Eishockey

«Ich bin kein Materialist»

Von Thurgau, dem Gegner von Freitag, stiess Rajan Sataric im Frühjahr 2014, kurz vor dem Abstieg, zu den Lakers. Dort entwickelte sich der 25-jährige Verteidiger stetig weiter. Der Lohn: Ein Vertrag über zwei Jahre beim EHC Biel, gültig ab kommender Saison.

Kaffee dient SCRJ-Verteidiger Rajan Sataric als Muntermacher – vor dem Sport, aber auch vor dem Lernen.

Kaffee dient SCRJ-Verteidiger Rajan Sataric als Muntermacher – vor dem Sport, aber auch vor dem Lernen. Bild: Silvano Umberg

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Sie haben sich einen Milchkaffee zubereitet. Was mögen Sie daran?
Rajan Sataric: Ich habe immer Milch zuhause. Von daher ist es naheliegend, den Kaffee so zu trinken. Kaffee dient mir als Muntermacher – vor dem Training, vor einem Match oder auch vor dem Lernen (Sataric hat Automatiker gelernt und absolviert seit Sommer 2016 die Berufsmatur im Selbststudium).

Was ist Ihr Lieblingsgetränk?
Im Training setze ich auf isotonische Getränke, ansonsten trinke ich fast nur Wasser. Und zwar bis zu fünf, sechs Liter pro Tag.

Weshalb so viel?
Dem Körper genügend Flüssigkeit zuzuführen, ist extrem wichtig. Ich ermüde weniger – physisch wie psychisch.

Was essen Sie gerne?
Seit meinem Trainingsaufenthalt in Kanada in diesem Sommer habe ich meine Ernährung stark umgestellt. Statt Pasta dienen Süsskartoffeln, brauner Reis oder Quinoa als Kohlenhydrat-Lieferanten – weil diese Kohlenhydrate länger Energie liefern. Dazu gibts Salat, Gemüse, Poulet, Lachs oder auch mal ein Rindsentrecote.

Was bringt Ihnen diese Ernährungsform?
Ich bin leistungsfähiger und erhole mich besser. Die wichtigste Mahlzeit ist das Frühstück, welches meist aus Spiegeleiern sowie einem Müesli mit Mandelmilch, Haferflocken und Früchten besteht. Für den Geschmack mische ich noch etwas Kakao dazu.

Gibt es weitere Dinge, die Sie als Sportler beachten?
Worauf ich auch extrem schaue, ist genügend und regelmässig Schlaf zu haben. In der Nacht sind es meist neun Stunden, an Spieltagen kommt ein Nap am Nachmittag hinzu.

«Zunächst wollte mein Vater aus mir ein Fussballer machen.»Rajan Sataric

Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Mein Gedächtnis ist schlecht in solchen Sachen. (lacht) Es dürfte die Fussball-WM 98 gewesen sein.

Wie sind Sie zum Eishockey gekommen?
Meinem Vater (ein serbischer Einwanderer; Red.) war wichtig, dass wir Kinder sportlich aktiv sind. (Sataric hat eine ältere und zwei jüngere Schwestern. Alle drei erhielten ein Volleyball-Stipendium in den USA. Die Älteste schloss ihr Studium vor zwei Jahren ab, die anderen beiden sind noch dran; Red.) Er förderte uns auch entsprechend, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Zunächst wollte er aus mir allerdings ein Fussballer machen. Das passte mir überhaupt nicht. Die Hockeyschule in Zuchwil sagte mir deutlich mehr zu. Über Bern gelangte ich dann zu Biel, wo ich zu ersten Einsätzen in der ersten Mannschaft kam. Via Basel und Thurgau landete ich schliesslich bei den Lakers.

Was fasziniert Sie am Eishockey?
Vieles, im Speziellen das Tempo, die Dynamik.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Ich hoffe, der kommt noch. (schmunzelt) Extrem schön und emotional war die Zeit unter Kevin Schläpfer bei Biels Novizen. Nach dem Aufstieg schafften wir es sogleich und unerwartet in den Playoff-Halbfinal.

Und welches war die grössteEnttäuschung?
Der Abstieg mit Rappi.

Mit welchen Erwartungen nehmen Sie das Heimspiel gegen Thurgau in Angriff?
Ich erwarte, dass wir eine Reaktion aus die Niederlage in Langenthal zeigen und während 60 Minute unser bestes Hockey abrufen.

Was lief am Dienstag falsch?
Wir spielten nicht genug geradlinig nach vorne. Dadurch brachten wir uns selber in Probleme.

Für seine guten Leistungen belohnt: Rajan Sataric unterschrieb beim EHC Biel einen Vertrag über zwei Jahre , gültig ab kommender Saison. Bild: Archiv Manuela Matt.

Insgesamt läuft es dem SCRJ bisher aber sehr gut. Wie beurteilen Sie die Chancen, das Saisonziel Aufstieg zu erreichen?
Die Chancen stehen gut, das Team wurde verstärkt und funktioniert. Aber man darf nicht zu weit voraus denken, sondern muss jeden Tag hart und konsequent arbeiten. Im Idealfall ist der Erfolg, der Aufstieg dann das Produkt davon.

Sie persönlich spielen unabhängig davon kommende Saison wieder im Oberhaus – vorausgesetzt Ihr neuer Arbeitgeber Biel kann sich dort halten und verliert nicht die Ligaqualifikation gegen die Lakers. (Zwinker)
(lacht laut) Das wäre kein schönes Szenario. Dennoch strebe ich natürlich mit aller Kraft den Aufstieg mit Rappi an.

Sie unterschrieben Anfang November einen Zweijahresvertrag beim EHC Biel. Wie kam es zum Transfer?
Die Bieler habe meine Karriere seit meinem Weggang stets verfolgt. Im Herbst bekundeten sie ihr Interesse. Und diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen. Denn es war immer mein Ziel, wieder in der höchsten Lia zu spielen.

Sie spielten bereits vergangene Saison gut, doch nun gelang Ihnen nochmals ein grosser Sprung. Ist das die Folge davon, dass Sie im Sommer erstmals in Kanada trainiert haben?
Das hat sicher damit zu tun. In Kanada wird Eishockey extrem geschätzt, der Stellenwert ist enorm. Da merkst du, wie privilegiert du bist als Hockeyspieler. Seither schätze ich meinen Beruf noch mehr und bin noch motivierter. Denn ich will so lange wie möglich Eishockey-Profi bleiben.

Gut informierte Quellen berichten, Sie hätten sich drüben bereits nach dem ersten Training übergeben müssen.
(lacht) Ja, dem war so – aber ich war nicht der einzige. Die haben dort eine andere Philosophie, setzen mehr auf Qualität statt Quantität, sprich Effizienz. Es wird kurz, aber extrem intensiv trainiert. Das war ich mir nicht gewohnt. Kommt hinzu, dass das erste Training ein Einzelabrieb war. Ich glaube, der Coach, Shawn Stead, hat das provoziert.

Werden Sie nun jeden Sommer in Kanada verbringen?
Das hängt vom Klub und Trainer ab. Jeff (Tomlinson, der SCRJ-Headcoach; Red.) begrüsst solche Sachen. Wenn es möglich ist, mache ich es wieder. Es war eine mega coole Erfahrung. Du bist zwei Monate in anderer Welt, trainierst auch mit NHL-Spielern.

Bereuen Sie es, nicht nach Kanada gegangen zu sein? Sie wären womöglich längst ein gestandener National-League-Spieler.
Bereuen nicht, nein. Es hat sich zuvor nie ergeben. Und bei den meisten Klubs wäre das gar nicht möglich. Nun kam es dazu, weil mich Jared Aulin (einer der beiden Kanadier in Diensten der Lakers; Red.) einlud. Er stammt aus der Nähe von Kelowna und mietet dort im Sommer jeweils eine Wohnung, hat ein Boot dort, mit dem wir nachmittags surfen gingen. Es ist sehr sonnig und heiss dort im Sommer.

Weg vom Eishockey: Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?
Mit einem Sänger… (überlegt) … mit Chris Martin (Leadsänger der Band Coldplay; Red.). Vor zehntausenden Leuten ein Konzert zu geben und sie mit seiner Musik zu berühren, muss ein unglaubliches Gefühl sein.

Welche Person bewundern Sie?
Da gibt es einige. Unter den Sportlern bewundere ich Cristiano Ronaldo für seine Arbeitsethik. Er ordnet alles dem Fussball unter. Im Eishockey ist Duncan Keith eins meiner Vorbilder. Unglaublich finde ich auch Patrick Kane, mit dem zusammen ich bei Biel während des Lockouts zwei Partien bestreiten durfte.

Ihr Lieblingssong?
«Kids» von MGMT.

Ihr Lieblingsfilm?
Gladiator.

Ihr Lieblingsbuch?
«Jetzt! Die Kraft der Gegenwart» von Eckhart Tolle. Es geht um Psychologie,um die Art, wie man denkt. Ich konnte viel für mich herausnehmen.

Ihr Lebensmotto?
Mach alles dafür, dass du glücklich bist.

Was macht Sie glücklich?
Dinge wie ein Spaziergang am See an einem schönen Sommerabend. Ich bin kein Materialist.

Was ist Ihr grösstes Laster?
Ich bin leider oft unpünktlich.

Was ärgert Sie?
Wenn mein WG-Mitbewohner (SCRJ-Stürmer Gianluca Zanzi; Red.) wieder einmal ein Parkhaus-Ticket verliert, wir dann 30 Franken für ein neues berappen müssen und ich wegen des Zeitverlusts zu spät zum Interview erscheine. (lacht)

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?
Ich behandle alle mit Respekt.

Was machen Sie in zehn Jahren?
Soweit denke ich nicht voraus – wenngleich ich einige Ideen im Kopf habe. Sofern es die Gesundheit zulässt, spiele ich wohl noch. Ich könnte mir auch vorstellen, einmal Coach zu werden. Ein Ziel ist auch, eine Familie zu gründen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 30.11.2017, 17:29 Uhr

Worum Geht's

Wie vor Wochenfrist bekommen es die Rapperswil-Jona Lakers am Freitag mit Thurgau zu tun – diesmal zuhause (19.45 Uhr). Gegen den Tabellenfünften ist vom Leader der Swiss League eine Reaktion auf die 3:4-Niederlage vom Dienstag in Langenthal gefordert. Die drei bisherigen Duelle in der laufenden Saison gegen die «Leuen» konnten die Rosenstädter alle für sich entscheiden. Auswärts siegten sie 3:0 und 5:1, dazwischen zuhause mit 4:3 nach Penaltyschiessen. Am Sonntag reisen die Lakers dann nach Küsnacht zum Derby gegen die GCK Lions (15.45 Uhr).(su)

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