Fussball

Die Favoriten sind andere

Die Zweitligisten vom Zürichsee sehen sich in der am Samstag beginnenden Meisterschaft allesamt im Mittelfeld der Gruppe 1.

Los gehts: Ab diesem Wochenende gilt es für die Männedörfler (am Ball Nico Bochicchio) und Stäfner (Alan Sabotic) wieder ernst.

Los gehts: Ab diesem Wochenende gilt es für die Männedörfler (am Ball Nico Bochicchio) und Stäfner (Alan Sabotic) wieder ernst. Bild: André Springer

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Vergangene Saison stand eine Mannschaft über allen: Adliswil. Gleichermassen überraschend wie klar, handelte es sich doch um den Aufsteiger, der am Schluss die Konkurrenz um elf und mehr Zähler distanzierte und somit sogleich in die 2. Liga interregional durchmarschierte.

Wer tritt nun in die Fussstapfen des FCA? Von den verbliebenen vier Zweitligisten aus der Region – Horgen, Männedorf, Stäfa und Wädenswil – sieht sich keiner als Aufstiegskandidat, die Favoritenrolle wird vor allem Lachen/Altendorf, das sein bereits gutes Kader kräftig verstärkt hat, oder Teams wie Red Star 2 oder Witikon zugeschoben. Die ambitionierteste Zielsetzung formuliert Wädenswil mit «einer Klassierung im vorderen Drittel». Stäfa will sich derweil im vorderen Mittelfeld halten, Horgen dahinter etablieren, dasselbe gilt für Männedorf.

Bieli soll FCW stabilisieren

Wädenswil sieht sich also als neue Nummer 1 unter den Zweitligisten vom See. Adliswil einmal ausgenommen, hätte es das auch in der vergangenen Saison sein müssen. In der Schlussabrechnung lagen Stäfa (4./39), Horgen (6./37.) und Männedorf (8./36.) damals zwar vor den Wädenswilern (10./34.), dies aber auch nur, weil diese gegen Saisonende nach dem vorzeitigen Abgang des Trainerduos Roberto Dominguez/Christian Meier (der Verein hatte angekündigt, die Zusammenarbeit nicht zu verlängern) keinen Fuss mehr vor der anderen brachten. Die Spielzeit endete, Cup inklusive, mit sieben Niederlagen in Serie.

Mit Rainer Bieli hat im Sommer nun ein neuer Mann übernommen. Der Ex-Profi wechselte vom in die 3. Liga relegierten Küsnacht über den See. Die Erwartungen sind hoch: Gefordert sind mehr Konstanz und Spielqualität – und so letztlich eben ein Rang in den Top 4. «Das wird sicher eine Her­ausforderung», sagt Bieli. Umso mehr, als einige Schlüsselspieler, mit denen er gerechnet hatte, noch abgesprungen seien. So etwa Adriano Soldano, der eigentlich als Assistenztrainer vorgesehen war, dann aber nicht widerstehen konnte, als sich ihm die Chance bot, zu Erstligist Thalwil zu wechseln. Im Gegenzug kamen viele Nachwuchsspieler und solche aus unteren Ligen. Bieli ist dennoch zuversichtlich: «Wir haben eine homogene Truppe, in der viel Entwicklungspotenzial steckt.» Es sei aber klar, dass sie sich zuerst «finden» müssten. Kein Problem ist für ihn, nun «nur» noch Trainer zu sein (eine Knieverletzung zwang ihn dazu, die Aktivkarriere definitiv zu beenden). «Eigentlich hatte ich ja als Spieler schon aufhören wollen, als ich zu Küsnacht ging. Dieser Schritt kam also nicht unerwartet.»

Mehr Qualität bei Männedorf

Zuversichtlich zeigt sich auch Mike Koller, der beim FC Männedorf seine zweite Saison als Cheftrainer in Angriff nimmt. «Wir konnten uns in jeder Linie verstärken», ist der 32-Jährige überzeugt. In der Abwehr schliesst der routinierte Moritz Schmid, zuletzt für ein halbes Jahr abwesend, zusammen mit den talentierten Lauridis Caspersen und Noé Angehrn die Lücken, welche durch die Abgänge der beiden Stammkräfte Remo Hämmig und Timo Ehrenberg entstanden sind. Und in Mittelfeld und Offensive sollten Zuzüge wie Pietro Serra, Daniel Di Bella oder Amadou Mbaye das wohl grösste Manko der vergangenen Saison, die der damalige Aufsteiger auf Rang 8 beendete, ausmerzen können. «Wir werden in der Offensive stärker sein und mehr Tore schiessen», sagt Koller, der in der Vorbereitung neue Wege ging: «Wir haben die Planung etwas umgestellt, sprich früher begonnen und dafür im Juli nochmals zwei Wochen Pause eingelegt.» Dies habe sich positiv auf die Trainingsbeteiligung und -qualität ausgewirkt.

Das Saisonziel formuliert der Trainer folgendermassen: «Regelmässig punkten, von Beginn an nichts mit dem Abstieg zu tun haben, spielerisch einen Schritt vorwärtskommen und speziell zu Hause attraktiven Fussball zeigen, damit die Zuschauer weiterhin zahlreich erscheinen.»

Horgen setzt auf eigene

Mit einem ähnlichen Ziel steigt Marcello Stellato in seine zweite Saison beim FC Horgen. Auch er möchte mit seinem Team «von Beginn an nichts mit dem Abstieg zu tun haben». Angestrebt wird das obere Mittelfeld (nach Rang 6 in der letzten Meisterschaft). Massgeblich zu einer erfolgreichen Saison beitragen soll Mirco Coduti. Der 23-jährige Stürmer ist nach dreieinhalb Saisons beim Erstligisten Thalwil (inklusive Cup 78 Partien, 26 Tore) aus beruflichen Gründen zu seinem Stammverein zurückgekehrt. Nicht wirklich fit allerdings: Bereits bekannte Knieprobleme verschlimmerten sich schon in der ersten Vorbereitungswoche derart, dass Coduti kaum mehr trainieren konnte. «Im besten Fall kann ich ihn beim Saisonauftakt eine Halbzeit lang bringen», seufzt Stellato, der sich dank Coduti eine deutliche Effizienzsteigerung im Abschluss erhofft.

Mit Gentian Rusiti (ebenfalls von Thalwil) und Kevin Fagone (Oberrieden) kehrten zwei weitere Akteure zu Horgen zurück. Wieder vermehrt eigene auf dem Platz zu haben, ist dem Verein ein grosses Anliegen. Darum ist er auch stets bestrebt, eigene Junioren ins Fanionteam einzubauen. Vergangene Saison haben sich drei Eigengewächse zu Stammspielern entwickelt, weitere haben das Potenzial, es in der neuen zu schaffen.

Dass es in den bisherigen Testspielen ziemlich oft im FCH-Netz einschlug (10:22 Tore), beunruhigt Stellato nicht sonderlich. «Wir hatten extrem viele Absenzen zu beklagen.» Es bleibt auch noch etwas Zeit zur Korrektur, denn Horgen startet erst am kommenden Donnerstag in die Saison (in Altstetten).

Stäfa mit bewährtem Team

Sehr wenig verändert hat sich im Sommer beim FC Stäfa. Eine Folge der Vereinsphilosophie, wie Trainer Luigi Caracciolo erklärt: «Wir setzen keine finanziellen Anreize, wollen mit eigenen Spielern Fortschritte erzielen.» Zwei Abgängen stehen zwei Zuzüge gegenüber, beide Nachwuchsspieler. Sowieso sind viele Junge im Kader. Dies bringt Vor- und Nachteile, sagt der Trainer: «Sie sind hungrig und haben Entwicklungspotenzial. Aber einige müssen in die RS, habe Matura- oder Lehrabschlussprüfungen und werden deshalb öfters nicht zur Verfügung stehen.»

Absenzen waren auch in der Saisonvorbereitung ein Problem. «So richtig zusammen trainiert haben wir erst eine gute Woche.» Auch wenn der Einsatz gestimmt habe, seien sie doch etwas im Rückstand.

Bezüglich Saisonziel gibt sich Caracciolo zurückhaltend: «Den 4. Rang der vergangenen Spielzeit als Massstab zu nehmen, ist heikel, weil die Clubs sehr nahe beisammenlagen. Wir hätten genauso gut Neunter oder Zehnter werden können.» Demgegenüber hätten sie auch viele Punkte unnötig liegen gelassen, weil sie ihr Spielkonzept nicht immer voll durchzogen. «Wir müssen jede Partie wie einen Cupmatch nehmen, mit der richtigen Einstellung angehen. Dann ist vieles möglich.» Vielleicht auch, die Nummer 1 unter den Zweitligisten vom See zu sein. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.08.2018, 10:57 Uhr

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