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Die Super League ist sogar für den Statistik-Guru zu chaotisch

Bei US-Wahlen sagt er die Ergebnisse von 50 Staaten korrekt voraus. Aber wenn in der Schweiz Fussball gespielt wird, tappt das Modell von Nate Silver oft im Dunkeln.

Viele Beine, viel Gewusel, wenig Durchblick: Diese Szene aus dem Spiel zwischen Lugano und Sion ist sinnbildlich für die gesamte Super League.
Viele Beine, viel Gewusel, wenig Durchblick: Diese Szene aus dem Spiel zwischen Lugano und Sion ist sinnbildlich für die gesamte Super League.
Keystone

Der Mann ist für seine fast schon gespenstisch guten Voraussagen berühmt. 2008, als die Wahl von Barack Obama zum Präsidenten der USA praktisch alle Umfrageergebnisse und Hochrechnungen widerlegte, hatte Nate Silver die Ergebnisse in 49 von 50 Bundesstaaten korrekt vorausgesagt. Vier Jahre später lag er dann auch noch bei Indiana richtig. Spätestens seit dann gilt Silver als Guru der Statistikmodelle und Hochrechnungen.

Es ist also durchaus eine Leistung, was die Clubs der Super League in dieser Saison hinbekommen: Die höchste Schweizer Liga ist ganz offensichtlich so chaotisch, dass das Modell des US-Starstatistikers an seine Grenzen kommt. Den US-Präsidenten voraussagen? Easy. Aber Luzern gegen Thun? Da kommt der Algorithmus ins Schwitzen.

Silver hat seine Karriere im Sport angefangen. Mit einem Rechenmodell, das den Karriereverlauf von Baseballspielern voraussagte. Kein Wunder, dass er mit seinem Blog «FiveThirtyEight» auch heute noch regelmässig Sportthemen bearbeitet.

Auch das Modell setzt auf YB

Unter anderem wird inzwischen auch die Super League prognostiziert. Zur Anwendung kommt vereinfacht gesagt ein Modell, bei dem die offensiven und die defensiven Qualitäten der Teams gegeneinander aufgerechnet werden. Daraus ergibt sich die Wahrscheinlichkeit für Sieg, Niederlage oder Unentschieden. Und daraus wiederum wird die wahrscheinlichste Schlussrangliste erstellt.

Gut, es braucht wahrscheinlich keine lange Rechenreihe, um darauf zu kommen, dass die Young Boys mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder Meister werden. Und den FC Basel auf Rang zwei zu setzen, ist auch nicht bahnbrechend.

Gnadenlose Eleganz

Es hat aber eine gewisse gnadenlose Eleganz, wenn «FiveThirtyEight» die Wahrscheinlichkeit auf den Meistertitel für die Clubs ausserhalb von Bern und Basel berechnet. Die Chancen aller acht anderen Vereine auf den Pokal stehen laut Modell bei unter einem Prozent.

Und genau hier liegt auch das Problem für die Statistiker: Bis auf YB und FCB sind alle Teams so nahe beieinander, dass sich kaum vernünftige Voraussagen machen lassen. Das ist auch der Grund, warum wir hier die Rangliste zwischen Rang drei und acht einfach ausgewürfelt haben. «FiveThirtyEight» versucht es trotzdem Spiel für Spiel. Und scheitert oft grandios.

In 62 Prozent der Spiele lag das Modell bislang daneben. Von den bisher 21 Partien der Super League endeten nur 8 mit dem laut Modell wahrscheinlichsten Resultat. 6-mal kam es zum unwahrscheinlichsten Ausgang.

Der FCZ und die Abstiegsgefahr

Und so können sich auch die Fans des FC Zürich und von Neuchâtel Xamax trösten. Der FCZ wird derzeit mit 30-prozentiger Wahrscheinlichkeit als Absteiger geführt, bei Xamax sind es 35 Prozent. Das wird sich noch einige Male verändern.

Schliesslich war Nate Silver auch nicht bei allen US-Präsidentschaftswahlen erfolgreich. 2016 sagte er zwar die Stimmenprozente für Hillary Clinton fast auf die Kommastelle richtig voraus. Aber mit einem Sieg von Donald Trump hatte auch er nicht gerechnet.

Die Tabelle, wie sie «FiveThirtyEight» am 14. August für das Saisonende voraussagt.
Die Tabelle, wie sie «FiveThirtyEight» am 14. August für das Saisonende voraussagt.

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