FC Zürich

Der FCZ mit dem Blick nach Europa

Der FCZ war vor einem Jahr kein «gewöhn­licher» Absteiger, er ist jetzt auch kein «gewöhnlicher» Aufsteiger in die Super League. Dazu passt, dass er sich wie selbstverständlich eine Europacup-Qualifikation zum Ziel gesetzt hat.

FCZ-Trainer Uli Forte geht davon aus, dass sein Team stärker ist als letzte Saison.

FCZ-Trainer Uli Forte geht davon aus, dass sein Team stärker ist als letzte Saison.

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Die Ehrenrunde durch die Challenge League, die sich schliesslich als wesentlich angenehmer und vor allem für die Psyche erholsamer herausstellte als befürchtet, hat der FCZ hinter sich. Er ist wieder dort, wo er sich zugehörig fühlt, wo er natürlich auch hingehört. Grosspurig ist er nicht zurückgekehrt, aber doch im Gefühl, den Absturz gut verarbeitet, die Lehren daraus gezogen zu haben und sich nun wieder dort einfädeln zu können, wo in der Elite nicht gegen den Abstieg gekämpft wird, sondern Fussball-Europa im Blickfeld ist.Also sagt Thomas Bickel, der in seinem ersten Jahr als Leiter Sport leistete, was von ihm verlangt worden war: «Wir beurteilen die Transferzeit als positiv und wir haben die Europacup-Qualifikation als Ziel.» Platz 5 sei, fügt er bei, «angesichts unseres Kaders ein realistisches Ziel. Und weiter nach oben ist alles möglich.» Aber eben, «primär gilt: Wenn wir fünf Klubs hinter uns lassen, können wir sagen, gut gearbeitet zu haben.»

«Zentimeter für die Abwehr»

Prinzipiell hatte Bickel gesagt, das Transferziel sei, «drei, vier Spieler zu verpflichten, die uns weiterhelfen». Am besten einen pro Linie. Wenn man nun auf die Neuen schaut, ist zu urteilen: Der Gambier Pa Modou (27) ist mit sieben Jahren in der Super League ein sehr erfahrener, solider Mann für die linke Flanke; der Berner Michael Frey (23) ist eine Ergänzung für die Offensive, wo er ein Plus an Physis einbringen könnte. Dann gibts noch den Isländer Viktor Palsson (26), der zuletzt – weil verletzt – nicht mehr zu sehen war und auch fürs Startderby ausfällt. Einen «erfahrenen zentralen Spieler, der eine gute Ergänzung für die andern ist und auch Innenverteidiger spielen kann», nennt ihn Bickel. Mit seinen 1,86 m ist er physisch stärker als der «normale» FCZ-Aufbauer. Zuletzt allerdings ist er mit dem Esbjerg FB aus Dänemarks 1. Liga abgestiegen.

 «Primär gilt: Wenn wir fünf Klubs hinter uns lassen, können wir sagen, gut gearbeitet zu haben.»FCZ-Sportchef Thomas Bickel

Die andern Neuen sind vorderhand eher junge Ergänzungen wie Offensivspieler Kilian Pagliuca (21), der Rückkehrer aus Wohlen, oder Yassin Maouche (20), ein zentraler Aufbauer aus Genf. Es überrascht also nicht, dass Bickel und Uli Forte, sein Trainer, sagen, dass sie noch einen Mann für die Defensive suchen. «Wir brauchen noch Zentimeter in der Abwehr», formuliert es Forte, «aber wir haben noch bis Ende August Zeit.» Zentimeter gingen in der Abwehr ja, weil Ivan Kecojevic keinen Vertrag mehr erhielt.

Die FCZler mussten in der Transferperiode ja auch nicht wüten, wie das andere hätten tun müssen, hätten sie sich vom Aufsteiger zum reellen Europacup-Kandidaten mausern wollen. Denn der FCZ spielte ja schon mit einer unbestrittenen Super-League-Mannschaft in der Challenge League. Und dort erhielten Junge ein Jahr lang Gelegenheit, Fortschritte zu machen, wie ihnen eine Liga höher kaum geboten worden wäre. Spieler wie Cédric Brunner und vor allem Kevin Rüegg haben das genutzt, aber auch der senegalesische Stürmer Moussa Koné, der ja erst 21 ist. Also sagt Forte auch deswegen: «Ich gehe davon aus, dass wir stärker sind als letzte Saison.»

Die Linie mit den Jungen

Der FCZ muss in seiner Arbeit ja auch darauf achten, den eigenen Vorgaben gerecht zu werden, die eben auch die Arbeit mit dem eigenen Nachwuchs in den Vordergrund rücken soll. Bickel hats ja schon wiederholt gesagt, er hats auch gestern wieder erwähnt: «Es soll künftig keinen jungen Spieler mehr geben, der den FCZ verlässt und sagt, er habe eben keine Chance erhalten.» Dass welche wie Djibril Sow und Dimitri Oberlin nach einem viel zu frühen Abstecher vom FCZ ins Ausland jetzt wieder in die Super League zurückkehren, nach Bern und Basel, ist ja nun wirklich nicht das Beispiel für eine ideale Entwicklung. Mancher Spieler (und sein Berater) ist selbst schuld daran. Aber der FCZ will sich, auch im eigenen sportlichen Interesse, nicht mehr nachsagen lassen, er habe Qualitäten im eigenen Haus übersehen. Also muss es auch Platz für ihn geben, wenn einer sein Talent zeigt.

Die Vorbereitung und die Transferzeit liefen also so, dass die FCZ-Oberen mit ruhiger Selbstgewissheit ihre Rückkehr in der Elite angehen. So ganz ohne Rückschlag gings aber nicht ab, denn es fielen mit dem Jungverteidiger Michael Kempter und dem schon erfahreneren, aber auch immer wieder verletzten Marco Schönbächler binnen weniger Tage gleich zwei mit einem Kreuzbandriss aus. «Ein Schock» sei das gewesen, sagt Forte. Eine Pause, die noch andauert, musste auch Antonio Marchesano einlegen. Palsson ebenso.

Die älteren Herren in der Abwehr

Positiv ist zu sehen, was die FCZ-Gemeinde von seiner Offensive erwarten kann – mit den schnellen Afrikanern Koné und Raphael Dwamena. Noch ist auch Dzengis Cavusevic im Kader, der slowenische Routinier. Aber es könnte die Zeit kommen, da er sich verändert, weil er zu wenig eingesetzt wird. Eher Fragen zu stellen sind zur Abwehr, wo ältere Herren wie Alain Nef und Burim Kukeli wirken. Aber eben, es wird ja noch einer gesucht, und zwar im Ausland. Sonst hätte man ja noch mehr Zeit als «nur» bis Ende August.

Das Derby – das ist natürlich ein höchst attraktiver Start. Wer gewinnt, hat mal eine schöne Woche vor sich. Aber nicht mehr – oder wie es Forte sagt: «Der erste Match entscheidet nicht über eine Saison. Dass schon dieses Derby sagen soll, wie dann die Saison wird – das ist dann doch überspitzt.» Wie wars 1990, als Aufsteiger FCZ im Startderby Champion GC 2:1 schlug? GC wurde dennoch wieder Meister, der FCZ musste durch die Auf-/Abstiegsrunde.

Erstellt: 21.07.2017, 20:36 Uhr

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