Fussball

«Bin ein lösungsorientierter Typ»

Im letzten Mai übernahm Luigi Caracciolo den Zweitligisten Stäfa und führte diesen zum Klassenerhalt. Einst hatte der 47-Jährige in der NLB gestürmt, dann aber ein Studium einer Profikarriere vorgezogen. Stattdessen ist er nun Trainer und zweifacher Vater.

Stäfas Trainer Luigi Caracciolo blickt nach oben – gerne würde er einmal eine Woche in einem Grossklub wie Juventus Turin erleben.

Stäfas Trainer Luigi Caracciolo blickt nach oben – gerne würde er einmal eine Woche in einem Grossklub wie Juventus Turin erleben. Bild: Patrick Gutenberg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Was können Sie besser als Ihre Spieler?
Luigi Caracciolo: Aus Erfahrung schätze ich Spielsituationen viel analytischer ein.

Und was können Ihre Spieler besser als Sie?
Altersbedingt sind sie fitter und betrachten alles aus einem anderen Blickwinkel, da viele ihre Aktivkarriere noch vor sich haben. Weil ich selber gern noch auf dem Platz wäre, beneide ich sie darum.


Ihr grösster Erfolg?
Die Saison 1992/93 im FC Winterthur, obwohl wir knapp den Aufstieg in die Nationalliga A verpassten. Unter Trainer Wolfgang Frank spielte ich damals mit Jogi Löw, René Weiler, Giorgio Contini, Carlos Bernegger, Pascal Humbel und anderen Persönlichkeiten zusammen, die fast alle Trainer geworden sind. Wie wir vonein­ander lernten und profitierten, das erachte ich als Erfolg.

Und im Leben?
Die Geburt von Tochter Leana vor fünfeinhalb Jahren und Sohn Mattia im Februar 2016.

Wann werden Sie nervös?
Wenn meine Kinder in Situationen geraten, die sie nicht allein meistern können. Im Fussball nicht mehr so, da sinkt die Anspannung mit dem Alter und der Erfahrung stetig.

Was macht Sie sprachlos?
Gewalt. Sie gehört weder auf den Fussballplatz noch sonst irgendwo hin. Wenn Leute gewalttätig werden, nimmt das Dimensionen an, die ich nicht nachvollziehen kann.

Wie lange brauchen Sie ­morgens vor dem Spiegel?
Zwischen achteinhalb und zehn Minuten. Die sind genau abgestimmt, sodass ich rechtzeitig an der Bushaltestelle bin.

Was kochen Sie am liebsten?
An die Kochkünste meiner Mutter und ihre Lasagne al forno komme ich nicht heran, so oft ich es auch versuche. Teigwaren mit selbst gemachter Tomatensauce kann ich mein Leben lang kochen und essen.

Ihr erster Berufswunsch?
Augenarzt, da ich kurzsichtig bin und es mich faszinierte, dass sich das Augenlicht korrigieren lässt.

«Während der Saison läuft so viel, da bin ich voll unter Strom.»Luigi Caracciolo

Was haben Sie gelernt, und welchen Beruf üben Sie heute aus?
Ich habe Betriebsökonomie und Wirtschaftsinformatik studiert. Nun bin ich in der Geschäftsleitung eines Beratungsunternehmens tätig, das schweizweit auf IT-, Prozess- und Strategiemanagement spezialisiert ist.

Bleibt noch Zeit für Hobbys?
Das sind die Familie und der Fussball. Für anderes habe ich kaum Zeit. Sport mache ich auf dem Bike unterwegs ins Training.

Welchen sportlichen Gross­anlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Die Fussball-WM 1978 in Argentinien, da durfte ich jeweils länger aufbleiben. Noch näher nahm ich die WM 1982 wahr. Jedes Spiel von Italien ist mir noch präsent.

Sind Sie so zum Fussball gekommen?
Ja, denn wir Kinder im Quartier spielten die WM nach. In der1. Klasse ging ich mit einem Kollegen im FC Wetzikon ins Training.

Und weiter?
In den B- sowie A-Junioren habe ich interregional gespielt und als 15-Jähriger den Sprung in die 1. Mannschaft geschafft. Da ichals treffsicherer Stürmer dreimal Torschützenkönig wurde, holte mich Baden in die NLB. Darauf folgten (ab Sommer 1992; Red.) zwei Saisons in Winterthur, bevor ich beruflich bedingt zu Zürich-Altstetten in die 1. Liga wechselte. Dort blieb ich mehrere Jahre und beendete letztlich meine Aktivkarriere – nach einem kurzen Abstecher in meinen Stammklub Wetzikon – im FC Regensdorf.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Als Spieler der Aufstieg mit Wetzikon in die 1. Liga (in der Saison 1997/98; Red.) und als Trainer ­diverse Ligaerhalte.

Und welches war die grösste Enttäuschung?
Von Winti hätte ich zum FC Zü-rich wechseln können, verzichtete aber darauf. Nicht auf den Fussball, sondern auf den Beruf und das Studium zu setzen, war für mich damals ein Vernunftsentscheid, der mir sehr schwerfiel. Heute bedauere ihn aber nicht mehr.

Wie und warum sind Sie nachher Trainer geworden?
Zufällig, da ich im Frühling 2004 in Regensdorf als Spielertrainer einsprang (und er verhinderte den Abstieg aus der 2. Liga inter; Red.). Ab der Saison 2004/05 haben Martin Dosch und ich die Trainertätigkeit gleichberechtigt aufgeteilt. Er stand an der Linie und ich als Spielertrainer auf dem Platz. Nach drei Jahren gingen wir zusammen zu Wettswil-Bonstetten, wo ich das Uefa-A-Diplom erwarb. Später coachte ich während einer Auszeit nebenbei Juniorentrainer in Wetzikon und Witikon. Im Sommer 2012 wurde ich Coach in Pfäffikon (bis Herbst 2015; Red.).

Haben Sie den Entscheid jemals bereut?
Nein, denn mir ist bewusst, dass ein Engagement als Trainer eine 25-Stunden-Arbeitswoche mit sich bringt. Wichtig ist, dass die Rahmenbedingungen im Verein stimmen. In Stäfa sind sie optimal.

Was schätzen Sie auf dem Frohberg besonders?
Wie sehr sich alle Spieler, Trainer, Supporter und das gesamte Umfeld mit dem Klub identifizieren. Im FCS fühlt sich jeder wiein einer Familie. Und der Verein ist mit seiner Infrastruktur und Geschäftsstelle gut aufgestellt.

Was zeichnet Ihre Equipe aus?
Die Mischung zwischen Jung und Alt, auch wenn sich die Spieler noch finden müssen. Ihre Lern- und Entwicklungsfähigkeit ist jedoch gross. Ausserdem haben wir die richtigen Leadertypen, welche den Einbau von Eigengewächsen zulassen und unterstützen.

Womit sind Sie noch nicht zufrieden?
Da gibt es vieles: vom taktischen Verhalten über die Spielauslösung und fehlende Durchsetzungskraft bis hin zu Mentalitätsschwankungen. Wir spielen noch zu langsam und müssen mehr Rhythmus­variation aufs Feld bringen.

Wie kann Ihr Team am Sonntag den FC Horgen schlagen, der zuletzt auswärts dreimal in Folge gepunktet und erst einmal (0:5 in Wädenswil) verloren hat?
Die Horgner stehen kompakt, sind stark und haben mit Janicijevic einen pfeilschnellen Stürmer. Nach dem Auftritt in Affoltern am Albis vor Wochenfrist (Stäfa siegte dank einem Last-Minute-Tor 1:0; Red.) müssen wir uns steigern, um die drei Punkte auf dem Frohberg zu behalten.

Welches Thema beschäftigt Sie aktuell am meisten?
Während der Saison läuft so viel, da bin ich voll unter Strom. Zudem stehen in der Firma Umstrukturierungen an. Organisatorisch bin ich daher sehr gefordert, um mit meinen Teams alles unter einen Hut zu bringen.

Ihr Lebensmotto?
Das ist meine Einstellung zum Leben. Ich bin ein positiver und lösungsorientierter Typ. Mir ist wichtig, Ziele mit Visionen zu erreichen, und dabei ziehe ich mein ganzes Umfeld mit.

Welches ist Ihr grösstes Ziel im Fussball respektive wovon träumen Sie?
Eine Woche in einem Grossklub wie Juventus oder Barcelona hinter die Kulissen blicken zu können, das wäre hochinteressant.

Und wie sehen Ihre privaten Lebensziele aus?
Mir liegt viel daran, meinen Kindern optimale Bedingungen für ihre Entwicklung bieten zu können. Da ist es auch wichtig, im richtigen Moment loszulassen.

Wann und wie können Sie loslassen?
Das ist schwierig. Stecke ich in Prozessen, bin ich kaum mehr zu bremsen und habe sogar mitten in der Nacht Ideen. Innovationen prägen meinen Alltag. Aber ich gönne mir immer wieder Auszeiten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.09.2017, 11:20 Uhr

Worum Gehts?

Die Stäfner waren im Tabellenkeller, als Luigi Caracciolo in der letzten Saison vier Runden vor Schluss ihren langjährigen Coach Shaip Krasniqi abgelöst hatte. Mit vier Siegen in Folge wendeten die Schwarz-Weissen unter dem in Wetzikon aufgewachsenen Trainer den Abstieg ab. In der neuen Meisterschaft gewann die Equipe in der 2. Liga, Gruppe 1, bislang drei von sechs Spielen, verlor aber beide Seederbys. Dem 2:7 in Wädenswil folgte daheim ein 1:2 gegen Männedorf. Nun soll am Sonntag ein Heimsieg über Horgen her.(ddu)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.