Eishockey

In 30 Minuten vom Spieler zum Headcoach

Michael Liniger erlebte bei den GCK Lions den wohl schnellsten Aufstieg im professionellen Schweizer Eishockey.

Michael Liniger vertritt bei den GCK Lions bis Ende Saison den zu ZSC Lions abberufenen Leo Schumacher als Headcoach.

Michael Liniger vertritt bei den GCK Lions bis Ende Saison den zu ZSC Lions abberufenen Leo Schumacher als Headcoach. Bild: Doris Fanconi

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Elf Monate arbeitete Michael Liniger auf sein Comeback als Spieler hin. Im Januar 2017 hatte er sich in einem Match der GCK Lions gegen Thurgau eine Knieverletzung zugezogen, die zuerst nicht allzu beunruhigend schien. Von einer Prellung war der inzwischen 38-jährige Center ausgegangen, bis der Arzt ihn eines anderen belehrte. Das abrupte Ende war gefährlich nahe. Doch Liniger, auf die Saison 2016/17 von Kloten in die Swiss League nach Küsnacht gekommen, meldete sich vor Weihnachten endlich zurück. Am 19. Dezember 2017 mit einem Tor und einem Assist gegen Thurgau, am 22. Dezember mit einem Assist in Visp.

Dann sorgte nicht ein Rückschlag, sondern der ZSC für seinen abrupten Abschied als Spieler. Denn die sportliche Krise des National-League-Vereins wirkte sich bis hinunter aufs Farmteam aus. Hans Kossmann kam als Nachfolger des schwedischen Duos Hans Wallson/Lars Johansson, aber er benötigte einen Assistenten. Leo Schumacher, Chefcoach der GCK Lions, rückte nach. Liniger, der auch wegen seiner Verletzung der Assistent Schumachers war, wurde angefragt, ob er Schumachers Nachfolger werden wolle. «Ich konnte eine Nacht darüber schlafen, doch ich habe mich schon nach 30 Minuten entschieden.»

Vom 0:4 zum 5:4

Vor Weihnachten war Liniger noch Teil des Teams auf dem Eis, nach den Festtagen war er der Chef an der Bande. Sein Helm und seine Ausrüstung sind nun in der Trainergarderobe platziert. Den noch immer vorhandenen «Spieltrieb» lebt der Coach in den Goalietrainings aus. «Da mache ich in voller Montur mit.» Liniger ist «angefressen» vom Eishockey. Die vier Tage in Davos, wo er im November eine Stage bei Arno Del Curto absolvieren durfte, waren «grossartig und absolut cool».

Bei den GCK Lions leitete er in seiner neuen Funktion zwei Trainings, ehe am 30. Dezember der erste Einsatz in der Meisterschaft anstand. Der Auftakt verhiess mit der Niederlage in Biasca gegen den Tabellenletzten nicht gerade viel Gutes im Kampf um einen Playoff-Platz. Und es ging weiter mit einem 0:3 nach 40 Minuten in Winterthur. «Ich hatte ein, zwei Dinge im taktischen Bereich geändert – und dann schien das völlig in die Hosen zu gehen.» Geschämt habe er sich, von der Mannschaft gefordert, im letzten Drittel wenigstens das zu spielen, was sie vorgehabt hätten. Kaum hatte der letzte Abschnitt begonnen, lagen die GCK Lions 0:4 zurück.

Was danach folgte, hat Liniger in gut 850 NLA-Partien und mehr als 100 NLB-Matches als Spieler noch nie erlebt: Seine Mannschaft machte aus dem 0:4 noch einen 5:4-Sieg nach Verlängerung. «Da hatte ich zwischendurch Hühnerhaut.» Mit einem Rumpfteam war er nach Winterthur gefahren, mit einem Rumpfteam (15 Feldspieler, 3 aus den Elite-Junioren) schlugen die GCK Lions Olten gleich 7:2. «Das war einmalig, so etwas kann man nicht immer erwarten.»

Am Dienstag gegen die EVZ Academy konnte Liniger aus dem Vollen schöpfen. Von den ZSC Lions standen ihm Goalie Niklas Schlegel, Jérome Bachofner, Mattia Hinterkircher oder Raphael Prassl zur Verfügung. Die GCK Lions mussten zwar ein 3:1 noch hergeben, aber sie gewannen in der Verlängerung 4:3. Drei Siege aus vier Partien – das ist eine höchst ansprechende Quote für den Headcoach mit der kürzesten Anlaufzeit. Noch drei Punkte liegen die GCK Lions hinter Platz 8. Obwohl Trainer Liniger der Spieler Liniger fehlt.

Der Karriereplanung voraus

«Lini» ist seiner Karriereplanung plötzlich einige Schritte voraus. Nach den zwei Jahren als Spieler (bis Frühling 2018) waren zwei Jahre als Assistent vorgesehen. «Doch ich muss meinen Rucksack noch mit vielen Erfahrungen füllen, ich will Schritt für Schritt gehen.» Läuft alles nach Plan, wird Schumacher auf die nächste Saison erneut Cheftrainer der GCK Lions. Und Liniger tritt wieder einen Schritt zurück. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.01.2018, 16:43 Uhr

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