Eishockey

Rosige Aussichten: Das sind die Schweizer in der NHL

Am Mittwoch startet die NHL-Saison 2017/2018. Aus Schweizer Sicht könnte es eine denkwürdige Spielzeit werden: Und zwar nicht nur wegen des 18-jährigen Supertalents Nico Hischier.

In der Nacht auf Donnerstag beginnt die Saison 2017/2018 in der National Hockey League (NHL). Insgesamt 30 Teams umfasst die beste Profi-Eishockeyliga der Welt – und damit eine Equipe mehr als noch in der letzten Spielzeit.

Neu hinzugekommen sind die Las Vegas Golden Knights. Im Rahmen des in der NHL üblichen «Expansion Drafts» konnte sich diese neue Franchise im Sommer bei den Spielerpools der anderen Mannschaften «bedienen», um ein konkurrenzfähiges Team aufzubauen.

Star der neuen Mannschaft ist ganz klar der Torhüter: Mit dem Franko-Kanadier Marc-André Fleury ist der langjährige Goalie der Pittsburgh Penguins in die Wüstenstadt transferiert worden. Von Fleury – einem erstrunden-Draftpick und dreimaligem Stanley Cup-Gewinner – wird erwartet, dass er dem jungen Team als Stütze und Rückhalt dient.

Dass es die Golden Knights bereits im ersten Jahr ihrer Existenz in die Playoffs schaffen werden, ist allerdings zu bezweifeln. Die Erfahrung in der NHL zeigt, dass derart zusammengewürfelte Expansion-Teams stets einige Jahre benötigen, um in den Spielbetrieb «hineinwachsen» zu können.

Wer den Cup will muss die Penguins schlagen

Ansonsten ist die Ausgangslage ähnlich wie bereits in der letzten Saison. Das Team, welches es im Kampf um die Stanley Cup-Trophäe zu überwinden gilt, sind einmal mehr die Pittsburgh Penguins. Die um die beiden Superstars Sidney Crosby und Evgeni Malkin gebaute Mannschaft gewann den Titel in den letzten beiden Saisons. Zwar altert der Spielerstamm langsam – allerdings verfügen die Penguins nach wie vor über eine Tiefe und Erfahrung im Kader, die in der Liga ihresgleichen sucht.

Können die Pittsburgh Penguins diese Saison zum dritten Mal in Folge den Stanley Cup gewinnen? Das Potenzial ist vorhanden. Quelle: Youtube

Mit Spannung zu erwarten ist, wie stark die kanadischen Equipen aus Edmonton (mit Superstar Connor McDavid) und Toronto (mit Ex-ZSC-Center Austen Matthews) aufspielen werden. Beide Teams verfügen über ein hervorragendes, junges Kader. Die Frage ist: Können die «Youngsters» den grossen Pittsburgh Penguins bereits das Wasser reichen?

Die Schweizer: Rosige Aussichten

Bezogen auf die Schweizer Söldner in der NHL darf von einer Erfolgsgeschichte gesprochen werden – und zwar noch bevor die Saison überhaupt richtig begonnen hat. Gleich in mehreren Teams sind Schweizer Spieler nicht mehr um Stammplätze kämpfende Aussenseiter, sondern Teamstützen. Mit dem 18-jährigen Nico Hischier steht bei den New Jersey Devils zudem der erste 1-Runden-Draftpick in der Geschichte des Schweizer Eishockeys am Start.

Noch vor Hischier verdient jedoch das Schweizer Trio bei den Nashville Predators spezielle Erwähnung: Roman Josi (Verteidiger), Yannick Weber (Verteidiger) und Kevin Fiala (Stürmer) erreichten in der letzten Saison mit den Predators Denkwürdiges.

Nach einer eher durchzogenen Saison lief das Team aus Nashville in den Playoffs zu Hochform auf. Der Höhenflug wurde erst im Stanley Cup-Finale gestoppt: Dort unterlagen die von Verletzungen und Ausfällen geplagten «Preds» dem übermächtigen Gegner aus Pittsburgh. Vor allem Roman Josi hat sich durch seine Leistungen den Status eines Superstars erarbeitet. Er gilt mit seiner defensiv intelligenten und offensiv spektakulären Spielweise als einer der besten Verteidiger in der NHL. Nicht ganz überraschend wurde Josi im Vorfeld dieser Saison zum neuen Captain der Predators ernannt, was eine enorme Ehre darstellt.

Mit solchen Toren wie in den Playoffs gegen Anaheim zementierte Roman Josi seinen Status als Topspieler. Quelle: Youtube

Grosses erwartet man in Nashville auch von Jungspund Kevin Fiala. Er lief in der letzten Saison vor allem in den Playoffs zu Hochform auf und erzielte wichtige Tore. Dann verletzte sich der quirlige und technisch brillante Fiala aber in der zweiten Runde gegen die St. Louis Blues. Er wurde von einem Verteidiger der Blues an die Bande gecheckt und brach sich dabei den Oberschenkel. Fialas Genesungsprozess ging aber zügig voran, sodass er in den Vorbereitungsspielen bereits voll zum Einsatz kam – und dort einen sehr guten Eindruck hinterliess. Fiala wird diese Saison eine wichtigere Rolle in der Predators-Offensive spielen und mehr Eiszeit erhalten als letztes Jahr.

Solche Tore wie in den letztjährigen Playoffs gegen Chicago erwartet man von Kevin Fiala in dieser Saison häufiger. Quelle: Youtube

Und Yannick Weber? Über ihn wird wenig berichtet. Dabei lieferte der 29-jährige Berner in der letzten Saison sehr konstante Leistungen im dritten Verteidigerpaar der «Preds» ab: Er spielte 73 Spiele in der Regular Season und stand in 22 Playoff-Spielen auf dem Eis. Als Nummer fünf/sechs in der Verteidiger-Hierarchie gilt Weber als latent gefährdet, seinen Stammplatz an einen nachdrängenden Minor-League-Konkurrenten zu verlieren. Das wurde aber auch im letzten Jahr stets behauptet...

Nico Hischier: Grosse Erwartungen

Besonders im Brennpunkt steht aus Schweizer Sicht wie auch aus Sicht der NHL-Experten Nico Hischier, der im Juni von den New Jersey Devils als Nummer 1 gedraftet worden ist. Der 18-jährige Center blickt auf eine eindrückliche Vorbereitung mit vier Toren und drei Assists in vier Partien zurück. Er erhält – zumindest zu Beginn – eine grosse Rolle, gehört zu den Top-6-Stürmern und wird auch im Powerplay regelmässig eingesetzt.

Mit seinen Leistungen in der Pre-Season hat Nico Hischier hohe Erwartungen geweckt. Kann er dem gerecht werden? Quelle: Youtube

Hischier hat mit seinen Auftritten den um ihn entstandenen Hype noch weiter in die Höhe getrieben. Schliesslich ist der Erfolgshunger bei New Jersey gross. Die Devils verpassten zuletzt fünfmal hintereinander die Playoffs. In der vergangenen Saison waren sie das schlechteste Team der Eastern Conference. Mithelfen auf dem Weg zurück zu besseren Zeiten soll auch Verteidiger Mirco Müller. Der 22-jährige Winterthurer wechselte Mitte Juni im Tausch gegen zwei Draft-Picks von den San Jose Sharks zu New Jersey. Dass sie dort auf ihn zählen, unterstreicht der Einwegvertrag über zwei Jahre. Bei San Jose konnte sich Müller nicht durchsetzen; in drei Saisons kam er nur auf 54 Einsätze in der besten Liga der Welt. Nun kann er beweisen, warum er im Draft 2013 die Nummer 18 war.

Gelassener Niederreiter

Seine NHL-Tauglichkeit bereits bewiesen hat Nino Niederreiter. Zwar musste sich der Churer Stürmer wie erwartet etwas gedulden, ehe er wusste, wie es weitergeht – den Fünfjahresvertrag über 26,25 Millionen Dollar mit den Minnesota Wild unterschrieb er erst Ende Juli. Er nahm die Situation jedoch gelassen. «Ich wusste, dass ich eine gute Saison gespielt hatte, und ich weiss auch, dass noch viel mehr möglich ist. Darum wusste ich, dass es so kommt, wie es kommen muss», sagte Niederreiter.

Der Powerflügel hat seine Skorerpunkte in den ersten vier Jahren bei Minnesota kontinuierlich gesteigert: 36, 37, 43 und 57 lauten die Zahlen in der Regular Season. Die 57 Punkte sind umso erstaunlicher, als er immer noch nicht jene Eiszeit (15:04 Minuten pro Spiel in der Qualifikation) erhielt, die er aufgrund seines Werts für die Mannschaft verdienen würde. «Das sind Sachen, die ich nicht kontrollieren kann, und darum denke ich nicht daran.»

Gross und kräftig, aber ausgestattet mit feinen Händen: Das ist Nino Niederreiter. Quelle: Youtube

Der 25-Jährige will nicht nur persönlich einen weiteren Schritt vorwärts machen, sondern auch mit dem Team. Die Wild schieden in der ersten Playoff-Runde gegen die St. Louis Blues (1:4) sang- und klanglos aus, nachdem sie die beste Qualifikation in der Geschichte der Franchise gespielt hatten. «Wir hatten eine Mannschaft, um weit zu kommen. Entsprechend müssen wir besser sein», so Niederreiter.

Andrighetto: «War erst der Anfang»

Feste Grössen in ihren Teams sind wohl auch Sven Bärtschi bei den Vancouver Canucks und Sven Andrighetto bei den Colorado Avalanche. Letzterer blühte nach dem Wechsel von den Montreal Canadiens auf und erzielte in 19 Partien für die Avalanche fünf Tore und elf Assists. «Das war erst der Anfang. Es kommt noch viel mehr», versprach der 24-jährige Zürcher, der vorerst weiterhin in der ersten Linie zusammen mit Nathan McKinnon und Mikko Rantanen zum Einsatz kommen dürfte.

Colorado war in der vergangenen Saison mit Abstand das schlechteste Team der Liga, danach folgte Vancouver. Die Canucks feuerten daraufhin Willie Desjardins und ersetzten ihn durch Travis Green, der grosse Stücke auf Sven Bärtschi hält. Ausserdem holten sie im Sommer mit Thomas Vanek (33), Sam Gagner (28), Michael Del Zotto (27) und Alexander Burmistrow (25) viel Erfahrung ins Team, statt auf neue junge Spieler zu setzen. Ob das der richtige Weg ist, wird sich zeigen.

Die Erwartungen an Sven Bärtschi sind indes hoch. Liest man die Fanforen und Sport-Blogs aus dem hockey-verrückten Vancouver wird klar, dass vom Berner nichts geringeres als eine «Breaktrough-Season», also der ultimative Durchbruch, erwartet wird.

Nichts anderes als den «Breaktrough», also den Durchbruch, erwartet man diese Saison in Vancouver von Sven Bärtschi. Quelle: Youtube

Luca Sbisa steht vor einer spannenden Saison, spielt er doch für die neue Franchise Vegas Golden Knights. Es wird interessant sein zu sehen, wozu die Mannschaft schon fähig ist. Den 27-jährigen Zuger verfolgen zwar Trade-Gerüchte, er dürfte aber regelmässig eingesetzt werden. Der bald 40-jährige Mark Streit unterschrieb nach dem Stanley-Cup-Triumph mit Pittsburgh einen Einjahresvertrag mit den Montreal Canadiens, bei denen er seine Karriere in der NHL begonnen hatte.

Meier und Malgin: Chance nutzen

Timo Meier bei den San Jose Sharks und Denis Malgin bei den Florida Panthers wollen sich in der NHL etablieren. Beide haben aufgrund ihres jugendlichen Alters und ihres Talents gute Chancen.

Timo Meier kommt zugute, dass die San Jose Sharks in einem markanten Verjüngungsprozess stecken. Unter anderem wurde der langjährige Center-Star Patrick Marleau zu den Toronto Maple Leafs abgegeben. Der mittlerweile 38-jährige Joe Thornton erhielt zwar nochmals eine Vertragsverlängerung – seine dominante Rolle von einst hat er aber eingebüsst.

Im Fall von Malgin sieht die Sache ähnlich aus. Die Panthers haben sich vom tschechischen Altmeister Jaromir Jagr getrennt (der mittlerweile einen Einjahresvertrag bei den Calgary Flames unterschrieben hat), was die Konkurrenzsituation im Stürmerfeld der Panthers etwas entschärft hat.

So oder so: Aus Schweizer Sicht kann die NHL-Saison 2017/2018 mit Spannung erwartet werden. Der Fussabdruck des Schweizer Eishockeys in der stärksten Liga der Welt wird immer grösser.

Martin Steinegger (mit Material von SDA, Keystone, nhl.com und Youtube)

Erstellt: 04.10.2017, 13:54 Uhr

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