Eishockey

Torrekord für Niederreiter, Erlösung für Andrighetto

Etwas mehr als ein Dutzend Schweizer Feldspieler sind in der Regular Season der NHL zum Einsatz gekommen. Manche wie Nino Niederreiter oder Roman Josi sind Stützen ihrer Teams – andere müssen um jede Sekunde Eiszeit kämpfen. Die Bilanz nach 82 Spielen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am kommenden Mittwoch beginnt nach 82 Spielen in der regulären Saison die Endrunde in der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga (NHL). Die Positionen sind geklärt. In der Eastern Division haben sich Washington, Pittsburgh, Columbus, Montreal, Ottawa, Boston, die New York Rangers und Toronto (mit Ex ZSC-Juwel Auston Matthews) qualifiziert. Nur ein Schweizer Feldspieler, nämlich der 39-jährige Verteidiger-Altmeister Mark Streit mit Pittsburgh, hat im Osten den Sprung in die Endrunde geschafft.

In der Western Division schaffen Chicago, Minnesota, St. Louis, Anaheim, Edmonton, San Jose, Calgary und Nashville den Sprung in die Playoffs. Roman Josi, Kevin Fiala und Yannick Weber werden für Nashville, Nino Niederreiter für Minnesota und – sofern sie denn zum Einsatz kommen – der Winterthurer Marco Müller und Timo Meier für San Jose um den Stanley-Cup kämpfen können.

Zu favorisieren sind nebst Vorjahres-Champion Pittsburgh sicher die Washington Capitals (mit Superstar Alexander Ovechkin) sowie die Chicago Blackhawks. Allerdings haben auch Nino Niederreiters Minnesota Wild – eine über alle vier Blöcke stark besetzte Mannschaft – eine sehr gute Qualifikation hingelegt, Und nicht zuletzt muss auf die Edmonton Oilers aufgepasst werden: Angeführt von Jungstar Connor McDavid, der mit 100 Scorerpunkten die meisten Punkte in der regulären Saison sammelte, könnte das kanadische Traditionsteam durchaus für eine Überraschung gut sein.

14 Schweizer Feldspieler sind während der Regular Season in der NHL zum Einsatz gekommen. Das sind die Schweizer in der Einzelbewertung.

Nino Niederreiter, Minnesota Wild

Der 24-jährige Churer ist derzeit der klar beste Schweizer Stürmer in der NHL (und somit wohl auch der beste Stürmer mit Schweizer Pass überhaupt). Niederreiter hat einen neuen persönlichen Punkterekord aufgestellt (25 Tore, 32 Assist, 57 Punkte). Er spielt mittlerweile meistens in der ersten Sturmreihe an der Seite von Eric Staal und Zach Parise.

Nino Niederreiter trifft im Spiel gegen Carolina. Quelle: nhl.com

Allerdings sind die Formationen bei Minnesota nicht so starr, wie bei anderen Teams. Da die Wild über alle vier Blöcke sehr ausgeglichen besetzt sind, formiert Coach Bruce Boudreau die Linien regelmässig um. Vielleicht war das auch einer der Gründe dafür, warum Minnesota im Februar in eine Baisse fiel. Nach einem Transfer, bei dem mit Martin Hanzal und Ryan White zwei neue Spieler von Arizona geholt wurden, geriet das interne Gefüge durcheinander. Niederlage reihte sich an Niederlage.

Nino Niederreiter steht stellvertretend für diese Durststrecke. Vom 27. Februar bis zum 30 März blieb er ohne Torerfolg: Also während 16 Spielen. Nur mit Mühe kämpften sich die Wild – und Niederreiter – im Verlauf des März wieder auf die Siegesstrasse zurück.

Nun bekommt Minnesota es in der ersten Playoffrunde mit den St. Louis Blues, dem Team des russischen Starstürmers Vladimir Tarasenko zu tun.

Roman Josi, Kevin Fiala und Yannick Weber, Nashville Predators

Mit drei Eidgenossen im Stammaufgebot ist Nashville so etwas wie das «Schweizer Team» in der NHL. Nach einer von Hochs und Tiefs geprägten Saison haben die Predators schliesslich doch noch den Sprung in die Playoffs geschafft.

Verteidiger Roman Josi war massgeblich an diesem Erfolg beteiligt. Ohnehin einer der besten Verteidiger in der NHL, gelang Josi gegen Ende der Saison nochmals eine Steigerung. Durch starke Spiele liess er all jene Stimmen verstummen, die ihm nach dem Weggang seines langjährigen Verteidiger-Partners Shea Weber nach Montreal einen Abfall in die Mittelmässigkeit prophezeit hatten. Josis 12 Tore und 37 Assist in 72 Spielen sprechen eine deutliche Sprache.

Roman Josi trifft gegen die Dallas Stars. Quelle: Youtube

Der erst 20-jährige Kevin Fiala kam in 54 Spielen zum Einsatz, meistens in der zweiten oder dritten Formation. Die restliche Zeit verbrachte er auf der Tribüne oder dann beim Farmteam von Nashville. Der technisch versierte und explosive St. Galler hat grosses Offensiv-Potenzial und liess dieses auch immer wieder aufblitzen. Man darf gespannt sein, wie sich Fiala in den Playoffs anstellen wird.

Spektakuläres Tor von Fiala im Spiel gegen Minnesota. Quelle: Youtube

Yannick Weber hat alle überrascht: Nach seiner Ausbootung in Vancouver wurde allgemein erwartet, dass der 28-jährige Verteidiger in die Schweiz zurückkehrt. Dem war aber nicht so. Weber erkämpfte sich einen Stammplatz bei Nashville und absolvierte 73 Spiele in der Regular Season. Der schussstarke Verteidiger, der seine Stärken eigentlich eher in der Offensive hat, erfand sich dafür regelrecht neu. Er mutierte zum Arbeitstier in der dritten Formation und spielte im Durchschnitt knapp 12 Minuten pro Spiel. Gegen Ende Saison verletzte sich Weber, er dürfte aber in den Playoffs wieder fit sein und zum Einsatz kommen.

Nashville trifft in der ersten Playoffrunde auf die Chicago Blackhawks.

Sven Bärtschi und Luca Sbisa, Vancouver Canucks

Stürmer Sven Bärtschi und Verteidiger Luca Sbisa haben eine schwierige Saison mit Vancouver hinter sich. Die Canucks schliessen die Saison auf dem zweitletzten Platz der Western Divison ab: 25 Punkte hinter dem 8. Playoffplatz. Das Team in Vancouver befindet sich weiter im Umbau. Die Zeit der Sedin-Zwillinge, welche die Canucks während fast zwei Jahrzehnten geprägt haben, dürfte zu Ende sein. Junge Spieler wie der energische Center Bo Horvat oder Jungtalent Brock Boeser rücken nach.

Welchen Platz die beiden Schweizer in diesem Team künftig haben werden, ist offen. Der quirlige Sven Bärtschi hat mit seinen 18 Toren und 17 Assist eine solide Saison gespielt. Er kam – sofern nicht verletzt – stets in den ersten beiden Blöcken zum Einsatz. Ob er das auch in der kommenden Saison machen wird hängt wohl stark davon ab, welche Züge die Canucks auf dem Transfermarkt machen werden.

Sven Bärtschi trifft gegen die San Jose Sharks. Quelle: Youtube.

Verteidiger Luca Sbisa war über die volle Distanz von 82 Spielen eine Bank für die Canucks. Er erhielt viel Eiszeit und Verantwortung. Sbisa hat sich durch seine starken Leistungen auf jeden Fall für eine Vertragsverlängerung in Vancouver empfohlen. Allerdings wird sein Name auch immer wieder in Verbindung gebracht mit dem «Expansion Draft», der auf das kommende Jahr hin stattfinden wird. In der nächsten Saison wird mit den Las Vegas Golden Knights eine neues Team in die NHL aufgenommen. Damit die Golden Kinghts überhaupt eine Chance haben, müssen alle anderen Mannschaften Spieler für das neue Team freigeben – das ist der «Expansion Draft». Sbisa wird seit längerem als heisser Kandidat für diesen Prozess gehandelt.

Mark Streit, Pittsburgh Penguins

Verteidiger Mark Streit ist mit 39 Jahren der weitaus erfahrenste Schweizer NHL-Söldner. 12 Saisons, 784 Spiele, 96 Tore und 338 Assists kann sich der Berner Pionier auf die Fahne schreiben.

Gegen Ende der Saison wurde Streit von den Philadelphia Flyers zu den Pittsburgh Penguins transferiert. Dort spielte er zuletzt zwar keine so zentrale Rolle mehr, wie zuvor bei den Flyers. Aber einen Stammplatz hatte er stets auf sicher. Für Streit bietet sich nun eine einmalige Chance. Die Flyers haben die Qualifikation für die Playoffs nicht geschafft, die Penguins hingegen sind Favorit auf den Titel. Wenn alles gut läuft, könnte Streit im Mai um den Gewinn des Stanley Cups spielen. Es wäre der perfekte Abschluss für eine sensationelle Karriere.

Mark Streit trifft für die Penguins auf Zuspiel von Superstar Sidney Crosby. Quelle:Youtube

Sven Andrighetto, Colorado Avalanche

Sven Andrighetto wurde am 1. März von den Montreal Canadiens zu den Colorado Avalanche transferiert; ein Wechsel, der sich für den Ustermer mehr als bezahlt gemacht hat. Beim schlechtesten Team der Liga erhielt der pfeilschnelle Stürmer viel Eiszeit und Verantwortung: Fast 19 Minuten pro Spiel liess ihn der Coach in der ersten Linie spielen. Das Resultat: 5 Tore und 1o Assists in 19 Spielen.

Andrighetto ist ein Paradebeispiel dafür, dass talentierte Spieler in der NHL oftmals deshalb nicht vom Fleck kommen, weil sie schlichtweg in der falschen Organisation spielen. Bei Montreal befand sich Andrighettos Karriere in einer Sackgasse, in Colorado hat er nach seinen tollen Leistungen im letzten Saisonviertel gute Chancen auf einen Neuanfang in der NHL.

Sven Andrighetto trifft für die Avalanche gegen Calgary. Quelle: nhl.com

Timo Meier und Mirco Müller, San Jose Sharks

Mit dem Appenzeller Timo Meier (20) und dem Winterthurer Mirco Müller (22) stehen zwei hoffnungsvolle Jungtalente in den Reihen der San Jose Sharks. Allerdings erweist sich die Organisation aus Kalifornien für die Schweizer als hartes Pflaster.

Vor allem Verteidiger Mirco Müller musste das in dieser Saison wieder zur Kenntnis nehmen. Nur gerade 4 Spiele durfte er im Dress der Sharks absolvieren. Dabei zeigte er zwar gute Leistungen, für einen Aufstieg in der eisenharten Verteidiger-Hierarchie des Teams reichte es aber – ähnlich wie bereits in der Saison 2015/2016 – trotzdem nicht. Die Sharks gehören mit nur 201 Gegentreffern in 82 Spielen zu den defensiv stärksten Teams der Liga. Was bedeutet: Geschenkt wird Mirco Müller in San Jose nichts. Er braucht Geduld.

Stürmer Timo Meier konnte diese Saison erstmals ausgiebig NHL-Luft schnuppern. Er kam zu 34 Einsätzen und erzielte dabei 3 Tore und 3 Assists. Dass er in den Playoffs viel Eiszeit erhalten wird, ist aber eher unwahrscheinlich.

Für die Zukunft sieht es aber gut aus: Die Offensivabteilung der Shars ist mit Joe Thornton (37), Patrick Marleau (37) und Joe Pavelski (32) bereits stark in die Jahre gekommen. Eine Verjüngung des Kaders deutet sich auf die kommende Saison hin an – die Chance für Timo Meier.

Timo Meier trifft bei einem Konter gegen Winnipeg. Quelle: Youtube

Denis Malgin, Florida Panthers

Der 20-jährige Denis Malgin verzückte zu Beginn der Saison Fans und Kommentatoren in Florida. Er scorte regelmässig und überzeugte mit cleverem und technisch versierten Spiel, nicht zuletzt im Power Play. Allerdings ging darob etwas vergessen, dass Malgin eigentlich nur deshalb zum Einsatz kam, weil diverse Stammspieler bei Florida verletzt waren. Und wenn es etwas gibt in der NHL, an dem ein Rookie («Neuling») scheitern kann, dann sind es etablierte Hierarchien innerhalb der Teams.

Nach und nach kehrten die Stammspieler zurück und Malgins Eiszeit schrumpfte zusammen. Dann kam es auch noch zu einem Trainerwechsel. Malgin verlor seinen Platz im Team und wurde wieder ins Farmteam geschickt.

Immerhin: Dank guter Leistungen in den Minors wurde Malgin im Februar und März vereinzelt und gegen Ende der Regular Season sogar nochmals für einige Spiele in Serie in die NHL beordert. Er erzielte sogar nochmals zwei Tore. Malgin dürfte auf diese Weise künftig gute Chancen auf einen Stammplatz bei den Panthers haben.

Denis Malgin trifft im letzten Spiel der Saison gegen die Washington Capitals. Quelle: nhl.com

Christoph Bertschy (Minnesota Wild), Tanner Richard und Joel Vermin (bei Tampa Bay Lightning)

Christoph Bertschy kam zu Beginn der Saison zu einigen Einsätzen bei Minnesota, verbrachte dann aber den Rest der Saison in der Minor League. Tanner Richard durfte für 3 Spiele mittun, bevor er wieder ins Farmteam geschickt wurde. Beide sind derzeit keine Kandidaten für einen Stammplatz in der NHL.

Stürmer Joel Vermin ist hingegen näher dran. Der Berner spielte für Tampa Bay 18 Partien, dabei erzielte er keine Tore und 3 Assists. Auch er kommt aber nur dann zum Einsatz, wenn sich Stammspieler verletzen – was bei Florida in dieser Regular Season häufig der Fall war.

(Erstellt: 10.04.2017, 19:43 Uhr)

Artikel zum Thema

Niederreiters Tore, Josis Partnersuche und Meiers Einstand

Eishockey Es ist fast Halbzeit in der aktuellen NHL-Saison. Die Zwischenbilanz aus Schweizer Sicht ist durchzogen. Vor allem für die jüngeren Spieler zeigt sich: Der Weg zum Erfolg in der besten Liga der Welt ist hart – und manchmal frustrierend. Mehr...

Artikel zum Thema

Von 0 auf 5 – die Kanadier sind im Stanley Cup zurück

Eishockey Vor einem Jahr waren die Playoffs um den Stanley-Cup eine rein US-amerikanische Angelegenheit. Ab dieser Woche dürfen sich fünf von sieben kanadischen Teams Hoffnungen auf den Titel­gewinn machen. Ein Blick durch die Ligen von Toronto über München bis nach Bern. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben