Rapperswil-Jona

Nur das Tüpfelchen auf dem i fehlte

Die Verantwortlichen der Rapperswil-Jona Lakers ziehen trotz dem verlorenen NLB-Final eine positive Saisonbilanz. Dem Szenario, im Fall eines Rückzugs der Kloten Flyers am grünen Tisch aufzusteigen, stehen sie kritisch gegenüber.

Auf ihre Fankurve können die Lakers zählen, generell hielt sich das Zuschauerinteresse aber in Grenzen, in den Finalspielen war es sogar bescheiden.

Auf ihre Fankurve können die Lakers zählen, generell hielt sich das Zuschauerinteresse aber in Grenzen, in den Finalspielen war es sogar bescheiden. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie vor Jahresfrist ging die Saison für die Rosenstädter mit einer Niederlage zu Ende. Dies ist allerdings die einzige Parallele. Denn anders als durch den Abstieg brach durch den verpassten NLB-Meistertitel keine Welt zusammen – weder für die Fans, die Spieler noch den Klub generell.«Im ersten Moment war schon eine gewisse Enttäuschung da, den Pokal nicht gewonnen zu haben», gesteht Markus Bütler, der im vergangenen Sommer Roger Sigg als Geschäftsführer der Lakers ablöste. Nüchtern betrachtet sei es aber eine gute, ja sogar sehr gute Saison gewesen. «Der Titel und die Ligaqualifikation wären einfach das Tüpfelchen auf dem i gewesen», erklärt der frühere Lakers-Stürmer. Roger Maier, nach der Relegation bei den Rosenstädtern als sogenannter Sportkoordinator anstelle des wie Sigg aussortierten Sportchefs Harry Rogenmoser eingesetzt, pflichtet Bütler bei und ergänzt: «Man darf nicht vergessen, woher wir kommen. Der Klub steckte nach dem Abstieg in einer sehr schwierigen Situation.»

Tomlinson ein Glücksgriff

In der Tat. Nach dem Fall in die NLB blieb bei den Lakers kaum ein Stein auf dem anderen – auch bezüglich erster Mannschaft. 22 Spieler gingen, 14 neue kamen. In der Summe hatte man ein 26-Mann-Kader zusammen, welches viel weniger kostete, als viele glauben mögen, nämlich 2,05 Millionen Franken, aber eigentlich nur Profis enthält und deshalb, im Gegensatz zur Konkurrenz, wie ein NLA-Team arbeiten kann – weil das Gesamtbudget der Lakers Sport AG mit rund 7 Millionen Franken eben doch Ligaspitze ist.

Als wahrer Glücksgriff für die Lakers entpuppte sich die Verpflichtung von Jeff Tomlinson zum neuen Trainer. Der Deutschkanadier formte aus dem neu ­zusammengewürfelten Haufen schnell ein Team und führte dieses erst zum Qualifikationssieg und anschliessend in den Playoff-Final – womit das zu Saisonbeginn herausgegebene Ziel (Top 4) klar erreicht wurde. «Er hat sehr gute Arbeit geleistet», sind sich Bütler und Maier einig. Und man sei froh, den Vertrag mit dem Headcoach schon im November verlängert zu haben (bis 2018). «Andersfalls wäre er bestimmt abgeworben worden. Er erhält auch jetzt immer wieder Anfragen», verrät Maier.

Was an Tomlinson besonders geschätzt wird, sind seine Arbeitseinstellung (Maier: «Er ist ein Chrampfer, ein Macher.»), seine Detailarbeit (Bütler: «Er ist immer bestens informiert.»), aber auch seine Fähigkeit, das Beste aus einer Situation zu machen. «Wir hatten einige Verletzte zu beklagen. Doch er hat nie gejammert, sondern einfach weitere Jungen eingebaut», lobt Bütler. Aus durchaus bescheidenen Mitteln das Maximum herauszuholen, wird auch weiterhin gefragt sein. Denn im finanziellen Bereich sieht es bei den Lakers nach wie vor alles andere als rosig aus. «Wir werden erneut einen Verlust einfahren», kündigt Bütler an. Deshalb müsse er kommende Saison beim Team nochmals rund 200 000 Franken einsparen, betont Maier.

Mehr Publikum erwartet

Nicht gerade geholfen habe diesbezüglich das insgesamt eher bescheidene Zuschauerinteresse. «Die Fans, die kamen, haben die Mannschaft genial unterstützt», hält der Geschäftsführer fest, «speziell im Final hätte ich mir jedoch schon ein grösseres Interesse erhofft.» Abzüglich der rund 800 Ajoie-Fans seien ja beispielsweise im fünften Spiel kaum mehr Zuschauer im Stadion gewesen wie im Schnitt in der Qualifikation (2750). Immerhin konnten dank der vielen Playoff-Heimspiele die geringer als erwartet ausgefallenen Einnahmen aus der Qualifikation kompensiert werden.

Bütler kann diesbezüglich eine gewisse Ernüchterung nicht verbergen und sagt: «Wenn es in Rapperswil-Jona in Zukunft wieder NLA-Eishockey geben soll, muss sich diesbezüglich einiges tun.» Ins Bild passt da, dass der Verkauf der 94 000 neuen Aktien nur schleppend vorangeht. Bis jetzt ist von den zur Umsetzung der Kapitalerhöhung benötigten 1,88 Millionen Franken erst gut die Hälfte zusammengekommen.

Keine Anfrage vom Verband

Alle diese Dinge gelte es zu bedenken, falls dann Kloten tatsächlich aus der NLA ausscheiden und die Liga einen Ersatz suchen würde, sagt Markus Bütler, der aber festhält, dass es bisher keine Anfrage des Verbandes gab. Auch Roger Maier zeigt sich gegenüber einem solchen Szenario eher skeptisch: «Ein Aufstieg am grünen Tisch ist etwas ganz anderes als ein sportlicher.» Es fehlten das Erfolgserlebnis, die Emotionen, die Euphorie. Mehreinnahmen zu generieren, sei so viel schwieriger. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.04.2016, 08:58 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!