Eishockey

Niederreiters Tore, Josis Partnersuche und Meiers Einstand

Es ist fast Halbzeit in der aktuellen NHL-Saison. Die Zwischenbilanz aus Schweizer Sicht ist durchzogen. Vor allem für die jüngeren Spieler zeigt sich: Der Weg zum Erfolg in der besten Liga der Welt ist hart – und manchmal frustrierend.

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In der National Hockey League (NHL) steht die Saisonhalbzeit kurz bevor. In der «Eastern-Division» dominieren der letztjährige Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh Penguins und die Columbus Blue Jackets das Feld. Im Westen stehen die Chicago Blackhawks und die Minnesota Wild an der Spitze. Erfolgreich spielen auch die kanadischen Teams – ganz im Gegensatz zur letzten Spielzeit, die im Eishockey-Mutterland als als «Katastrophenjahr» beklagt wurde, weil kein kanadisches Team die Endrunde erreichte. Die Montreal Canadiens, die Edmonton Oilers und die Ottawa Senators können sich heuer berechtigte Hoffnungen auf die Playoffs machen.

An der Spitze des Scoreboards steht der Russe Evgeni Malkin. In 38 Spielen hat der Center der Pittsburgh Penguins 16 Tore und 27 Assists erzielt (43 Punkte). Dahinter folgt das Edmonton-Jungtalent Connor McDavid. Der 19-Jährige, der bereits Captain seiner Mannschaft ist, hat in 38 Spielen 14 Tore und 29 Assists erzielt. Ebenfalls eine starke Saison spielt Sidney Crosby, Teamkollege von Evgeni Malkin bei den Penguins. Der 29-jährige Kanadier, der immer noch als der beste Spieler der Liga gilt, kommt in 32 Spielen auf 26 Tore und 16 Assists.

Und wie steht es um die Schweizer in der besten Eishockeyliga der Welt? Mehr als ein Dutzend Feldspieler kamen bislang zum Einsatz. Hier die NHL-Schweizer in der Einzelbetrachtung.

Nino Niederreiter, Minnesota Wild

Der 24-jährige Nino Niederreiter spielt bisher eine sehr gute Saison. Er gehört zu den besten Scorern in einer mit Talenten reich gesegneten Mannschaft. Die Wild sind top in der Liga und haben zuletzt 12-Mal in Serie gewonnen.

Niederreiters Punkteausbeute lässt sich sehen: In 36 Spielen hat er 9 Tore und 14 Assist erzielt. In einer Liga, in der jedes Tor hart erkämpft werden muss, sind das gute Werte. Niederreiter spielte zuletzt meistens in der dritten Linie zusammen mit dem US-Amerikaner Charlie Coyle und dem Finnen Erik Haula. Der grosse und kräftige Churer mit den «feinen Händen» kommt praktisch in jedem Überzahlspiel zum Einsatz. Wenn er so weiterspielt und sich nicht verletzt, kann Niederreiter dieses Jahr 50 oder sogar 60 Scorerpunkte erreichen.

Grosser Spieler, feine Hände: Eines der Tore von Nino Niederreiter. Quelle: Youtube

Roman Josi, Nashville Predators

Der 26-jährige Berner Roman Josi zählt zu den besten Verteidigern der Welt. Diesen Ruf hat er sich in den letzten Jahren durch hervorragendes Stellungsspiel und seine offensiven Qualitäten verdient. Dieses Jahr läuft es für Josi aber nicht so rund. Die Predators zeigen unkonstante Leistungen. Roman Josis' Scoringwerte sind tiefer als letztes Jahr und er hat eine negative Plusminus-Bilanz. Das heisst: Er steht bei mehr Gegentreffern auf dem Eis als bei Toren seiner eigenen Mannschaft.

Josi für die Baisse seines Teams verantwortlich zu machen wäre aber falsch. Er ist nach wie vor der Leistungsträger der Predators und steht pro Spiel jeweils über 25 Minuten auf dem Eis. Allerdings macht sich der Abgang von Josis langjährigem Verteidiger-Partner Shea Weber zu den Montreal Canadiens bemerkbar. Der Berner hat bisher mit keinem seiner neuen Verteidigerkollegen die selbe Chemie entwickeln können. P.K. Subban, der im Tausch für Weber von Montreal nach Nashville kam, wurde den hohen Erwartungen bisher nicht gerecht. Mit Josi harmoniert der zum Exzentrischen neigende Subban überhaupt nicht. Sollte sich dies nicht bessern, dürften es die Predators schwer haben, in diesem Jahr die Playoffs zu erreichen.

Sven Bärtschi, Vancouver Canucks

8 Tore und 12 Assists in 35 Spielen: Das ist die gute Ausbeute von Stürmer Sven Bärtschi bei den Vancouver Canucks. Der 24-jährige Berner hat sich beim Traditionsteam an der kanadischen Westküste etabliert. Er spielt meistens in einer Linie mit dem jungen Bo Horvat und dem erfahrenen Alexandre Burrows. Bärtschi erhält von Coach Willie Desjardins relativ viel Eiszeit (im Schnitt über 15 Minuten pro Spiel) und steht auch im Power Play regelmässig im Einsatz.

Die Situation der Canucks ist aber schwierig. Die Mannschaft liegt in der unteren Tabellenhälfte und droht den Anschluss an die Playoffplätze zu verlieren. Zwar konnte sich das Team nach einer schwarzen Serie von neun Niederlagen in Folge im November wieder stabilisieren und besiegte zuletzt auch stärkere Gegner. Es fehlt aber an Konstanz. Dass es in der NHL nichts gratis gibt, bekam Sven Bärtschi Mitte Dezember zu spüren. Da setzte Coach Desjardins den Schweizer nach einigen Niederlagen für ein Spiel auf die Bank. Immerhin trug die Massnahme Früchte: Im Spiel darauf wurde er wieder eingesetzt – und erzielte gleich drei Scorerpunkte.

Bärtschi trifft im Spiel gegen Toronto. Quelle: Youtube

Mark Streit, Philadelphia Flyers.

Altmeister Mark Streit legte einen verblüffenden Start in die Saison hin. Der bereits 39-jährige Schweizer NHL-Pionier ist bei den Flyers eine Bank in der Defensive. Er steht nach wie vor fast 20 Minuten pro Spiel auf dem Eis und spielt eine wichtige Rolle im Powerplay. Die Leistungen von Streit (5 Tore und 11 Assists in 31 Spielen) sind nicht hoch genug einzuschätzen.

Leider verletzte er sich nach 31 Spielen an der Schulter. Allerdings ist die Verletzung nicht gravierend und der Berner wird wohl bald wieder mittun können. Was der Verteidiger-Dinosaurier, der bereits 747 NHL-Spiele in den Knochen hat, für das Schweizer Eishockey geleistet hat, wird man wohl erst realisieren, wenn er nicht mehr auf dem Eis steht. Wenn Streit so weitermacht, wird das – zum Glück – noch nicht so schnell der Fall sein.

Mark Streit trifft. Quelle: Youtube

Luca Sbisa, Vancouver Canucks

Der Teamkollege von Sven Bärtschi bei den Canucks imponiert diese Saison mit konstanten Leistungen und zwar in offensiver wie defensiver Hinsicht. Der 26-jährige Zuger hat die beste Plusminus-Bilanz seines Teams (+5, die meisten Anderen liegen im Minus). Sbisa bietet kaum Spektakel und wird daher von den Medien wenig beachtet. In Vancouver werden seine guten Leistungen aber durchaus registriert. Zuletzt spielte er sogar eine Rolle als Top2-Verteidiger. Er wurde also ins erste der insgesamt drei Verteidigerpaare befördert, die pro Spiel eingesetzt werden. Das bedeutet: viel Eiszeit und viel Verantwortung.

Luca Sbisa, manchmal ein Mann fürs Grobe bei den Canucks. Quelle: Youtube

Denis Malgin, Florida Panthers

Der 19-jährige Denis Malgin schlug bei den Panthers zu Beginn ein wie eine Bombe. Nachdem er im Oktober eher überraschend den «Cut» überstanden hatte, also nicht ins Farmteam geschickt wurde, drehte er in den ersten paar Spielen richtig auf. Er mauserte sich vom Lückenbüsser für verletzte Stammspieler zum Scorer und Power Play-Spieler.

Mittlerweile ist der Glanz aber etwas verloren gegangen. Malgin hat seinen letzten Scorerpunkt am 17. November verbucht. Zuletzt musste er bei den Panthers richtig «unten durch». Einige Spiele verfolgte er sogar unfreiwillig von der Tribüne aus. Zwar bekommt der Youngster immer wieder Chancen – doch die Tore wollen nicht mehr fallen. Das sollten sie aber. Sonst landet Malgin am Ende wieder im Farmteam.

Denis Malgins erstes NHL-Tor. Quelle: Youtube

Kevin Fiala, Nashville Predators

Die Bilanz des 20-jährigen Fiala in dieser Saison ist durchzogen. Auf der positiven Seite kann vermerkt werden, dass der St. Galler mittlerweile zum Stürmerstamm der Predators gehört und in jedem Spiel auf dem Eis steht. Zu Beginn der Saison war er noch zeitweise ins Farmteam geschickt worden. Dass er viel Talent und einen guten Torriecher hat, stellte Fiala auch bereits unter Beweis. Gleich in zwei Spielen verbuchte er jeweils zwei Treffer. Doch auch für Fiala gilt: Die NHL ist ein hartes Pflaster, geschenkt wird gar nichts. Die Chancen stehen aber gut, dass er sich zu einem wichtigen Offensivspieler mausern kann. Nashville ist dafür der richtige Ort. Junge Talente werden in dieser Organisation mit viel Geduld und Behutsamkeit gefördert.

Yannick Weber, Nashville Predators

Der 28-jährige Verteidiger aus Morges hat sich einen Stammplatz in der dritten Verteidigerreihe der Predators erkämpft: Schon das alleine ist als grosser Erfolg zu werten. Nachdem er in der letzten Saison bei den Vancouver Canucks ausgemustert worden war, hat ihm dies wohl kaum noch jemand zugetraut. Viele sahen seine NHL-Karriere als beendet an. Weber spielt in Nashville allerdings keine tragende Rolle. Er kommt im Durchschnitt auf 11 Minuten Eiszeit. Im Power Play kommt er praktisch gar nicht zum Einsatz. Das ist kaum befriedigend für einen Verteidiger wie Weber, der vornehmlich offensive Qualitäten hat.

Joel Vermin und Tanner Richard, Tampa Bay Lightning

Die Stürmer Vermin (24) und Richard (23) kamen diese Saison beide für einige Spiele zum Einsatz. Dies allerdings nur, weil bei Tampa Bay viele Stammspieler verletzt ausgefallen waren. Tanner Richard konnte bei seinen drei Einsätzen kaum Akzente setzen. Joel Vermin verbuchte im ersten Spiel zwei Assists und wurde mit relativ viel Eiszeit bedacht. Mittlerweile sind die beiden Schweizer aber wieder ins Farmteam relegiert worden. Neue Chancen dürften kommen.

Timo Meier und Mirco Müller, San Jose Sharks

Der Winterthurer Mirco Müller (21) wartet nach wie vor auf seinen ersten Einsatz bei den Sharks aus San Jose. Das Verteidiger-Talent muss sich in San Jose gegen eine starke Konkurrenz von etablierten Defensivspielern durchsetzen. Nicht einfach. Timo Meier wurde vor Kurzem vom Farmteam in die NHL geholt. Im ersten Spiel gelang ihm sogleich ein Treffer. Der 20-jährige Herisauer wird in der dritten Linie eingesetzt.

Timo Meiers erstes NHL-Tor. Quelle: Youtube

Sven Andrighetto, Montreal Canadiens

Andrighetto erlebt dieses Jahr eine frustrierende Saison in Montreal. Nachdem er sich nach starken Leistungen im letzten Jahr berechtigte Hoffnungen auf einen Stammplatz bei den Canadiens machen durfte, landet er nun mehr und mehr auf dem Abstellgleis. Die Canadiens schickten ihn zunächst in die Minor-League, wo er hervorragende Spiele zeigte. Dann durfte er wieder kurze Zeit nach Montreal, wurde dann aber durch eine Verletzung ausgebremst. Im letzten Spiel der Canadiens fungierte er als überzählig. Derzeit macht Andrighetto mehr wegen seiner Liaison mit einer kanadischen Ex-Miss auf sich aufmerksam, als mit starken Leistungen auf dem Eis.

Christoph Bertschy, Minnesota Wild

Center Christoph Bertschy (22) kam zu Beginn der Saison bei Minnesota zu einigen Einsätzen. Er konnte sich aber nicht etablieren. Mittlerweile spielt er im Farmteam. Anstelle von Bertschy hat ein anderer Center aus dem AHL-Farmteam der Wild, Tyler Graovac, die Gunst des Trainerstabes erworben.

Erstellt: 01.01.2017, 12:56 Uhr

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