Eishockey

Lakers distanzieren sich von antisemitischen Sprechchören

Ein Anhänger des Hockeyclubs Davos wirft den Lakers-Fans vor, an Spielen antisemitische Parolen zu skandieren. Club und Liga nehmen Stellung.

Machen nicht nur Freude: An den Auswärtsspielen der Lakers in Davos sollen die Fans laut eines Lesers antisemitische Äusserungen von sich gegeben haben.

Machen nicht nur Freude: An den Auswärtsspielen der Lakers in Davos sollen die Fans laut eines Lesers antisemitische Äusserungen von sich gegeben haben. Bild: Keystone

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Hat das Schweizer Eishockey ein Antisemitismusproblem? Diese Frage stellt sich Patrick Forster, Fan des Hockeyclubs Davos (HCD) und Mitglied der Ostkurve Davos: «Während der Heimspiele gegen die SC Rapperswil-Jona Lakers kam und kommt es regelmässig zu antisemitischen Sprechchören aus deren Gästefanblock», schreibt er der «Linth-Zeitung». Die Fans würden das Heimteam jeweils als «Judendavoser» beschimpfen. «Eine Durchsage des Stadionspeakers erfolgt nicht», beschwert sich Forster. Ein Grund für die «antisemitischen Grölereien» könnte seiner Meinung nach sein, dass Davos die jüdische Sommerhauptstadt Europas sei, die jährlich Hunderte orthodoxer Juden beherberge.

«Distanzieren uns entschieden»

Der Lakers-Mediensprecher René Schmid sagt, das Problem sei bekannt, erst vor wenigen Tagen habe er ein E-Mail des Schweizerisch-Israelitischen Gemeindebunds erhalten. Schmid stellt klar: «Wir distanzieren uns entschieden von jeglichen rassistischen, fremdenfeindlichen, radikalen und sexistischen Äusserungen.» Für die Heimspiele sei das Verbot solcher Äusserungen in der Stadionverordnung festgehalten.

«Der Fan-Delegierte hat uns versichert, dass die Sprechchöre vom offiziellen Fanclub nicht geduldet werden.»René Schmid, Lakers-Mediensprecher

Die Lakers hätten die Thematik bereits letztes Jahr mit dem Fan-Delegierten und dem «Capo» besprochen: «Als wir das erste Mal davon hörten, sprachen wir sie darauf an und sie versicherten uns, dass solcherlei Sprechchöre vom offiziellen Fanclub und vom Capo weder angefangen noch geduldet werden», sagt Schmid.

Letzter Vorfall im März

Auch auf der Geschäftsstelle der Swiss Ice Hockey Federation (SIHF) ist die Thematik bekannt. Allerdings liege der letzte mutmassliche Vorfall bereits eine Weile zurück: «Dieser hat sich vergangene Saison Ende März zugetragen», schreibt Manuela Hess, Leiterin der Kommunikation beim Verband, auf Anfrage. «Da weder verwertbare Video- noch Audioaufnahmen vorlagen, war eine abschliessende Klärung des Sachverhalts nicht möglich.»

«Können Personen identifiziert werden, werden Sanktionen im Sinne unserer Reglemente ausgesprochen.»Manuela Hess, Leiterin Kommunikation SIHF

Bei Gewalt gegen Personen und Sachen wie auch bei Verstössen gegen den Antirassismusartikel habe Swiss Ice Hockey eine Nulltoleranz. Entsprechende Vorfälle würden abgeklärt und gegebenenfalls ein Verfahren gegen einen fehlbaren Zuschauer beziehungsweise den Club als Veranstalter eröffnet. «Können Personen identifiziert werden, werden Sanktionen nach dem Reglement Ordnung und Sicherheit ausgesprochen.»

Die Clubs sind laut Hess darauf sensibilisiert, keine rassistischen Spruchbänder und Gesänge zu tolerieren und gegen solche vorzugehen. «Ein aktueller Vorfall ist weder uns noch den betroffenen Sicherheitschefs der Clubs bekannt», schreibt Hess weiter.

Vermutlich nur Einzelpersonen

Auch die Sportredaktoren der «Linth-Zeitung», welche regelmässig Auswärtsspiele der Lakers in Davos besuchen, sind sich einig: Die ganze Kurve mache bei solchen Sprechchören nicht mit. Es handelt sich also vermutlich um Einzelpersonen oder kleinere Gruppen. Bleibt zu hoffen, dass diese sich künftig auch in der Hitze des Gefechts im Griff haben und auf rassistische und antisemitische Gesänge oder Sprechchöre verzichten.

Erstellt: 12.11.2019, 14:38 Uhr

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