Wädenswil

FC Wädenswil als Sprungbrett

Auch vor 13 Jahren war der Meisterschaftsschluss für die Linksufrigen dramatisch. Damals mit gutem Ende. Die Trainer Gianni Lavigna und Stefan Flühmann legten 2006 die Basis für eine tolle eigene Karriere.

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Der FC Wädenswil war am Ende der eben abgelaufenen Saison 2018/19 weiss Gott nicht vom Glück begünstigt. Das Fanionteam musste in die 3. Liga absteigen, weil Männedorf in der Nachspielzeit noch der Ausgleich gegen Urdorf gelang. Dafür schlug sich die zweite Wädenswiler Mannschaft in der 3. Liga achtbar. Vor 13 Jahren gab es eine ähnliche Konstellation bei den Linksufrigen. Aber mit gutem Ende. Damals für die zweite Mannschaft in der 3. Liga.

Das Wädenswiler Fanionteam schloss die Spielzeit 2005/06 in der Gruppe 2 der 2. Liga regional als beachtlicher Tabellenzweiter ab. Die Reserven in der 3. Liga jedoch darbten während der Saison lange abgeschlagen auf dem letzten Platz. Dank eines 2:0-Sieges in der letzten Meisterschaftspartie in Adliswil (unter Trainer Roberto Fregno) rettete sich Wädenswil aber noch.

Der damals 34-jährige Gianni Lavigna kam in Wädenswil zu seinem Trainerposten wie die Jungfrau zum Kind. «Ich spielte im Wädenswiler Fanionteam, verletzte mich aber schwer am Knie. In der zweiten Mannschaft fehlte plötzlich der Trainer, weil dieser als Lehrer ein Jobangebot aus San Diego erhalten hatte. Also sprang ich während der Saison ein und übernahm die Equipe, die abgeschlagen den letzten Tabellenplatz belegte», berichtet Lavigna.

Ein Finale erarbeitet

Gianni Lavignas Spielidee, er hatte das Fussball-Abc als Junior und Captain im damaligen NLA-Club FC Wettingen erlernt und danach in der 1. Liga bei Veltheim, Altstetten und Horgen verfeinert, war für die Wädenswiler Reserven wie massgeschneidert. «Ich wollte, dass das Team defensiv solid steht und kontern kann. Da kommt mir die Abwehr der italienischen WM-Mannschaft 1982 mit Gentile, Cabrini, Scirea, Bergomi in den Sinn. Zu null spielen ist immer gut. Da bleibe ich forever un vero italiano», erörtert der Coach seine Marschroute von 2006, die ihm auch später noch viel Erfolg beschert hat. Wädenswil 2 holte im Frühling 2006 auf. So erfolgreich, dass es sich im letzten Spiel in Adliswil mit einem Sieg sogar retten und in der 3. Liga bleiben konnte. Auch bei der entscheidenden Partie im Sihltal hatte Lavigna eine blendende Idee. Er stellte sich selber, kaum genesen von seiner schweren Knieverletzung, in die Mittelverteidigung und bot zudem für die Defensive den Trainer der ersten Wädenswiler Mannschaft, Stefan Flühmann, auf, der neben ihm agieren sollte.

«Ich musste das tun, weil ich wegen der damaligen Regel keine Verstärkungen aus dem Fanionteam mehr aufbieten konnte. »Gianni Lavigna, 2006 und 2007 Trainer des Drittligisten Wädenswil, gewährt Einblick in seine damalige Arbeit.

«Ich musste das tun, weil ich wegen der damaligen Regel keine Verstärkungen aus dem Fanionteam mehr aufbieten konnte. Und wir machten das, weil ich mit Stefan befreundet war, unser Präsident Rolf Hauser das abgesegnet hatte und Stefan und ich zu Sportchef Giuseppe Cianci einen guten Draht hatten», blickt Lavigna zurück. Seine Massnahme griff. Sein Team gewann in Adliswil 2:0. In der darauf folgenden Saison schloss er die Meisterschaft mit Wädenswil 2 im Mittelfeld ab.

Besondere Freundschaft

Gianni Lavigna hatte Stefan Flühmann nicht erst in Wädenswil kennen gelernt. Sondern schon rund 15 Jahre zuvor. «Wir spielten gegeneinander. Stefan für den FC Zürich, ich für Wettingen. Wir waren beide Captains und sprachen vor dem Anpfiff noch kurz miteinander. Da merkten wir, dass wir die gleiche Wellenlänge haben», klärt der zweifache Familienvater auf. Die Freundschaft hält bis heute. Flühmann war Lavignas Trauzeuge und Lavigna ist Götti von Flühmanns jüngstem Sohn Elia. Nicht nur die Freundschaft verbindet die beiden. Auch der sportliche Erfolg. Der mittlerweile 47-jährige Flühmann hat als Trainer gleich fünf Aufstiege vorzuweisen. Er führte den FC Wädenswil von der 3. Liga in die 2. Liga interregional, stieg mit Einsiedeln in die 2. Liga und mit Rapperswil-Jona von der 1. Liga classic über die Promotion League in die Challenge League auf – sensationell.

Aber auch der Palmarès von Lavigna kann sich sehen lassen: Räterschen führte er 2011 von der 4. Liga in die 3. Liga, Wiesendangen 2013 in die 2. Liga und Oberwinterthur 2018 mit elf Punkten Vorsprung ebenso in die 2. Liga. Und mit Bassersdorf stieg er eben in 2. Liga interregional auf. Gianni Lavignas Spielsysteme sind vielfältiger geworden. Einmal defensiver, einmal ganz offensiv. «Es macht Spass», sagt er zu seinem Trainerjob im Zürcher Unterland. Auch vor seiner schwierigen neuen Aufgabe in der nächsten Saison in der 2. Liga interregional – schwierig, weil in Bassersdorf kein Spieler finanzielle Entschädigungen erhält – ist ihm nicht bange. «Wir freuen uns auf die neue Herausforderung.»

Vor 13 Jahren hat Gianni Lavigna in Wädenswil mit dem Ligaerhalt das fast Unmögliche möglich gemacht. In dieser Saison wartet in Bassersdorf die zweite ganz grosse Herausforderung auf den Bankfachmann.

Erstellt: 08.08.2019, 19:43 Uhr

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