Weesen

«Eine Fehlertoleranz ist wichtig»

Sein Wissen vermittelt Philipp Egli sowohl als Coach des Zweitligisten Weesen als auch beruflich. Seit langem wohnt der 49-Jährige mit seinerFamilie in Maseltrangen. Neben Fussball sind eigene Pferde seine grosse Passion.

Weesens Trainer Philipp Egli hat gut lachen, denn seine Mannschaft gewann in der laufenden Meisterschaft bisher sieben von neun Spielen.

Weesens Trainer Philipp Egli hat gut lachen, denn seine Mannschaft gewann in der laufenden Meisterschaft bisher sieben von neun Spielen. Bild: David Baer

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Was können Sie besser als Ihre Spieler?
Philipp Egli: Auf Menschen eingehen, das ist meine Stärke. So sehe ich immer jeden Einzelnen im Team. Und in schwierigen Situationen kann ich gut Ruhe bewahren und gezielt kommunizieren.

Was können Ihre Spieler besser als Sie?
Definitiv Fussball spielen. Sie sind voll im Saft und gut ausgebildet.

Ihr grösster Erfolg?
Meine Familie, die mir sehr viel bedeutet. Ich habe eine wunderbare Frau und vier tolle Kinder (Buben 19- und 17-jährig, Mädchen 14 und 11; Red.). Alle spielen Fussball, der älteste Sohn ­Nino in meiner Mannschaft.

Und im Sport?
Nach dem Fussball hatte ich eine Unihockey-Karriere. Auf dem Kleinfeld stiegen wir bis in die 1. Liga – die höchste der Schweiz – auf. Ich bin polysportiv und früher wettkampfmässig Distanzrennen geritten. Da erlebte ich auch erfolgreiche Momente.

Wann werden Sie nervös?
Wenn ich merke, Menschen nicht so zu erreichen, wie ich will. ­Kommen meine Impulse nicht an, mache ich einen Schritt zurück und versuche, einen besseren Zeitpunkt zu erwischen.

Was macht Sie sprachlos?
Egoismus und Respektlosigkeit, auch die zunehmende psychische Gewalt im Alltag.

Was kochen Sie am liebsten?
Risotto mit einem guten Stück Fleisch. Das mache ich gern am Sonntagabend für meine Familie.

Welches Getränk empfehlen Sie dazu?
Natürlich Wasser, das trinken wir daheim sehr häufig. Aber zu einem guten Glas Rotwein sage ich bei Risotto auch nicht Nein.

Ihr erster Berufswunsch?
Ich träumte mal von einer Schauspielkarriere, bis das Pädagogische sich in mir durchsetzte.

Dann sind Sie Lehrer geworden?
Ja, Primarlehrer, und ich absolvierte dann früh die Schulleiterausbildung. Danach bildete ich mich weiter. Seit 15 Jahren bin ich selbstständig im Bereich Erwach­senenbildung und Coaching tätig. Alles, was mit Lernen zu tun hat, ist mein Ding.

Bleibt noch Zeit für Hobbys?
Wir haben Pferde und das Aus­reiten in der Natur ist ein herr­licher Ausgleich. Heute wan­dere ich auch gern, was ich als Kind nicht mochte. Draussen unterwegs zu sein, am liebsten mit meiner Frau, ist für mich Erholung.

Welches Thema beschäftigt Sie aktuell am meisten?
Die Schule und das Lernen allgemein. In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich viele Fakten verändert. Wenn Kinder fit für die Zukunft werden sollen, müssen unsere Schulen diese zur Kenntnis nehmen. Ich bin in viele Bildungsprojekte involviert. Der Austausch von Visionen mit Fachleuten und Berufskollegen ist spannend.

Welchen sportlichen Gross­anlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Die Olympischen Sommerspiele 1976 in Montreal. Damals schlich ich in der Nacht jeweils aus dem Bett und schaute mir heimlich die Wettkämpfe – ich wollte alle sehen – an. Am Morgen war ich in der Schule dann müde. (lacht).

Wie sind Sie zum Fussball gekommen?
Da ich nahe am Fussballplatz in Rüti ZH aufgewachsen bin, ­habe ich schon als Knirps im FC gespielt. Ich verbrachte jede freie Minute auf dem Rasen. Bis zur A-Meister­klasse blieb ich im FCR und spielte danach immer in Studiumsmann­schaften. Parallel begann ich beim UHC March-Altendorf (heute nach Fusion mit anderen Klubs Red Devils; Red.) mit Unihockey.

Was fasziniert Sie am Fussball?
Er stellt einen im taktischen, im technischen und im mentalen Bereich vor unglaubliche Her­aus­forderungen. Jeder Einzelne bringt seine Fähigkeiten mit ins Team, und es versucht dann, im Kollektiv das Beste herauszuholen. Auch die Dynamik ist faszinierend. Nie gibt es die gleiche Situa­tion. Als Trainer kann ich meine Idee von den Spielern umsetzen lassen und verfolge dabei immer den Entwicklungsansatz.

«Alles, was mit Lernen zu tun hat, ist mein Ding.»Philipp Egli

Warum sind Sie Trainer geworden?
Wegen meiner pädagogischen Seite und Faszination am Fussball. Als meine Buben im FC Weesen anfingen zu spielen, wollte ich es genauer wissen und liess mich zum Trainer (Egli hat heute die Uefa-B+-Lizenz; Red.) ausbilden. Die SFV-Kurse sind hervorragend. Ich begann als Juniorencoach im FCW und war Leiter Préformation für den Stützpunkt des Future Camps Ostschweiz. 2010 wurde ich Sportchef und UN17-Trainer im Team Glarnerland. In diesen beiden Funktionen war ich bis im Juni 2016 tätig.

Haben Sie den Entscheid jemals bereut?
Nein, auch in schwierigen Phasen überhaupt nicht. Der Zeitaufwand ist zwar riesig und nimmt stetig zu. Er ist aber zweitrangig, wenn man begeistert ist.

Seit Sie die 1. Mannschaft des FC Weesen trainieren, hatten Sie noch kaum schwierige Phasen.
Bis auf den Match vom letzten Sonntag (Weesen verlor in Altstätten 2:5 und damit erstmals in der laufenden Meisterschaft; Red.). Aber zuvor waren wir sehr erfolgreich. In Weesen habe ich mehr mit anderen Schwierig­keiten zu kämpfen.

Die da wären?
Die Platzverhältnisse zwingen mich immer wieder, ein alter­na­tives Training zu organisieren. Im September konnten wir in keiner Woche dreimal normal trainieren.

Was macht Ihnen sonst noch zu schaffen?
Wir haben derzeit einige angeschlagene und verletzte Spieler. Mit Pascal Müller und Thomas Hein­zer fallen zwei Leistungs­träger mit Knochenbrüchen aus, weitere sind krank oder gesperrt.

Und ohne diese muss Ihr Team nun morgen daheim im Spitzenkampf gegen Widnau bestehen.
Dem ist so, aber so erhalten an­dere Spieler die Chance, einzusteigen und mehr Verantwortung zu übernehmen. Und wir wer­den alles­ dafür tun, um unsere Leaderposition zu verteidigen.

Wie soll das gelingen?
Mit einem solidarischen Auftritt und einer sehr kompakten Mannschaftsleistung. Auch eine ge­wisse Fehlertoleranz ist wichtig. Denn die Automatismen funktionieren nicht genauso, wie wenn die ersten Elf auflaufen. Wir müssen mit der Überzeugung ins Spiel steigen, erfolgreich zu sein.

Was machen Sie anders als Ihr Vorgänger Vaclav Pechoucek?
Das müssten Sie die Spieler fragen. Da ich nicht genug nah dran war, kann ich das nicht beurteilen. «Vaci»­ war sehr erfolgreich. Nun liegt es an mir, zu beweisen, dass die Equipe das auch mit mir sein kann.

Wo stünde der FC Weesen ohne seine Tschechen?
Das ist eine etwas polemische Frage­. Alle sind hier berufstätig und mittlerweile gut integriert. Sie bringen eine Top-Einstellung mit, und unsere jungen Spieler profitieren. Der Verein will in Zukunft wieder mit Eigengewächsen breiter abgestützt sein. Ich bin stolz auf alle, die in die 1. Mannschaft nachgerückt sind und in den letzten Monaten grosse Fortschritte machten. Klar, hätten wir unsere Tschechen nicht oder sie nicht durch andere Spieler mit ähnlichen Qualitäten ersetzt, wür­den wir nicht zuoberst stehen. Dann wären wir ein durchschnittliches Zweitliga-Team. Aber sie sind für uns eine Riesenchance, und diese nehmen wir wahr.

Wie vertreiben Sie sich die Zeit auf der Heimfahrt von einem Auswärtsspiel?
Meist sitze ich mit unserem langjährigen Assistenzcoach Chrigel Bühler im Auto. Wir tauschen unsere Erkenntnisse aus, landen dann aber oft schnell bei anderen Themen. Nach einem Match Distanz zu nehmen, tut gut.

Was möchten Sie unbedingt erreichen?
Ich bin recht ehrgeizig. Die jüngsten Erfolge haben uns alle angestachelt. Im FCW will ich eine erfolg­reiche Zeit haben und die Mannschaft sowie den Verein weiterbringen. Privat ist mir wichtig, dass meine Familie glücklich und gesund bleibt. Es ist schön, wenn man sich aufeinander verlassen kann.

Erstellt: 27.10.2017, 10:03 Uhr

Worum gehts?

Seit Sommer trainiert Philipp Egli Weesens 1. Mannschaft, die Coach Vaclav Pechoucek zuvor in vier Saisons zu einem Zweitliga- Topteam geformt hatte. Zweimal waren die Gasterländer knapp am Aufstieg in die 2. Liga interregional vorbeigeschrammt. Unter Egli starteten sie erfolgreich in die Meisterschaft 2017/18. Nach sieben Siegen in Folge und einem Remis erlitt der Leader der 2. Liga, Gruppe 1 (OFV), zuletzt beim drittplatzierten Altstätten die erste Pleite (2:5). Morgen Samstag will das Team auf dem heimischen Moos im Duell mit Verfolger Widnau, der nur einen Punkt zurückliegt, die Spitzenposition behaupten. (ddu)

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