Er verschoss einen Penalty, dann flogen die Steine

Die Länderspielreise nach Sierra Leone wurde für FCZ-Spieler Umaru Bangura zum Albtraum. Nun soll wieder Normalität einkehren.

Umaru Bangura verschiesst in der 93. Minute gegen Liberia den wichtigsten Penalty seines Lebens. (Video: Fifa TV)

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Umaru Bangura hätte zum Matchwinner werden können, zum Mann des Tages in Sierra Leone. Dann verschoss er den wichtigsten Penalty seines Lebens, und der Albtraum begann. Am Sonntag stand der FCZ-Verteidiger als Captain für Sierra Leone gegen Liberia auf dem Platz, es ging um alles und noch ein wenig mehr. Sein Land hatte das Hinspiel in der Vorqualifikation für die WM 2022 mit 1:3 verloren. Doch als man im Rückspiel vor Heimpublikum 1:0 in Führung ging, da kam die Hoffnung der sieben Millionen Einwohner des Diamanten-Staates wieder auf. Und als der Schiedsrichter in der 93. Minute auf Penalty für Sierra Leone entschied und sich Captain Bangura den Ball zurechtlegte, da war das Weiterkommen greifbar. Bangura lief an, ein paar kurze Schritte, satter Schuss in die rechte Ecke – doch Torhüter Ashley Williams spekulierte richtig und verhinderte den Traum. Es blieb beim 1:0, Sierra Leone war ausgeschieden.

Danach eskalierte die Situation. Helfer des Roten Kreuzes wurden von den Zuschauern im Stadion von Freetown attackiert und verletzt. Und Stunden nach dem Schlusspfiff zog die wütende Meute Richtung Anwesen von Bangura.

Der 31-Jährige verbarrikadierte sich in seinem Haus in Freetown und draussen standen die aufgebrachten Fans, die ihren Schuldigen gefunden hatten. Sie warfen Steine gegen das Haus, Fenster zersplitterten, Türen gingen zu Bruch. Noch während die geballte Wut eines Volkes gegen die Hauswand knallte, sagte Bangura der englischen BBC am Telefon: «Das ist einer der schlimmsten Tage in meinem Leben. Ich kann das Haus nicht verlassen und habe diese Feindseligkeit nicht erwartet.»

«Ich bin wirklich enttäuscht»

Drei Tage nach den Vorfällen in Westafrika ist Umaru Bangura nach Zürich zurückgekehrt, unverletzt, mit dem Schock seines Lebens im Gedächtnis eingebrannt. Doch beim FC Zürich wollen sie nicht über den Fall reden, das nächste wichtige Spiel steht ja schliesslich kurz bevor. Am Samstag trifft der FCZ im Cup auf den Challenge-League-Club Wil. Auf Nachfrage beim Club heisst es lediglich, dass Bangura ganz normal mit der Mannschaft trainieren werde. Und dass «die ganze Gelegenheit abgeschlossen» sei.

Ob die ganze Gelegenheit auch für Umaru Bangura abgeschlossen ist, bleibt offen. Er sagte der BBC zu den Vorfällen in seinem Heimatland: «Ich bin wirklich enttäuscht. Aber ich möchte mich auch entschuldigen und um Verzeihung bitten.»


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Erstellt: 12.09.2019, 11:17 Uhr

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