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Investor rettet EHC Kloten – Trainerduo weg

Nach 50 hektischen Tagen ist der EHC Kloten gerettet. Hans-Ulrich Lehmann, ein 57-jähriger Unternehmer aus Glattfelden, kaufte die AG der kanadischen Avenir-Gruppe ab.

Der neue starke Mann an der Spitze des EHC Kloten heisst Hans-Ulrich Lehmann. Der Unternehmer aus Glattfelden will den Verein in eine neue Zukunft führen – und setzt dafür zuerst den Rotstift an.
Der neue starke Mann an der Spitze des EHC Kloten heisst Hans-Ulrich Lehmann. Der Unternehmer aus Glattfelden will den Verein in eine neue Zukunft führen – und setzt dafür zuerst den Rotstift an.
Keystone
Der Vertrag mit Headcoach Sean Simpson wurde aufgelöst.
Der Vertrag mit Headcoach Sean Simpson wurde aufgelöst.
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Stürmer Peter Guggisberg (links) spielt im Konzept der Ex-Flyers ebenfalls keine Rolle mehr.
Stürmer Peter Guggisberg (links) spielt im Konzept der Ex-Flyers ebenfalls keine Rolle mehr.
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Am 12. März hatte die kanadische «Avenir Sports Entertainment» kommuniziert, dass sie den Klotener Verein nach nur einem Jahr wieder verkaufen wolle. In der Aufregung der letzten Wochen wurde der Klubnamen geändert - von Kloten Flyers zurück zu EHC Kloten. Das neue Motto lautet: Zurück zu den Wurzeln! Zurück zur Vernunft! Die zentrale Frage der letzten Wochen war nicht, ob Kloten gerettet wird, sondern wie.

Das «wie» ist jetzt geklärt. Hans-Ulrich Lehmann hat die Aktien von der ASE-Gruppe übernommen. Der EHC Kloten befindet sich wieder in Schweizer Besitz. Die kanadischen Investoren erfüllten übers Wochenende Lehmanns Forderungen. Lehmann übernahm den Klub mit einer bereinigten Bilanz. Die grossen Posten auf der Ausgabenseite, namentlich Spieler Peter Guggisberg und das Trainer-Duo Sean Simpson/Colin Muller (mit einem Vertrag bis 2018), wurden noch von der ASE bereinigt. Diese Bedingung des neuen Besitzers akzeptierte die Avenir-Gruppe letztlich. Die Verträge mit Guggisberg, Simpson und Muller wurden aufgelöst. Die Klotener suchen einen neuen Coach und einen neuen Sportchef.

«Ich bin kein Mäzen»

Lehmann, der sich vor allem mit Handys ein Vermögen in der Grössenordnung von 200 bis 300 Millionen Franken erarbeitet hat, startete mit der Übernahme des EHC eines der interessantesten Experimente in der Schweizer Sport-Szene überhaupt. Er will in Kloten zwar Präsident, aber nicht Mäzen sein. «Der EHC Kloten verabschiedet sich vom Mäzenatentum», so der neue Präsident. «Ich bin kein Mäzen! Es wird in Zukunft nicht mehr ausgegeben als eingenommen.»

Ist es möglich, dass der EHC Kloten eine ganze Saison lang ohne Verlust in der NLA funktionieren kann? In den letzten vier Jahren wechselte der Traditionsklub dreimal den Besitzer: Von Jürg Bircher zu Philippe Gaydoul (2012), von Milliardär Gaydoul zur kanadischen Avenir-Gruppe (2015), und nun von der ASE zu Lehmann. Vor vier Jahren - schon damals hatte Lehmann zum Kreis der möglichen Retter gehört - kostete Gaydoul die Übernahme rund zehn Millionen Franken. Mit dem Engagement in Kloten vernichtete Gaydoul insgesamt rund 30 Millionen Franken. In den letzten Jahren und stets seit der Ära Peter Bossert erwirtschafteten die Flyers mindestens sechs Millionen Franken Defizit pro Geschäftsjahr. Das letzte Geschäftsjahr, welches am Samstag zu Ende ging, soll sogar für ein Minus von acht Millionen in der Kasse gesorgt haben. Lehmann: «Ich verspreche hier und heute, dass wir nicht mehr Geld ausgeben als wir einnehmen. Ich weiss, dass schon früher Präsidenten die Kosten senken wollten und dann gescheitert sind. Ob ich erfolgreich sein werde, wissen wir in einem Jahr.»

Vor einer Woche hatte Lehmann den Spielern erklärt, wie der EHC Kloten ab sofort funktionieren soll. Die Spieler müssen wegen des Sparkurses mit Lohnkürzungen bis zu 40 Prozent rechnen. Lehmanns Auftritt vor der Mannschaft ist vor einer Woche noch belächelt worden. Aber es ist damit zu rechnen, dass der SVP-Politiker seine Absicht durchziehen wird. Auf die Dienste von Timo Helbling, der im Winter in Kloten einen Vertrag unterzeichnet hatte, wurde bereits verzichtet. Helbling verteidigt nächste Saison für den EV Zug. Auch die Spieler mit gültigen Verträgen werden sich Gedanken machen müssen, ob sie die Lohnkürzungen akzeptieren und auch nächste Saison für Kloten spielen, oder ob sie auf ihre Verträge pochen und riskieren wollen, in der NLA nicht mehr unterzukommen. Denn die meisten Klubs haben die Kader für nächste Saison beisammen.

«Spieler wird es schwer treffen»

«Ich rechne damit, dass wir keine Abgänge haben werden», so Lehmann. Mit der Übernahme sei ein erster Schritt gemacht, nun folge die Knochenarbeit. Lehmann: «Die Spieler wird es schwer treffen. Aber anders geht es nicht. Und es ist auch so, dass jemand, der bis jetzt für 500'000 Franken Hockey gespielt hat und das neu für 300'000 Franken tun muss, nicht gleich zu einem Sozialhilfebezüger wird.»

Farbe bekennen muss gemäss dem neuen Klubbesitzer aber auch die Region «Zürich Nord». «Die nächsten zwei Jahre werden zeigen, ob Kloten NLA-Eishockey will», so Hans-Ulrich Lehmann. Er hofft, dass die Fans trotz der neuen Tugenden wie Bescheidenheit, Vernunft und Verlässlichkeit dem Klub die Treue halten. Kloten werde künftig mit einem sehr jungen Team antreten. Zum Thema werden auch Akteure des Winterthurer Farmteams. Lehmann: «Natürlich wäre es schön, Playoffs spielen zu können. Das primäre Ziel wird aber sein, in der NLA zu verbleiben.» Das Eisstadion am Schluefweg soll nicht mehr der Ort mit den grossen Portemonnaies, sondern der Ort der grossen Herzen sein. Lehmann setzt nicht nur seiner neuen Crew, sondern auch den Fans ambitiöse Ziele. 4500 Saisonkarten sollen verkauft werden. Zum Vergleich: In der zu Ende gegangenen Saison kamen im Schnitt 4790 Zuschauer an die Heimspiele.

SDA/mst

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