Thalwil

«Bin quasi mit dem Ball geboren»

Mario Budimir eifert Cristiano Ronaldo nach. Der Glarner mit kroatischen Wurzeln und Challenge-League-Erfahrung stürmt neu beim Erstligisten Thalwil. Dem 22-Jährigen, der jeden Sonntag mit seiner Familie in die Kirche geht, fällt es schwer, Nein zu sagen.

Mario Budimir ist in Thalwil angekommen: Der Stürmer geniesst im Hotel Sedartis einen Kaffee, welcher für ihn zum Alltag gehört.

Mario Budimir ist in Thalwil angekommen: Der Stürmer geniesst im Hotel Sedartis einen Kaffee, welcher für ihn zum Alltag gehört. Bild: Dominic Duss

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Sie haben eben einen Kaffee bestellt. Was mögen Sie daran?
Mario Budimir: Er ist für mich ein Muss. So wie die Leute auf dem Balkan komme auch ich nichtohne vier bis fünf pro Tag aus.

Ist das auch Ihr Lieblingsgetränk?
Nein, ich habe keines, trinke aber am meisten Wasser und Kaffee.

Bleiben wir noch beim Kulinarischen. Was essen Sie gerne?
Cevapcici (gegrillte Röllchen aus Hackfleisch, Red.) und auch sonst viel Fleisch.

Können Sie es auch selbst zubereiten?
Ja, ich kann gut kochen. Als ich mit 18 daheim ausgezogen bin (inzwischen wohnt er zwar wieder bei seinen Eltern in Bilten, Red.), blieb mir nichts anderes übrig.

Inwiefern achten Sie als Sportler auf die Ernährung?
Sehr. Fast Food esse ich ganz selten. Frisch – entweder selber oder von meiner Mutter – zubereitete Mahlzeiten sind mir wichtig. Auf Süssgetränke verzichte ich und gönne mir höchstens mal eine Apfelschorle.

Womit bestreiten Sie Ihren Lebensunterhalt?
Momentan arbeite ich noch als Pöstler. Demnächst werde ich aber bei der Zürich-Versicherung als Versicherungsberater tätig sein. Ursprünglich habe ich die käufmännische Ausbildung gemacht.

Welchen sportlichen Gross­anlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Das war die Uefa-Cup-Begegnung zwischen den Grasshoppers und dem kroatischen Spitzenklub Hajduk Split, welche ich im Herbst 2003 mit meinem Vater und meinen Cousins im Zürcher Hardturm live miterlebte. Das Spiel endete 1:1.

Wie sind Sie zum Fussball gekommen?
Ich bin quasi mit dem Ball geboren. (lacht) Schon mit zehn Monaten habe ich ihn getragen und war von da an immer mit ihm unterwegs. Als vierjähriger Bub trat ich dem FC Bilten bei, spielte danach bei Linth 04 und wechselte dann mit zwölf zu Winterthur. Der damalige U14-Trainer des FCW kam aus Netstal und wurde auf mich aufmerksam.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Mein Debüt in der Challenge League im Mai 2013 mit Winterthur. Wir gewannen daheim gegen Wil 3:0. Unverhofft wurde ich eingewechselt und hatte gar keinen Namen auf dem Trikot.

Und welches war die grösste Enttäuschung?
Als ich in der Saison 2014/15 von Trainer Jürgen Seeberger monatelang suspendiert wurde. Den genauen Grund kenne ich bis heute nicht. Nach einer 0:4-Niederlage mit der U21 liess er mich und andere Spieler von Oktober bis März schmoren. Das war eine harte Zeit.

Sie wechselten in der Winterpause von Rapperswil-Jona zu Thalwil. Wie wurden Sie auf dem Etzliberg aufgenommen?
Sehr herzlich, so, als wäre ich schon seit Jahren dabei. Das hat wohl auch damit zu tun, dass ich mit einigen schon in Winti oder am Obersee (Goalie Jan Beeler, Red.) zusammenspielte.

Was haben Sie in den eineinhalb Saisons beim FCRJ gelernt?
Ich habe mich ziemlich beruhigt. Früher war ich ein sehr impulsiver Spieler, nun habe ich meine Emotionen besser im Griff.

Da hatte wohl auch die Grenadier-RS, welche Sie im letzten Frühjahr absolvierten, einen Einfluss.
Auf jeden Fall trugen die 25 Wochen dazu bei. Sie waren überaus hart, aber eine sehr gute Lebensschule. Da musst du die ganze Zeit parieren und diszipliniert sein. Und wer motzt, bekommt sofort Konsequenzen zu spüren. Die Armee respektive Ausbildung zum «Greni» hat meine Persönlichkeit geprägt.

«Die Ausbildung zum ‹Greni› hat meine Persönlichkeit geprägt.»Mario Budimir

Mit welchen Erwartungen nehmen Sie am Sonntag mit Thalwil das Heimspiel gegen Winterthur 2, wo Sie von 2013 bis 2015 stürmten, in Angriff?
Wie ich gehört habe, liegt uns Winti vom Spielerischen her. Wir haben mehr erfahrene Spieler und sind deshalb bestimmt die bessere Mannschaft. Dennoch dürfen wir den Gegner nicht unterschätzen. Ich bin allerdings überzeugt, dass die drei wichtigen Punkte auf dem Etzliberg bleiben.

Schon in Winterthur war Ergün Dogru Ihr Trainer. Wie kann er Sie nun am Zürichsee weiterbringen?
Er pusht einen immer und ich bin einer, der das braucht. Dogru ist einer der besten Trainer, die ich in meiner Karriere hatte. Er hat ein enormes Fachwissen. Vor allem mit dem Vertrauen, das er mir schenkt, werde ich in Thalwil sicher weitere Fortschritte machen.

Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?
Zehn bis fünfzehn Minuten, je nachdem, wohin ich gehe.

Mit welcher Person würden Sie gerne einmal für einen Tag tauschen?
Mit meinem grossen Vorbild Cristiano Ronaldo, den ich sehr bewundere.

Wie sieht für Sie ein perfektes Wochenende aus?
Am Samstag gewinnen wir das Spiel, wobei ich hoffentlich mit Toren zu den drei Punkten beitragen kann. Am Abend gehe ich mit Freunden essen und danach in den Ausgang. Am Sonntagmorgen bin ich wie immer mit meiner Familie in der Kirche. Danach ist wetterabhängig, ob ich Verwandte besuche oder etwas draussen unternehme.

Wo und mit wem verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?
Im Sommer mache ich mit meinem Bruder und einem Kollegen eine Balkan-Tour. Wir bereisen Kroatien, Bosnien und Serbien.

Ihr Lieblingssong?
Ich höre oft Musik vom Balkan. «S’namerom dodjoh u veliki grad» von Sänger Šaban Šauli? ist mein aktueller Favoritentitel.

Ihr Lieblingsfilm?
«Das Streben nach Glück» (Originaltitel «The Pursuit of Happiness», Red.) mit Will Smith.

Ihr Lieblingsbuch?
«I am Zlatan», die Biografie von Ibrahimovic. Auch solche von anderen Fussballern habe ich gelesen.

Was ist Ihr grösstes Laster?
(überlegt) Das weiss ich gar nicht. Ich bin doch so lieb. (schmunzelt) Genau darum kann ich schlecht Nein sagen.

Und was ist Ihre beste Eigenschaft?
Meine Ehrlichkeit und Loyalität.

Was macht Sie glücklich?
Wenn es meiner Familie und meinen Freunden gut geht und ich sie lachen sehe.

Was ärgert Sie?
Menschen, die lügen. Und Dinge, die nicht fair sind.

Was ist Ihnen wichtig im Leben?
Die vier F: Familie, Freunde, Fussball und Frauen.

Was machen Sie in zehn Jahren?
Arbeiten und vielleicht eine Familie ernähren. Wenn sich mir die Chance bietet, bis dahin etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, werde ich sie am Schopf packen.

Erstellt: 10.03.2017, 10:12 Uhr

Worum geht es?

Das erste Heimspiel mit Thalwil wird für Mario Budimir ein besonderes. Denn die Linksufrigen empfangen am Sonntag (14.30 Uhr) Winterthurs U21-Equipe. Für diese stürmte der 22-Jährige zwei Saisons lang (44 Partien, 18 Tore). Im FCW kam er auch zu drei Teileinsätzen in der Challenge League. Als Junior war Budimir in der Eulachstadt vom heutigen Thalwil-Coach Ergün Dogru trainiert worden. «Er brachte mich damals enorm weiter», betont der Glarner. Im Sommer 2015 wechselte der Angreifer zum FCRJ. Mit den Rosenstädtern bestritt er 14 Spiele in der Promotion League und erzielte zwei Treffer.

Gegen Winterthur 2, Letzter der 1. Liga, Gruppe 3, muss Thalwil punkten, um sich weiter vom Tabellenstrich abzusetzen. (ddu)

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