Fussball

Ein Thalwiler erstürmt die Super League

Im Sommer wechselte Christian Fassnacht von Thun zu den Young Boys. Auch in Bern entfaltet sich der Thalwiler. Er erzielte schon sieben Tore für den Leader der Super League und strotzt vor Selbstvertrauen.

Christian Fassnacht lässt sich nach einem Torerfolg von seinen Teamkollegen Kevin Mbabu (links) und Roger Assalé (rechts) feiern – der Thalwiler reitet auch bei den Berner Young Boys auf einer Erfolgswelle.

Christian Fassnacht lässt sich nach einem Torerfolg von seinen Teamkollegen Kevin Mbabu (links) und Roger Assalé (rechts) feiern – der Thalwiler reitet auch bei den Berner Young Boys auf einer Erfolgswelle. Bild: Keystone

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«Insgeheim hatte ich zwei Jahre im FC Thun geplant», verrät Christian Fassnacht. Doch der 23-Jährige war in der letzten Saison im Berner Oberland derart positiv aufgefallen, dass er «relativ viele Angebote von anderen Klubs» erhielt. In 35 Meisterschaftspartien hatte der Stürmer zehnmal getroffen und die Spielzeit in den Top Ten (Rang 9) der besten Torschützen der Super League abgeschlossen. «Als ich in Thun unterschrieb, rechnete ich nicht damit, dass es mir gleich so rundläuft», blickt Fassnacht zurück.

Der in Thalwil aufgewachsene Seebub musste sich über Umwege zum Fussballprofi hocharbeiten. Als Teenager war er, mit der Begründung, zu klein (damals 1,50 m) zu sein, im FC Zürich auf Stufe U16 ausgemustert worden. Fassnacht gelangte dann via Red Star ZH und seinen Heimatklub Thalwil, dem er im Sommer 2013 zum Aufstieg in die 1. Liga verhalf, zu Tuggen in die Promotion League. Der FCT lieh ihn den Märchlern für die Rückrunde der Saison 2014/15 aus. Mit 11 Toren in 18 Spielen schaffte er den Sprung zu Winterthur. In der Challenge League schlug Fassnacht derart ein, dass der FC Thun ihm im Mai 2016 einen Dreijahresvertrag mit Option unterbreitete.

Er kam, spielte und traf

Der Thalwiler, welcher sich sowohl körperlich (1,85 m) als auch spielerisch zu einem «Grossen» entwickelt hat, betont: «In Thun fühlte ich mich zwar enorm wohl.» Dennoch entschied er sich, auf die laufende Saison hin zu den Berner Young Boys zu wechseln. «Mir war schnell klar, dass ich weiterhin in der Schweiz spielen will», sagt Fassnacht. Ein Angebot des Schweizer Meisters Basel schlug er aus. «Denn YB wollte mich unbedingt und ich bereue meinen Entscheid nicht», stellt der ehemalige FCZ-Junior klar.

«Das Multikulturelle im Verein ist schön und tut mir gut.»Christian Fassnacht

Denn seine Hoffnung, in der Bundeshauptstadt schnell Bestandteil der 1. Mannschaft zu werden, erfüllte sich. Bereits im ersten Meisterschaftsspiel gegen Basel wechselte YB-Trainer Adi Hütter den Neuverpflichteten in der 75. Minute ein. Vier Tage später gehörte Fassnacht inder Champions-League-Qualifikation der Startelf an – und schoss beim 1:3 in Kiew den einzigen Treffer. Danach durfte er auch gegen GC durchspielen und führte YB mit zwei Treffern sowie einer Torvorlage zum 4:0-Auswärtssieg.

Auf dem Level bleiben

Mittlerweile hat der Angreifer schon siebenmal für die Gelb-Schwarzen getroffen. «Es könnte mir sogar noch besser laufen», weist er darauf hin, weitere gute Torchancen ausgelassen zu haben. Am meisten fuchst ihn aber die am letzten Samstag erlittene 1:2-Pleite in Lausanne. «Punkte, die wir nicht liegen lassen sollten», sagt Fassnacht, der nach 67 Minuten per Kopf für den Ausgleich besorgt gewesen war.

Unter anderem kommt der Thalwiler momentan zu viel Einsatzzeit, da mit Guillaume Hoarau der YB-Topskorer der vergangenen Saison verletzt ausfällt. Aber auch, weil er vor Selbstvertrauen strotzt. «Weil ich weiss, dass ich immer einen guten Match spielen und mein hohes Niveau halten kann», lautet seine Begründung. Das beruhige ihn enorm.

Krafttanken am Zürichsee

Zudem hat sich Fassnacht in Bern bestens eingelebt. «Der Klub ist top geführt und die Atmosphäre im Team sehr gut», schwärmt er. In der «mit vielen Afrikanern» (Zitat Fassnacht) gespickten Equipe blüht der Stürmer auf. «Das Multikulturelle im Verein ist schön und tut mir gut.» Ihm gefalle auch, dass er sich immer wieder mit in der Stadt ansässigen Verwandten treffen könne. In seiner Freizeit ist Fassnacht gern in der «wunderschönen Altstadt» und beim Bärengraben.

Die Batterien lädt er aber auch immer wieder am Zürichsee auf. Seine Freundin Jenny, die für ihn seit mehr als vier Jahren «eine wichtige Stütze ist», wohnt wie seine Mutter in Thalwil. «Hier kann ich bestens abschalten», sagt Fassnacht, der dies zu Wochenbeginn tat. Denn YB steht vor wichtigen Partien. Am Mittwoch hob das Team für das wegweisende Gruppenspiel von Donnerstagabend in der Europa League nach Kiew ab. Am Sonntag gastiert der Leader der Super League in Luzern, nächsten Mittwoch zum Cup-Achtelfinal in Münsingen. «Genau für solche Momente lebt ein Fussballer», meint Fassnacht, der in allen drei Duellen seinen Teil zu Siegen beitragen will.

Erstellt: 19.10.2017, 09:37 Uhr

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