Stäfa/Winterthur

Fortschritte auf dem Weg zurück

Auch heute beim Heimspiel von Pfadi Winterthur gegen die Lakers Stäfa, seinen Stammklub, ist Pascal Vernier nur Zuschauer. Sein Comeback nimmt aber langsam Formen an.

Der Stäfner Pascal Vernier hat seine Hirnerschütterung so weit überstanden, dass er inzwischen wieder mit der Mannschaft von Pfadi Winterthur trainieren kann.

Der Stäfner Pascal Vernier hat seine Hirnerschütterung so weit überstanden, dass er inzwischen wieder mit der Mannschaft von Pfadi Winterthur trainieren kann. Bild: David Baer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ziemlich genau 18 Monate ist es her, da traf im Training ein abgelenkter Ball Pascal Vernier unvorbereitet und mit voller Wucht am Hinterkopf. Trotz Kopfschmerzen bereitete sich der Linkshänder, damals eines der grössten Schweizer Handballtalente und bereits 14-facher A-Nationalspieler, aufs anstehende Spiel mit den Lakers Stäfa vor. Dort, zwei Tage später gegen GC Amicitia, prallte er rücklings zu Boden, zudem fiel ein Gegenspieler auf seinen Kopf. Seither hat Pascal Vernier nicht mehr Handball gespielt.

Aus medizinischer Sicht ist die Hirnerschütterung seit einem halben Jahr verheilt. Dennoch ist Verniers langer Weg zurück noch nicht zu Ende. Wenigstens aber zeichnet sich allmählich die Chance auf ein Comeback ab. «In den letzten zwei Monaten habe ich Riesenfortschritte gemacht. Ich hätte nie gedacht, dass es so schnell geht», erklärt der 19-jährige Stäfner, der im Sommer zu Pfadi wechselte. Die Winterthurer nahmen den abwehrstarken Aufbauer für drei Jahre unter Vertrag und lassen ihn an den Spitzensport herantasten.

Bei 85 Prozent

Das scheint tatsächlich zu gelingen. Denn seit gut einer Woche beteiligt sich Vernier wieder am Mannschaftstraining. Das volle Programm kann er zwar noch nicht mitmachen. Aber das, was inzwischen wieder möglich ist, stimmt zuversichtlich. «Jetzt bin ich bei 85 Prozent», beschreibt er seine Leistungsfähigkeit. Trainer Adrian Brüngger spricht von «Welten», wenn er Verniers aktuellen Zustand mit jenem im Sommer vergleicht.

Das Bewusstsein, wieder völlig gesund zu sein, ist einer der Gründe für die Fortschritte. «Ich kann wieder sehr viel machen, ohne dass etwas Schlimmes passiert», weiss er. Zudem spürt er das Vertrauen von Goran Cvetkovic, der seit dieser Saison die angeschlagenen Pfadi-Spieler physisch aufbaut, von Brüngger, «der mich nicht unter Druck setzt», und von seinen Mitspielern. Deshalb könne er «aus einer mentalen Lockerheit heraus» die Rückkehr angehen.

Sport und Ruhe

Und er nimmt sich Zeit: Nach Abschluss seiner kaufmännischen Ausbildung im Sommer schlug er ein Jobangebot aus. «Es wäre zu stressig geworden», erklärt Vernier. Er wollte sich auf den Sport kon­zen­trie­ren und sich die nötigen Ruhephasen verschaffen. «Das war zu hundert Prozent die richtige Entscheidung.»

Sein Tagesprogramm ist auch jetzt reichlich ausgefüllt. An je drei Tagen pro Woche stehen Laufeinheiten sowie Krafttraining an. Täglich steht er mit dem Team in der Halle und fährt im Auto von Stäfa, wo er weiterhin im Elternhaus wohnt, nach Winterthur und zurück. Hinzu kommen Physiotherapie, Akupunktur und Osteopathie. Die Sportler-RS, die eigentlich jetzt anstand, wird erst im März wieder zum Thema.

«Es fühlt sich gut an»

Den Wiedereinstieg bei Pfadi ging er Schritt für Schritt an. Auf Laufen und Rumpftraining folgte das Kraftprogramm, das er stets steigerte. Inzwischen gehören Teamtrainings mit Sprüngen, Sprints, Werfen und Täuschungen bereits zum Alltag. Zweikämpfe vermeidet er noch. Kontakthandball ist der nächste grosse Schritt.

«Es fühlt sich gut an. Ich kann wieder springen, landen und schiessen», ohne dass die Belastung zu gross wäre. «Ich bin überrascht und glücklich.» Kopfschmerzen aber verspürt er weiterhin, wenn auch deutlich weniger als früher. «Sie sind chronisch geworden und lenken mich noch zu stark vom Handball ab», meint er. Der Zeitpunkt seines Comebacks bleibt offen. «Ich bin jetzt anderthalb Jahre weg vom Handball und muss mich auch erst wieder an die Spielzüge und ans Timing gewöhnen. Es braucht lange, bis ich wieder drin bin.»

Seit er nicht mehr überempfindlich auf Licht und Lärm reagiert, sieht er sich regelmässig Spiele an. Auch heute Abend in Winterthur, wenn sich sein neuer und sein alter Klub ge­gen­über- stehen. Die Lakers sind Aussenseiter, sie haben gegen Pfadi bisher jedes NLA-Spiel verloren – auch mit Vernier.

Erstellt: 07.10.2015, 13:22 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!