Petkovic will seinen Captain nicht

Der Nationaltrainer verzichtet für die EM-Qualifikationsspiele in Irland und gegen Gibraltar erneut auf Stephan Lichtsteiner.

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35 ist Stephan Lichtsteiner und ungebremst in seiner Lust auf Fussball. Darum hat er dankend die Chance angenommen, die ihm der FC Augsburg in der Bundesliga bietet.

Er will auch noch immer Nationalspieler sein. Jedenfalls hat er bisher keine Anstalten gemacht, sich nach 105 Einsätzen zurückzuziehen. Sein Pech ist, dass Vladimir Petkovic andere Ideen verfolgt. Aus diesem Grund verzichtet er auf ihn bei den beiden EM-Qualifikationsspielen von kommender Woche in Irland und gegen Gibraltar.

Lichtsteiner ist dieser Spieler, von dem das Zitat überliefert ist, er spiele, bis es ihn verblase. Dieser Ehrgeiz ist der Motor für seine Karriere, die ihn zu sieben Meistertiteln mit Juventus geführt hat. Aufhören? Er denkt nicht daran. Vielmehr sagt er: Er wolle zurück in die Nationalmannschaft.

Petkovics Problem

Im März war er letztmals dabei, beim 2:0 in Georgien stand er 90 Minuten im Einsatz. Beim 3:3 gegen Dänemark drei Tage später sass er nur auf der Bank, selbst in der hektischen Schlussphase, in der bei der Schweiz alles drunter und drüber ging und sie den Drei-Tore-Vorsprung verspielte. Petkovic leistete es sich, auf die Erfahrung Lichtsteiners zu verzichten.

Im Sommer nahm er ihn nicht mit zum Final Four der Nations League nach Portugal. Die Begründung hiess: Lichtsteiner habe in diesem Wettbewerb nie gespielt. In Portugal dabei waren dafür Renato Steffen, der auch keine Minute gespielt hatte, oder Noah Okafor, der sogar ein Neuling war, oder Djibril Sow, der gerade einmal auf elf Minuten in der Nations League kam.

Das zeigt, wie weit hergeholt die Begründung Petkovics in Sachen Lichtsteiner war. Und es zeigt, wie schwer er sich tut, mit verdienten Spielern umzugehen. Valon Behrami war im vergangenen August nach der WM in Russland das Paradebeispiel. Der Kämpfer war ob der Pläne und Kommunikation des Coaches derart aufgebracht, dass er umgehend den Rücktritt erklärte.

Lichtsteiner verfolgt einen anderen Weg, einen stillen. Schliesslich ist er noch immer der Captain. Mit seiner Hartnäckigkeit macht er es Petkovic jedenfalls nicht einfach. Dem wäre vielleicht lieber, Lichtsteiner würde von sich aus zurücktreten. So wie das Behrami getan hat. Aber weil das nicht passiert, muss er sich in seltsam anmutende Begründungen flüchten. Wie zum Beispiel die: «Als Nationaltrainer kann ich die Spieler nicht in Pension schicken.»

90 Minuten reichen Lichtsteiner nicht

Vor zwölf Tagen hat Lichtsteiner nach Augsburg gewechselt – und das nach einem Sommer, in dem er allein für sich trainierte. Wer ihn kennt, kann sich vorstellen, mit welcher Entschlossenheit er das tat. Für Petkovic ist das zu wenig an Vorbereitung, um für wichtige Spiele auf dem geplanten Weg an die EM 2020 wirklich bereit zu sein. Dass Lichtsteiner letzten Samstag 90 Minuten gegen Union Berlin auf dem Platz stand und damit schon 90 Minuten mehr als Kevin Mbabu beim VfL Wolfsburg, reicht Petkovic nicht, um von Lichtsteiners Fitness überzeugt zu sein.

Petkovic setzt trotzdem genau auf diesen Mbabu, der zweite Rechtsverteidiger im Kader ist Silvan Widmer vom FC Basel. Neben Lichtsteiner fehlt auch Michael Lang, das ist weiter keine Überraschung, weil Lang in Mönchengladbach nicht mehr gefragt war und erst am Donnerstag mit Werder Bremen eine Lösung für seine Situation fand.

Ohne Shaqiri

Der zweite grosse Abwesende ist Xherdan Shaqiri. Laut Communiqué des Verbandes hat er sich entschieden, «sich in Anbetracht seiner aktuellen Situation vollumfänglich auf seinen Club Liverpool zu konzentrieren». Shaqiri hat das Problem, diese Saison im Verein kein gefragter Mann zu sein. In drei Meisterschafts- und zwei Supercup-Spielen kam er erst während 11 Minuten zum Einsatz.

Schon im Frühjahr vergangenen Jahres gab es eine Phase, in der er sich lieber auf den Club konzentrierte. Damals war er noch beim späteren Absteiger Stoke City engagiert. Sein Entscheid wurde in der Mannschaft kritisch aufgenommen.

Das Aufgebot im Überblick:

Torhüter: Yvon Mvogo (Leipzig), Jonas Omlin (Basel), Yann Sommer (Mönchengladbach).

Verteidiger: Manuel Akanji (Dortmund), Loris Benito (Bordeaux), Eray Cömert (Basel), Nico Elvedi (Mönchengladbach), Kevin Mbabu (Wolfsburg), François Moubandje (Zagreb), Ricardo Rodriguez (Milan), Fabian Schär (Newcastle), Silvan Widmer (Basel).

Mittelfeldspieler und Stürmer: Albian Ajeti (West Ham), Breel Embolo (Mönchengladbach), Christian Fassnacht (YB), Edimilson Fernandes (Mainz), Remo Freuler (Bergamo), Mario Gavranovic (Zagreb), Admir Mehmedi (Wolfsburg), Haris Seferovic (Benfica), Renato Steffen (Wolfsburg), Granit Xhaka (Arsenal), Denis Zakaria (Mönchengladbach).

Erstellt: 30.08.2019, 17:00 Uhr

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