Als Xhaka geht, brechen die Schweizer ein

Der verspielte Sieg gegen Dänemark ist auch die Schuld von Trainer Petkovic, der in der 76. Minute einen fatalen Entscheid trifft.

Das dänische 3:3 in der 94. Minute. Video: SRF.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Auf einmal ist alles anders, der ganze schöne Vorsprung ist weg. 3:0 haben die Schweizer gegen Dänemark geführt, 3:0 nach Toren bis zur 76. Minute. Es sieht alles schön aus, so verlockend, so sicher.

Vladimir Petkovic glaubt, es sich erlauben zu können, den angeschlagenen Granit Xhaka vom Platz zu nehmen. Ausgerechnet Xhaka, der bis dahin das Team dirigiert hat. Ohne ihn bricht auf einmal alles auseinander, die Mannschaft wird defensiv und konfus, sie verliert die Linie.

Und sie bricht ein, Stück für Stück, Minute für Minute, Tor für Tor. Das erste Gegentor durch Verteidiger Jörgensen scheint noch ein Schönheitsfehler zu sein. Aber spätestens mit dem zweiten Tor der Dänen durch Gytkjaer bricht die Panik aus, Yann Sommer muss einen Freistoss von Eriksen, dem grossen Starspieler, aus der Ecke boxen, er muss in die Ecke tauchen, als Gytkjaer ihn prüft.

Die Sekunden zerrinnen, aber nicht schnell genug. Die Schweizer zittern, die Dänen drücken, die 93. Minute läuft, als es noch schlimmer kommt und der Gast den Ball ein drittes Mal über die Linie drückt. Dalsgaard ist erfolgreich, Sommer trägt mit seinem Entschluss, im falschen Moment die Torlinie zu verlassen, entscheidend dazu bei. 3:3 also statt 3:0, Katzenjammer statt Euphorie, die Schweiz hat sich selbst bestraft, und der Nationalcoach trägt Mitschuld daran, weil er Xhaka vom Platz genommen hat. Es ist das fatale Zeichen, das er damit aussendet – das Zeichen, alles im Griff zu haben. Was er nun damit gelernt hat: Die Mannschaft hat keineswegs die Reife, die er ihn ihr gesehen hat.

Umfrage

Ist Xhakas Auswechslung schuld am Debakel?




Dabei sieht es so schön aus, drei Tage nach dem 2:0 in Georgien liegen die nächsten drei Punkte schon bereit. Es lockt der perfekte Start mit 6:0 Punkten und 5:0 Toren. Er lädt ein zu Überlegungen, dass der Schweiz in dieser Gruppe wirklich nicht zu viel passieren sollte, wenn sie denn die Aufgabe ernst nimmt. Denn Irland und Gibraltar, die zwei übrigen Gegner, künden sich nicht unbedingt als die grossen Stolpersteine an. Aber wenn der dramatische Einbruch etwas Gutes hat: Die Schweizer haben lernen können, dass manchmal selbst drei Tore nicht zum Sieg genügen und ein Spiel eben selten nach 76 Minuten entschieden ist.

Bis zum 3:0 durch Embolo waren die Schweizer das glücklichere Team. (Video: SRF)

Es ist immerhin ein Abend, der letzten Endes mehr Zuschauer verdienen würde. 18'352 Zuschauer verlieren sich im St.-Jakob-Park. Zumindest meldet der Verband so viele. Das sind 7000 weniger, als durchschnittlich ein Heimspiel des FC Basel sehen. Der Rahmen mit den 18'000 leeren Plätzen ist öde für ein Länderspiel von dieser Bedeutung, weil Dänemark immerhin die Nummer 10 der Welt ist und der papiermässig stärkste Gegner der Schweiz in dieser Qualifikation.

Die Stimmung ist lange Zeit mau. Aber so ist das halt, wenn die Uefa den Wettbewerb zentral vermarktet, den Verbänden deshalb viel Geld zahlt, aber auch die Spiele zu zuschauer-unfreundlichen Zeiten ansetzt.

Die Schweizer lassen sich davon nicht beirren. Im Gegensatz zum Samstag, zum Auftakt in Tiflis, sind von Beginn an präsent. Das zeigt sich bei keinem mehr als bei Xhaka. Vielleicht liegt das auch an den Dänen, die ihn gewähren lassen und ihm nicht auf die Füsse treten, wie das die Georgier noch ganz allgemein taten.

Die Schweizer können sich in aller Ruhe auf dem Platz ausbreiten, sie spüren keinen Druck vom Gegner. Was sie machen, sieht kontrolliert aus. Xhaka zieht eine Flanke a là Shaqiri auf den hinteren Pfosten, Zuber vergibt mit seinem Kopfball. In der 19. Minute folgt das Tor. Rodriguez schiesst, Freuler lenkt den Ball zu Ajeti ab, der legt ihn zurück, und Freuler zögert nicht, zieht entschlossen ab und trifft. Es ist sein erstes Tor im 17. Länderspiel. So erfreulich das für die Schweiz ist, so irregulär ist das Tor. Ajeti hat den Ball mit dem linken Oberarm kontrolliert, bevor er ihn zu Freuler zurückgibt.

Der grosszügige Gast

Der Gast ist weiterhin überhaupt nicht daran interessiert, sich aus seinem Reduit zu lösen. Er lässt die Schweiz grosszügig gewähren. Und die? Die weiss mit den klaren Vorteilen beim Ballbesitz nicht viel anzufangen, sie lässt den Ball wohl laufen, aber immer da, wo es nicht gefährlich ist. Bis in den Strafraum dringt sie kaum einmal vor.

Auch ohne Shaqiri und Seferovic, die grossen Abwesenden in der Offensive, gelingen der Schweiz nach der Pause zwei Tore. Das 2:0 gelingt Xhaka mit einem herrlichen Distanzschuss, das 3:0 geht auf das Konto von Embolo, dessen Ball mit gütiger Hilfe Schmeichels über die Linie trudelt. 76 Minuten sind in dem Moment vorbei. Drei Minuten später geht Xhaka vom Platz.

Erstellt: 26.03.2019, 23:21 Uhr

Irland mit Minimal-Sieg

In der zweiten Begegnung der Schweizer Gruppe kam es im Aviva-Stadium von Dublin zum Duell zwischen Irland und Georgien. Die Gastgeber feierten – wie bereits beim 1:0 am ersten Spieltag gegen Gibraltar – einen Minimal-Sieg. Den einzigen Treffer des Abends erzielte Stürmer Conor Hourihane von Aston Villa in der 36. Minute. Damit kommt es Anfang September zum Spitzenspiel in der Gruppe D, wenn die Schweiz bei Tabellenführer Irland in Dublin antritt. (red)

Artikel zum Thema

Ein Debakel zum Schluss – Schweiz verspielt den Sieg

Video 3 Gegentore in den letzten 10 Minuten: Das Nationalteam vergibt den Sieg gegen Dänemark. Der Liveticker zum Nachlesen. Mehr...

Die Schweizer in der Einzelkritik – von «herausragend» bis «überfordert»

Unsere Bewertungen der Nationalspieler nach dem turbulenten 3:3 gegen Dänemark. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!