian Meier traten Mitte April per sofort zurück, nachdem der Verein gut zwei Wochen davor verkündet hatte, die Zusammenarbeit mit dem Duo per Ende Saison zu beenden – zuletzt sogar steil. Inklusive Halbfinal des Regionalcups resultierten sieben Pleiten in Serie. Entsprechend bescheiden fällt die Zielsetzung für kommende Saison aus: «Wir möchten wieder mehr Konstanz und Spielqualität erreichen», sagt Niklaus Schertenleib, der Spiko-Präsident des FCW. Dafür sorgen soll der neu verpflichtete Trainer Rainer Bieli in Zusammenarbeit mit Adriano Sodano, der als Goalgetter und Assistenztrainer, wie bereits seit dem Trainerabgang Mitte April, dienen wird.

Erneuter Umbruch beim FCK

Der Name Bieli ist das Stichwort, um auf den FC Küsnacht (14. Rang, 20 Punkte, 31:58 Tore) überzuleiten. Zum Ende seiner fünften Spielzeit beim Goldküstenteam musste der Ex-Profi den Abstieg hinnehmen. Letzterer ist aber mehr auf einen Entscheid des Vorstands als auf Bielis Arbeit zurückzuführen. Weil beschlossen wurde, keine Spesen und Punkteprämien mehr zu bezahlen, kam es zu gewichtigen Abgängen. Die verletzungsbedingten Ausfälle von Bieli (als Abwehrpatron) und Claudio Corda verschärften die Situation. «Am Ende liessen wir durch fehlende Cleverness und auch Qualität einige Punkte zu viel liegen», resümiert Sportchef Richard Rieder.

Natürlich hoffe man auf eine schnellstmögliche Rückkehr in die 2. Liga, sagte Rieder, zuerst gelte es aber, wieder eine Siegermentalität aufzubauen. Umsetzen sollen dies mit Roger Fegble und Eren Okur, der dem neuen Trainer assistiert, zwei Altbekannte mit der Unterstützung ­einiger unbelasteter Spieler. (su)

Erstellt: 20.06.2018, 10:32 Uhr

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