Ein fast schon kitschiger Abschied

Steve von Bergen trifft erstmals für YB, GC verabschiedet sich mit einem Negativrekord und im Letzigrund gibt es nur Verlierer.

YB feiert die Pokalübergabe. Video: SRF

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Es ist ein Wochenende der Feierlichkeiten für YB. Und ein Wochenende des Abschiednehmens. Tränen der Freude mischen sich mit Tränen der Wehmut. Die zweifache Meistermannschaft bricht auseinander, vor dem Heimspiel gegen Luzern werden Steve von Bergen, Loris Benito, Kevin Mbabu, Thorsten Schick und Sékou Sanogo, der im Januar nach Saudiarabien wechselte, im ausverkauften Stade de Suisse verabschiedet. Das Stadion ist mal wieder eine Festhütte, von Bergen wird geehrt, der Captain prägte YB seit 2013 auf und neben dem Rasen stark. Er beendet seine Karriere nach fast 20 Jahren als Profi – und wird den Young Boys in noch zu definierender Funktion erhalten bleiben. Mbabu geht zu Wolfsburg, Schick könnte sich Rapid Wien anschliessen, Benito, wie Schick ablösefrei, steht vor dem Transfer zu Girondins Bordeaux.

Es wird weitere gewichtige Abgänge geben, Djibril Sow beispielsweise kann sich vor Angeboten aus Topligen kaum retten. Mit Fabian Lustenberger von Berlin sowie Marvin Spielmann (Thun) stehen derweil auch bereits zwei Zugänge der Young Boys fest.

Dieses Wochenende aber gehört in Bern noch einmal den Meisterhelden. Sie haben mehrere Rekorde aufgestellte, zum Beispiel am meisten Punkte (91) in der Super-League-Geschichte geholt und am meisten Tore (99) erzielt. Die Marke von 100 Treffern knacken sie zwar nicht, aber ein historisches Tor gelingt ihnen zum Abschluss trotzdem. Von Bergen trifft am Ende tatsächlich zum dritten Mal in seiner langen Karriere, weil er für einmal bei einem Freistoss nach vorne darf – und mit dem Kopf das 4:0 erzielt. Auch an diesem Abend gleicht das YB-Drehbuch einem Märchen. «Das ist ein würdiger Abschluss einer grossartigen Karriere», sagt Trainer Gerardo Seoane. Sein bis dahin einziges Tor in der Super League schoss von Bergen übrigens vor beinahe 15 Jahren mit Xamax gegen… YB. Einmal war der Innenverteidiger zudem für Palermo im April 2013 gegen Sampdoria erfolgreich.

Video: Steve von Bergen trifft für YB

Von Bergen nimmt nach dem 4:0 gegen Luzern den Meisterpokal in Empfang, es ist der Auftakt zum ausgedehnten Titelfest, das heute mit dem triumphalen Umzug vom Bundesplatz durch die Stadt Bern in die Arena weitergeht. Guillaume Hoarau, gegen Luzern Torschütze zum 1:0, wird am Sonntag in seiner anderen Paraderolle als Sänger im Stade de Suisse erneut im Fokus stehen. Mit 24 Saisontoren ist der französische Stürmer überlegener Torschützenkönig.

Bilder: Berner Party

Nef und Barnetta ohne Happy End in die Pension

Melancholie füllt den Letzigrund beim Spiel FC Zürich gegen St. Gallen. Ein Grosser geht. Alain Nef, 1,90 Meter lang, 37 Jahre alt, im Umfeld des FCZ als Legende bekannt wegen seiner Loyalität und des einen Einwurfs aus dem Jahr 2006 – Nef beendet die Karriere dort, wo er als 16-jähriger Junior begonnen hat. Also tragen die FCZ-Spieler Einlaufleibchen, von denen Junior Nef schaut. Die Mitspieler stehen Spalier beim Einlaufen, die Fans schenken ihm eine Choreografie so gross wie die ganze Südkurve, das Präsidentenehepaar Canepa spendiert Händedruck und Erinnerungsbild. Und dann wird noch einmal der 93. Minute aus dem Jahr 2006 gedacht, als Nef mit einem Einwurf Tor und Meistertitel in letzter Sekunde einleitete. Nef spielte in Italien, Spanien und Bern, wusste aber immer, dass er in Zürich die Karriere beenden wird.

Video: So verabschieden die FCZ-Fans Alain Nef

Den Fussballer, der in die grosse Fussballwelt auszog und am Ende wieder in der Heimat landete, haben auch die St. Galler: Tranquillo Barnetta, seit gestern ebenfalls Fussballrentner. Weil gerade Tag des Abschieds ist, verdankt der FCZ auch Pa Modou und Co-Trainer René van Eck, die den Verein verlassen – und als wäre das nicht genug, verabschiedet sich der FCZ mit dem 1:1 so ganz nebenbei auch von der Europa League. Weil St. Gallen trotz besten Möglichkeiten kein zweites Tor gelingt, scheitern auch sie. So bleiben die Szenen bei Spielende. Nef wird in der Nachspielzeit ausgewechselt, das ganze Stadion steht und singt seinen Namen, Barnetta umarmt ihn, der Schiedsrichter pfeift kurz darauf ab, Nef geht vor die Südkurve, lässt sich hochleben, Tränen laufen, dann steigt er hoch zu den Fans in die Südkurve, nimmt das Mikrofon und stimmt ein Lied an. Auf was er sich nun am meisten freut: «Im Stadion Wurst essen und Bier trinken.»

Bei den Grasshoppers ist niemand auf die Idee gekommen, ein lustiges T-Shirt beflocken zu lassen. Obwohl sich Schwarzeneggers «I’ll be back!» angeboten hätte. Schliesslich wollen die Zürcher rasch zurück in die höchste Liga.

GC hat im Tessin nur ein Ziel. Es geht um «einen Abschied mit Anstand und Würde». So sagt das Uli Forte. Und das Team macht dem Trainer den Gefallen. Es verfälscht den Kampf um Rang drei nicht, es macht ihn richtig lustig.

Die Grasshoppers mit einem unrühmlichen Rekord

GC erholt sich von zwei Rückständen, geht 3:2 in Führung. Und Diani beweist bei seiner Gelb-Roten Karte, dass man auch als Absteiger übermotiviert sein kann.

In der 80. Minute meldet sich der bis dahin schweigende GC-Anhang. Und verbraucht vor dem Gang in die Challenge League hoffentlich alle Pyros und Knaller aus seinem Vorrat. Am Ende geht Heinz Lindner als Einziger in die Kurve. Der Goalie erzählt, dass der Club gar nicht erst versucht hat, ihn zu halten: «Es gab keine Gespräche.» Er hat andere Angebote und sagt: «Ein Club wie GC gehört ins Oberhaus.»

Bilder: Der letzte Spieltag der Super League

Dort waren die Grasshoppers die letzten 70 Jahre. Diese Serie reisst nicht, ohne dass GC einen Rekord aufstellt. 21 Spiele ohne Sieg hintereinander, das hat in der Super League noch keiner geschafft.

Ein anderer dagegen wird in Lugano belohnt: Trainer Fabio Celestini hat jetzt einen Vetrag bis 2021. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 25.05.2019, 23:39 Uhr

Geld und Exil für Lugano

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