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Bickel traf den neuen Trainer am Wurststand in Nyon

Goran Djuricin war bereits beim letzten GC-Spiel im Stadion, um sich ein Bild seines künftigen Teams zu machen.

Der neue Mann an der Seitenlinie: Goran Djuricin (M.) soll GC in die Super League führen.
Der neue Mann an der Seitenlinie: Goran Djuricin (M.) soll GC in die Super League führen.

Der Ton ist schnell gesetzt, als Goran Djuricin endlich reden darf. Zuerst hat noch Sportchef Fredy Bickel an diesem Medientermin in Niederhasli ausgeholt, wie die Trainersuche bei den Grasshoppers abgelaufen sei. Dann kommt Djuricin, für Bickel nur der «Gogo», und sagt: «Grüss Gott miteinander. Ich freue mich riesig, dass ich bei einem so tollen Club sein darf. Unser Ziel ist es aufzusteigen.»

Drei Sätze, vorgetragen in einem Tempo, das nichts mit Wiener Gemütlichkeit oder Gemächlichkeit zu tun hat. Djuricin, 45-jährig, schlägt auch einen forschen Ton an. Vielleicht hilft das ja, eine kriselnde Mannschaft aus ihrer Lethargie zu reissen. Jedenfalls muss Interimspräsident Andras Gurovits dem neuen Trainer an diesem Montagnachmittag mit Wohlwollen zuhören.

Der Neue zeigt keine Scheu und gibt die Parole aus, die Uli Forte stets umdribbelte. Forte redete nie von Aufstieg, für ihn wäre schon das Erreichen des Barrage-Platzes ein Erfolg gewesen. Alles andere empfand er als überhöhten Anspruch an die Mannschaft und an sich.

Goran Djuricin also, ein Glatzkopf wie Kojak, er ist nun bei GC, weil Bickel hier ist. Bickel hat schon einmal mit ihm zusammengearbeitet, das war bei Rapid Wien, das mit GC die ruhmreiche Geschichte und die sorgenvolle Gegenwart gemein hat. Sehr gut sei diese Zusammenarbeit gewesen, erinnert sich Djuricin, und Bickel hat immer wohlwollend von dieser Zeit und diesem Trainer erzählt. «Best friends», beste Freunde, seien sie deshalb nicht, stellt Djuricin klar. «Er hat mich schon mal rausgeworfen. Da möchte ich nochmals Danke sagen.»

Es ist einer dieser Sätze, die typisch sind beim ersten Auftritt Djuricins. Später wird er gefragt, welche Art Trainer er sei. Er sagt: «Ein sympathischer und netter.» Und am Ende erzählt er, wie wichtig ihm Familie und Freunde seien. Er ist selbst als eines von zwölf Kindern in Wien gross geworden. Wie viele Kinder er habe? «Offiziell?», fragt er. Es sind zwei, eines ist Marco, der von 2017 und 2019 für GC stürmte. Als er auf die Welt kam, war sein Vater 18.

Rapid als Höhepunkt

Bickel beförderte Djuricin bei Rapid im April 2017 vom Co- zum Cheftrainer, Djuricin führte das Team bis zum Sommer noch vom 7. auf den 5. Platz. Die folgende Saison endete mit dem 3. Rang. Danach bekam Djuricin aus wirtschaftlichen Gründen den Auftrag, Rapid in die Gruppenphase der Europa League zu führen.

Darauf sollte er alle Kräfte konzentrieren, die Ergebnisse in der Bundesliga waren mau, und die Fans begehrten auf, zumal Djuricin eine Vergangenheit bei Austria Wien hat. Viel Schlimmeres kann es für sie nicht geben. Das zum einen. Und zum anderen: Bei Rapid haben die Fans eine solche Macht, dass sie sogar die Clubpolitik beeinflussen können. Ende September 2018 musste Bickel dem Druck nachgeben und sich von Djuricin trennen. Bickel wäre nicht Bickel, wenn er nicht sagen würde, dass ihm das wehgetan hat.

Rapid war die erste Station für Djuricin in der österreichischen Bundesliga. Er war selbst Spieler gewesen, mit zehn Einsätzen bei der Austria, bis er eine schwere Knieverletzung und mit jungen Jahren schon die Laufbahn beenden musste. Er wurde Juniorentrainer, tingelte bei kleinen Clubs aus der 3. oder 4. Liga herum, die Donau, Pandorf, Favoriten, Mannsdorf, Neuaigen und Ebreichsdorf heissen. Er war auch Nachwuchstrainer beim nationalen Verband, bis er Ende 2016 als Co-Trainer bei Rapid unterkam.

Nach Rapid verschlug es ihn zu Blau-Weiss Linz in die 2. Bundesliga. Nach acht Monaten war hier Schluss. Die Punkte fehlten. Bickel hat er es nun zu verdanken, dass er aus der Arbeitslosigkeit geholt wurde.

Am Würstchenstand in Nyon

Am Sonntag vergangener Woche, zwei Tage nach dem 1:2 gegen Vaduz, trafen sich Bickel und Andras Gurovits, der Interimspräsident, zu einem Gespräch mit Uli Forte. Sie beschäftigten sich mit der Frage, was der Grund für die Probleme sei, und damit, wie sie ihm, Forte, helfen könnten. «Wir kamen zum Schluss, dass etwas passieren muss», erzählt Bickel.

Anfang letzter Woche erstellten Bickel mit Gurovits ein Profil für einen möglichen Nachfolger von Forte. Er begann, mögliche Kandidaten anzurufen und hörte auf die Frage, ob sie sich ein Engagement bei GC vorstellen könnten, oft die gleiche Antwort: langfristig ja, für drei Monate nein. Den Luxus dieser Antwort leisteten sich auch Trainer, die arbeitslos sind. Sie sind von den Bedenken geleitet, was denn sei, wenn sie mit GC jetzt nur Dritter würden und ob ihnen das für die Zukunft nicht schade.

Goran Djuricin soll Rekordmeister GC wieder zurück in die Erfolgsspur bringen.
Goran Djuricin soll Rekordmeister GC wieder zurück in die Erfolgsspur bringen.
Franz Kirchmayr/SEPA.Media /Getty Images
Am Montag präsentierte GC-Geschäftsführer Fredy Bickel den Nachfolger von Uli Forte.
Am Montag präsentierte GC-Geschäftsführer Fredy Bickel den Nachfolger von Uli Forte.
Roger Albrecht/freshfocus
Am 9. April wird Forte als neuer GC-Trainer vorgestellt, der Abstieg in die Challenge League ist da bereits fast sicher. Das Ziel ist der möglichst schnelle Wiederaufstieg – doch dieser kann nun nur noch ohne Forte gelingen.
Am 9. April wird Forte als neuer GC-Trainer vorgestellt, der Abstieg in die Challenge League ist da bereits fast sicher. Das Ziel ist der möglichst schnelle Wiederaufstieg – doch dieser kann nun nur noch ohne Forte gelingen.
Keystone
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Bickel rief Djuricin an. Djuricin zeigte nicht diese Ängstlichkeit. Gut, auch er sagt: «Ich habe lange überlegen müssen.» Und verrät im nächsten Satz, was er unter «lange» versteht: «Circa zwei Sekunden.» Er buchte letzten Freitag einen Flug von Wien in die Schweiz, um GC in Nyon gegen Stade Lausanne-Ouchy zu sehen. Er tat das, ohne zu wissen, was mit Forte passiert, er wollte sich einfach live Eindrücke verschaffen, um auf allfällige Gespräche vorbereitet zu sein. Bickel sagte er nichts von seiner Reise. Der schaute umso überraschter, als er in der Halbzeit des Spiels am Würstchenstand auf einmal Djuricin vor sich sah.

Nach dem 1:4 fuhr Bickel mit Gurovits nach Zürich zurück, es wurde eine kurze Nacht und ein langer Samstag, weil jetzt klar war, dass es für Forte kein Halten mehr gab. Am Sonntagmorgen hatte der Sportchef fünf Namen auf seiner Liste möglicher Kandidaten. Am Abend war es noch einer. Und am Montag sagt Bickel: «Für mich war relativ schnell klar, dass es das Richtige ist, was wir hier tun.»

Die Schrauben finden

Djuricin leitet am Montag das erste Training, noch ohne einen Vertrag unterschrieben zu haben. Er trifft auf Spieler, die demotiviert oder zumindest nachdenklich waren. «Wir müssen in ihre Köpfe rein», ist sein Vorsatz und meint damit, dass er bei ihnen den Druck lösen will, dass sie wieder Spass haben und Willenskraft zeigen. In seiner ersten Analyse bemängelt er die «Tiefenläufe» und die «Boxbesetzung». Er könnte auch sagen: Er möchte mehr Spieler, die mehr die Tiefe suchen und mehr im gegnerischen Strafraum präsent sind. Er will, dass sie besser verteidigen, mutiger sind und kreativer im Spiel.

Alles in allem heisst das darum: «Wir müssen an den richtigen Schrauben drehen.»

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