Zürich

GC soll wieder «europäisch» werden

Als Rivalen des FC Basel können sie sich bei den Grasshoppers auch in dieser Saison nicht sehen. Aber zu einem Europacupplatz soll es doch reichen – in einer Saison ohne Derbys notabene.

Er soll bei GC  Munas Dabbur ersetzen: Ridge Munsy besticht durch seine physische Präsenz.

Er soll bei GC Munas Dabbur ersetzen: Ridge Munsy besticht durch seine physische Präsenz. Bild: Keystone

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In der vergangenen Saison waren die Grasshoppers zuerst eine Überraschung, dann zunehmend eine Enttäuschung. Mit 33 Punkten waren sie im Herbst die klare Nummer 2 hinter dem FC Basel, offensiv zumindest in Zahlen gar die Nummer 1. Im Frühjahr aber gewannen sie nur noch 20 Punkte, rutschten sie auf Platz 4 ab – wenig fehlte, und sie hätten gar noch die Europacup-Qualifikation verpasst. Und die war ihr erklärtes Saisonziel.

Jetzt gehen sie in die neue Spielzeit mit einer Mannschaft, die kaum so gut spielen kann wie jene des Herbsts 2015. Die aber erfolgreicher spielen soll, ja muss als jene des Frühjahrs 2016. Die also – mit etwas mehr Konstanz – fähig sein sollte, wieder Vierter zu werden. Also formuliert CEO Manuel Huber die Zielsetzung so: «Es ist ganz klar, dass wir wieder eine europäische Rangierung anstreben.» Eben einen Platz unter den ersten Vier, vielleicht reicht ja auch Platz 5.

Erste Hürde übersprungen

Als einziger Verein neben dem FC Vaduz, der seine Europacupsaison nach vier Matches gar schon beendet hat, machten die Grasshoppers schon zwei Pflichtspiele. Sie überstanden – allerdings mehr schlecht als recht – gegen den isländischen Meisterschaftszehnten KR Reykjavik ihre erste Qualifikationsrunde zur Europa League. Rückschlüsse auf die grundsätzliche Leistungsfähigkeit sind danach noch nicht möglich. Auch Pierluigi Tami, der Trainer, sieht sich noch ausserstande, «das Potenzial meiner Mannschaft wirklich einzuschätzen.» Er ist einfach mal zufrieden, dass seine Mannschaft nach einem Sieg gegen mitten in ihrer Meisterschaft stehende Isländer weiterhin die Chance hat, die Gruppenphase der Europa League zu erreichen – die für einen Verein vom aktuellen Zuschnitt der Grasshoppers ja auch attraktiv wäre.

Aber Tami hat doch auch Bedenken, in welcher Verfassung seine Mannschaft nur zweieinhalb Tage nach dieser Anstrengung ist fürs Startspiel gegen Lausanne-Sport. Er muss sich beispielsweise die Frage stellen, ob sein wichtigster Mann, Kim Källström, schon zu einem längeren Einsatz bereit ist – nur ein paar Tage nach seiner Rückkehr aus den Ferien, die er nach seinem EM-Start mit Schweden länger als die andern geniessen durfte. «Er muss selbst entscheiden,» wie er es sieht, sagt Tami. Gegen den KR Reykjavik half Källström eine letzte halbe Stunde lang, zeitweise gar als Innenverteidiger, weil andere durch Krämpfe geplagt wurden.

Die vier Neuen

Grundsätzlich muss GC einen Substanzverlust in der Offensive befürchten, denn ein Skorer von der Qualität Munas Dabburs ist ohne höheren finanziellen Aufwand nicht zu ersetzen – und den kann sich der Verein zurzeit nicht leisten. Mit Dabbur und Talent Shani Tarashaj, der im Frühjahr allerdings kaum mehr traf, verloren die Zürcher insgesamt 30 Ligatore.

Als Ersatz verpflichteten sie Ridge Munsy (27) vom FC Thun, einen Mann, der nicht die technischen Qualitäten Dabburs haben mag, aber einige physische Präsenz einbringt. Elf Meisterschaftstore für Thun sind keine schlechte Bilanz, das Zuspiel zum 1:0 Runar Sigurjonssons am Donnerstag war ebenfalls vom Feineren. Sigurjonsson ist ein anderer Neuer, vorgesehen fürs zentrale Mittfeld. Der 26-Jährige von der Nordküste Islands hat sich im Laufe seiner Karriere als zunehmend torgefährlich erwiesen; in den zwölf Spielen, die er 2016 noch für seinen letzten Klub, GIF Sundsvall aus Schweden, bestritt, traf er sechsmal. Er scheint auch ein Zweiwegspieler zu sein, offensiv wie defensiv brauchbar.

Vom neuen dänischen Linksaussen Lucas Andersen, mit seinen 22 Jahren eher noch ein Perspektivspieler, war noch weniger zu sehen – mit Ausnahmes des Passes zum 2:1. Im Prinzip nimmt er die Planstelle Tarashajs ein. Jene des Rechtsverteidigers Moritz Bauer nach dessen erstaunlichem Transfer zu Rubin Kasan in die 1. Division Russlands übernimmt der Romand Numa Lavanchy (23). Dass der diese Lücke stopfen kann, darf guten Gewissens erwartet werden.

Auch wenn sich nach nur zwei Pflichtspielen natürlich nicht schlüssig sagen lasse, welche Transferbilanz zu ziehen sei, sagt CEO Huber, so sei er im Prinzip doch zufrieden damit, was er im Verhältnis zu den Möglichkeiten erreicht habe. Viel werde sich sicher nicht mehr tun, «aber es ist nicht auszuschliessen, dass noch was passiert.» Und wenn einer so redet, dann darf man erwarten, dass noch was geht. Im Falle von GC eher in der Defensive als in der Offensive. Bisher nicht ersetzt wurde ja Philippe Senderos, der zwar Stammkraft war, der auch geblieben wäre, dem GC aber doch keinen neuen Vertrag anbot.

Es sind nicht nur die Ziele für die neue Saison die selben wie für die vergangene. Gleich geblieben ist auch der finanzielle Aufwand in Höhe von 20 Millionen Franken. Worauf sie bei GC natürlich wieder hoffen: Dass sich junge Spieler weiter Richtung Stammelf entwickeln. Das wäre auch deshalb hilfreich, weil das Kader erneut eher knapp wirkt.

Erstellt: 22.07.2016, 21:43 Uhr

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