Eishockey

Vorne harmlos – hinten nachlässig

Die Rapperswil-Jona Lakers standen in Spiel vier in Pruntrut irgendwie neben den Schuhen. Viel zu leicht kam Ajoie zu einem 4:1-Heimsieg und damit zum 2:2-Ausgleich in dieser Halbfinalserie.

Des einen Freud ist des anderen Leid: Kevin Ryser und Jonathan Hazen (hinten) feiern Ajoies 4:1, SCRJ-Goalie Melvin Nyffeler und Captain Antonio Rizzello sind konsterniert.

Des einen Freud ist des anderen Leid: Kevin Ryser und Jonathan Hazen (hinten) feiern Ajoies 4:1, SCRJ-Goalie Melvin Nyffeler und Captain Antonio Rizzello sind konsterniert. Bild: Silvano Umberg

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Nach dem überzeugenden 3:1-Heimsieg am Sonntag hätte man meinen können, die Lakers seien reif, am Mittwoch einen Auswärtssieg im Jura zu landen. Weit gefehlt. Sie zogen einen rabenschwarzen Abend ein. «Wir machten es Ajoie viel zu einfach, verteilten Geschenke», ärgerte sich SCRJ-Trainer Jeff Tomlinson.

Speziell die ersten beiden Gegentore fielen in diese Kategorie. Ajoies Topskorer Philip-Michael Devos wurde auf dem Weg zum frühen Führungstreffer (3.) nicht nur nicht angegriffen, statt einzugreifen, nahm SCRJ-Verteidiger Fabian Maier seinem Goalie sogar noch die Sicht. Und auch beim 2:0, erzielt von Victor Barbero lediglich 11 Sekunden nach Beginn des Mittelabschnitts, standen die St. Galler den Jurassiern nur Spalier. Ein einfacher Doppelpass zwischen Jonathan Hazen und dessen kanadischem Landsmann Devos genügte, um eine Überzahlsituation herbeizuführen. Und zum Schluss konnte Barbero unbehelligt den Abpraller bei Melvin Nyffeler verwerten.

Zu wenig Zug aufs Tor

Zwischen diesen beiden Gegentreffern waren die Lakers daran gewesen, sich zusehends Vorteile zu erkämpfen. Zu klaren Torchancen kamen sie aber erst im Mittelabschnitt und dann zum Schluss, als es aber schon zu spät war. «Auch vorne fehlte die letzte Konsequenz, der Zug aufs Tor, der Verkehr vor dem Gehäuse», analysierte Tomlinson. Die Folge davon: Ajoies Keeper Dominic Nyffeler hatte fast immer freie Sicht und deshalb keine Mühe, die Schüsse abzuwehren.

Der einzige Treffer der Rosenstädter fiel nach einem Ablenker von Antonio Rizzello und war umstritten, hatte der Lakers-Captain seinen Stock doch sehr hoch. Gross und lange aufregen brauchten sich die Gastgeber aber nicht, denn erstens war es «nur» das 1:3 und zweitens stellte Hazen mit seinem zweiten Einschuss an diesem Abend keine drei Minuten später den Drei­torevorsprung wieder her.

Dieser Rückstand war für die Lakers im Schlussabschnitt nicht mehr aufzuholen. Sie kämpften zwar unermüdlich, mehr als zwei Aluminiumtreffer in der Schlussphase schaute aber nicht heraus. Denn während für die St. Galler galt «Vorne harmlos – hinten nachlässig», spielten die Jurassier an beiden Enden des Eisrinks geradlinig und konsequent.

Massive Steigerung nötig

«Ajoie hat heute verdient gewonnen», gestand Tomlinson. Sie müssten das nun genau analysieren und sich am Freitag zu Hause dann massiv steigern. «Es sind vor allem individuelle Dinge. Wir verloren oft die defensive Seite.» Dies dürfe nicht sein – schon gar nicht gegen das gefährlichste Sturmduo der Liga.

Olten auf Finalkurs
Nur noch einen Sieg vom Finaleinzug entfernt ist der EHC Olten nach dem gestrigen 3:2-Heimsieg nach Verlängerung gegen Langenthal. Jewgeni Schirjajew erlöste die 5526 Zuschauer in der Kleinholz-Halle nach exakt 7:24 Minuten der zweiten Verlängerung und sorgte damit für einen Rekord auf Schweizer Eis. Noch nie seit in dieser Saison in den Playoffs kein Penaltyschiessen mehr ausgetragen wird, dauerte eine Partie länger. Vor knapp drei Wochen hatte Rapperswils Leandro Profico im dritten Spiel der Viertelfinalserie gegen die EVZ Academy in der 82. Minute das Siegtor erzielt.

Olten gelang damit der erste Heimsieg in der umkämpften Derby-Serie. Zum dritten Mal wurde in dieser Serie ein Spiel erst in der Verlängerung entschieden. Titelverteidiger Langenthal wurde letztlich für seine Passivität nach dem 2:1 nach 32 Minuten bestraft. Luca Zanatta hatte Olten mit dem 2:2 sechs Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit in die Verlängerung gerettet. (zsz.ch)

Erstellt: 21.03.2018, 23:47 Uhr

Telegramm

Swiss League, Playoff-Halbfinal (best of 7), Spiel 4:

Ajoie - SCRJ Lakers 4:1 (1:0, 3:1, 0:0)
Voyeboeuf, Pruntrut. 2708 Zuschauer. SR Müller/Ströbel, Duarte/Fuchs.
Tore: 4. Devos (Ryser, Hauert) 1:0. 21. (20:11) Barbero (Hazen, Devos) 2:0. 30. Hazen (Devos, Barbero) 3:0. 32. Rizzello (Büsser) 3:1. 35. Hazen (Hauert, Wüst) 4:1.
Strafen: 3×2 Minuten gegen Ajoie, 2×2 Minuten gegen die Rapperswil-Jona Lakers.
Ajoie: Dominic Nyffeler; Birbaum, Casserini; Ryser, Hauert; Dotti, Steinauer; Trunz, Pouilly; Hazen, Devos, Barbero; Fuhrer, Privet, Schmidt; Macquat, Guidotti, Schmutz; Merola, Arnaud Montandon, Wüst.
Rapperswil-Jona Lakers: Melvin Nyffeler; Sataric, Maier; Iglesias, Schmuckli; Geyer, Büsser; Gähler, Berger; Mosimann, Mason, Hügli; Aulin, Knelsen, Rizzello; Vogel, Lindemann, Profico; Hüsler, Ness, Primeau.
Bemerkungen: Ajoie ohne Maxime Montandon, Devesvre (beide verletzt), Frossard (krank), Hrabec und Krakauskas (beide überzählig); Rapperswil-Jona Lakers ohne Brem (verletzt), Casutt (abwesend/wird Vater), Frei, Gurtner, Liechti, Morin und Schir (alle überzählig). 56. Pfostenschuss Mason. Rapperswil-Jona von 56:03 bis 59:32 ohne Torhüter. 56:36 Time-out Rapperswil-Jona. 57. Lattenschuss Geyer.
Stand in der Serie (best of 7): 2:2.

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