Auf Rekordjagd auch in Bern

Höher, weiter, grösser: Juventus-Weltstar Cristiano Ronaldo ist wie eine Playstation-Superfigur. Am Mittwoch spielt er gegen YB. 

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Der wichtigste Mensch der Welt ist am Dienstagabend in Belp gelandet. Das ist Cristiano Ronaldo, gemessen an bald 350 Millionen Followern auf Facebook, Twitter, Instagram – mehr als Selena Gomez, Beyoncé, LeBron James, Donald Trump und all die anderen Superprominenten.

CR7 ist eine Weltmarke, jedes Kind kennt ihn, der dreijährige Sohn trägt sein Shirt (von Real, nicht von Juve), der 30-jährige Migros-Angestellte lästert an der Kasse über ihn. Laut einer Studie der US-Firma Hookit warb Ronaldo 2017 auf den Social-Media-Kanälen 263-mal mit einem seiner Sponsoren, diese Beiträge erzielten 591 Millionen Interaktionen und waren für die Partner im Schnitt 1,8 Millionen US-Dollar wert.

Total fast eine halbe Milliarde. Es sind Zahlen, die erklären, warum der Portugiese mit Geld zugeschüttet wird. Er ist die grösste Figur des Sports und die bekannteste, wobei das ja immer so eine Sache ist mit der Frage nach der Grösse.

Zeugen und Hasser

Ronaldos Rivalität zu Lionel Messi lässt kaum jemanden unberührt, es gibt Zeugen Ronaldos und Messianer. Es ist wie Stones oder Beatles. Nadal oder Federer. Und am Ende Geschmackssache. Zeitzeugen dürfen sich gesegnet schätzen, das faszinierende Duell der zwei wohl besten Fussballer der Geschichte verfolgen zu dürfen. Seit über einem Jahrzehnt treiben sich Ronaldo und Messi an, es ist ein Kampf der Gegensätze, der eine gross und laut, arrogant und wuchtig, der andere klein und leise, zurückhaltend und zart.

Es ist eine grandiose Rekordjagd zwischen Maschine Ronaldo und Genie Messi. Immer weiter, immer höher, immer grösser. Insbesondere Ronaldo ist auf einer Mission, sein Fleiss ist legendär, er ist kaum einmal verletzt und soll täglich der Erste auf dem Trainingsgelände sein und der Letzte, der nach Hause geht. Er überlässt nichts dem Zufall, angeblich schläft er mehrmals am Tag für 1,5 Stunden, weil das gesünder sei. 33 Jahre alt ist er mittlerweile, er ist ein bisschen langsamer geworden (aber nur ein bisschen) und spielt seit längerer Zeit weiter vorne. Aber er trifft und trifft und trifft, er siegt und siegt und siegt.

Wenn Luka Modric letzte Woche zum Weltfussballer gewählt wird, liegt das auch daran, dass man genug hat von der Herrschaft der zwei fünffachen Sieger. Gemessen an den Leistungen, und darum sollte es bei diesen manchmal absurden Wahlen immer gehen, waren Ronaldo und Messi auch 2018 die mit Abstand zwei Besten.

Ronaldo? Messi? Ganz knapp Ronaldo!

Es gibt aber auch sehr viele, die mit dem Ausnahmeathleten wenig bis gar nichts anfangen können. Vermutlich existieren wenige Menschen, die mehr Neider haben als Ronaldo und mehr Hasser (Donald Trump würde das dementieren). Seine Posen können lächerlich wirken, sein Egoismus ist oft abstossend, der unbändige Ehrgeiz schreckt viele ab.

Dazu kommen unschöne Schlagzeilen, es geht um Steueroptimierung und Vergewaltigungsvorwürfe. Das sind keine Kavaliersdelikte, geschadet haben sie dem Brand CR7 aber offenbar wenig. «Es gibt immer Leute, die mich treffen wollen», sagte Ronaldo in einem Instagram-Video. «Dieser Hass macht mich noch stärker.»

Tore, Titel, Trophäen

Cristiano Ronaldo gibt selten Interviews. Für die «Gazzetta dello Sport» machte er eine Ausnahme, Anfang Woche erschien das Gespräch, und natürlich bewarb sich Ronaldo nicht für den Gentleman-Award. Er sagte: «Ich habe es jedes Jahr verdient, zum Weltfussballer gewählt zu werden.» Und: «Bei Juventus sind wir wirklich ein Team. Hier ziehen alle an einem Strang, alle sind demütig, keiner fühlt sich grösser als der andere.»

«Ich habe es jedes Jahr
verdient, zum Weltfussballer gewählt zu werden.»
Cristiano Ronaldo

Selbst glühende Verehrer des eher nicht demütigen, dafür ziemlich narzisstischen Portugiesen müssen bei diesen Aussagen schmunzeln. Oder wenn Ronaldo sagte: «Treffen Dybala oder Mandzukic bei Juve mal nicht, lächeln sie trotzdem. Das ist wunderbar, ich kann den Unterschied zu Real spüren. Hier ist es mehr wie eine Familie.» Ronaldo stichelte auch gegen Messi: «Ich vermisse ihn nicht, aber er vielleicht mich. Ich habe in Portugal, England, Spanien, Italien gespielt, während er immer nur in Spanien bei Barcelona war.» Für ihn sei das Leben eine Herausforderung, er habe die Komfortzone verlassen. «Messi sollte das auch tun.»

Ronaldo sieht sich als Besten der Geschichte. Und er besitzt ja mehr als genügend Argumente, die das belegen. Tore, Titel, Trophäen veredeln seine Karriere, keiner hat mehr Auszeichnungen gewonnen. Er war unter vielem anderem: Torschützenkönig und Meister in der Premier League. Torschützenkönig und Meister in der Primera Division. Er gewann mit Manchester United die Champions League und wurde Torschützenkönig. Er gewann mit Real Madrid viermal die Champions League und wurde sechsmal Torschützenkönig. In der Serie A wird er mit allergrösster Wahrscheinlichkeit Meister und vermutlich Torschützenkönig. Kürzlich erreichte er als erster Spieler 400 Treffer in den fünf grössten Ligen. Gelingt es ihm, mit einem dritten Club aus einem dritten Land die Sternenliga zu gewinnen, müssten neue Superlativen erfunden werden.

Messis Rekord in Bern

Cristiano ist der perfekte Athlet. Robust und schnell, schussgewaltig und kopfballstark, spielintelligent und dominant. Er ist wie eine Playstation-Figur, die man bei fast allen Fähigkeiten auf den Bestwert 99 gestellt hat. Europameister ist er auch geworden, 2016, mit dem vergleichsweise kleinen Portugal (auch das hebt ihn übrigens von Messi ab, behaupten die einen). Und selbst wenn er im Herbst nicht mehr im Nationalteam spielte, dürfte er bald zurückkehren.

Nächsten Sommer kann Portugal die Nations League gewinnen (ein Titel mehr!), im Halbfinal geht es gegen die Schweiz. Und weil in seinem Heimatland eine überragende Generation heranreift, könnte Ronaldo gar bis zur WM 2022 weitermachen – mit Joao Cancelo spielt zum Beispiel einer der weltbesten Rechtsverteidiger bei Juventus. Er würde dann mit den meisten Länderspielen (derzeit 154) und Länderspieltoren (85) der Historie abtreten.

Vorerst verbringt Ronaldo rund 40 Stunden seiner kostbaren Zeit in Bern. Sein Auftrag: Tore erzielen. 121 zu 106 führt er im ewigen Schützenranking der Champions League gegen Messi, die beiden schweben in eigenen Sphären. Und vielleicht sollte jemand Ronaldo sagen, dass im Stade de Suisse noch niemand vier Tore in einer Partie erzielt hat. Er mag ja Rekorde sehr. Dreimal trafen unter anderem die YB-Stürmer Seydou Doumbia, Raul Bobadilla und Guillaume Hoarau. Der Isländer Johann Gudmundsson beim 4:4 gegen die Schweiz. Und: Lionel Messi 2012 beim 3:1 der Argentinier im Test gegen die Schweizer.

Erstellt: 12.12.2018, 08:25 Uhr

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