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Der erste Aussetzer des FCZ

Im Herbst ungeschlagen, erlaubte sich der FC Zürich im ersten Frühjahrsspiel eine Niederlage. In Genf verlor er gegen Servette 1:2. Das war zwar keineswegs zwingend, aber auch nicht unverdient oder gar unlogisch.

Gegen Servette das Nachsehen hatte der FC Zürich (rechts Dzengis Cavusevic) in Genf.
Gegen Servette das Nachsehen hatte der FC Zürich (rechts Dzengis Cavusevic) in Genf.
Keystone

Ein halbes Jahr lang war der FCZ immer wieder dafür gerühmt worden, wie ernst er die Spiele nahm, mochte der Gegner auch ein noch so klarer Aussenseiter sein. Da leistete Uli Forte, der Trainer, gute Arbeit. Und es ist auch nicht daran zu zweifeln, dass er dies auf der ersten Reise im neuen Jahr wieder gemacht hat.

Zu deutlich hat er ja gesagt, wie man mit «einem guten Start gleich einiges klarstellen» könne. Als «guten Start» in Fortes Sinn war ein Dreier in Genf zu sehen, wo sein FCZ im Herbst ja gleich 4:0 gewonnen hatte. Und danach ein Heimsieg gegen Neuchâtel Xamax, das als Tabellenzweiter zurzeit ähnlich einsam in der Tabelle steht wie der FCZ über ihm.

Es wäre nun übertrieben, zu sagen, Fortes FCZler hätten den Match gestern in Genf nicht ernst genommen. Aber den Eindruck einer Mannschaft, die von der ersten Minute an entschlossen war, zuerst mal einen Vorsprung und dann einen Sieg zu erzwingen, machten sie nicht – eindeutig nicht. Gegen in einem 4-5-1 von seinem neuen Trainer Meho Kodro gut eingestellten Gegner begnügte sich der FCZ einstweilen mal, die Dinge unter Kontrolle zu halten. Er tat dies auch im Bewusstsein, irgendwann dann schon luzid zu sein für den einen oder andern durchschlagenden Angriff.

Sauthiers Überraschungsschuss

In Gefahr geriet der FCZ so mehr als eine Halbzeit lang nicht. Und in der 35. und in der 57. Minute boten sich ihm durch Dzengis Cavusevic und Roberto Rodriguez jene Chancen, die den vom FCZ geplanten Gang der Dinge befördert hätten. Dennoch war der Eindruck nicht wegzuleugnen, die Zürcher spielten etwas allzu selbstzufrieden; nicht unkonzentriert oder überheblich, aber doch im Glauben, ihnen könne nichts passieren, ihnen glücke ­irgendwann schon der entscheidende Schlag.

Den wollte Forte damit forcieren, dass er den ziemlich wirkungslosen Marco Schönbächler und Cavusevic durch Topskorer Adrian Winter und die Vorarlberger Neuerwerbung Raphael Dwamena ersetzte. Aber ehe sich, nach gut einer Stunde, feststellen liess, was aus diesen Absichten der Zürcher werden lönnte, lagen sie zurück – überraschend, aber eben so, wie es Mannschaften passiert, die zu wenig entschlossen auf die eigene Führung ausgehen.

Eigentlich war die Szene in der 65. Minute harmlos; ein ­Einwurf und ein Doppelpass draussen nahe der Seitenlinie; aber plötzlich hob Anthony Sau­thier, der Rechtsverteidiger, unweit der Strafraumecke zu einem Schuss an. Und der Ball flog, unerreichbar für den düpierten Torhüter Andris Vanins, in hohem Bogen in die weitere Torecke.

Nefs Reaktion zu spät

Nun hatten die Genfer, die nach zwei klaren Niederlagen im Herbst schon mit einem Unentschieden zufrieden gewesen wären, gar den Sieg vor Augen. Die Vorteile lagen nun bei ihnen, zumal die Reaktion des FCZ nicht sonderlich koordiniert, eher übereifrig wirkte. Die nächsten Chancen hatte jedenfalls Servette. Matias Vitkieviez überlief Umaru Bangura und drosch den Ball an die Latte.

Alain Nef spielte mit dem Versuch, einen Konter zu stoppen, einen Gegner frei, Torhüter Vanins konnte Jean-Pierre Nsame nur noch mit einem Foul stoppen. Also durfte Servettes französischer Topskorer, der zuvor gegen Nef die meisten Duelle verloren hatte, den Elfmeter zum 2:0 verwerten.

Das Kopftor Nefs zum 35. Geburtstag reichte als Reaktion des FCZ nicht mehr. Er fuhr geschlagen heim, und sein Trainer Forte wird es nun einfacher haben, seine Spieler zu mehr Entschlossenheit zu ermahnen. Das Spitzenspiel gegen Xamax ist die beste Gelegenheit dazu. Neun Punkte Reserve sind ja noch immer viel. Wären es am kommenden Montag aber nur noch sechs, dürfte man gar auf eine etwas spannendere Rückrunde hoffen.

Einen besseren Linksverteidiger als Nicolas Stettler, etwas bissigere «Sechser» als Antonio Marchesano und Burim Kukeli oder grundsätzlich zupackendere Offensivspieler als gestern müsste der FCZ fortan wieder haben. Die Genfer ihrerseits fahren am Samstag als Tabellendritter auf die Winterthurer Schützenwiese.

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