Eishockey

«Hätte gerne JFK getroffen»

Seit Herbst 2015 wirkt Robin Farkas als Assistent von Trainer Jeff Tomlinson beim SCRJ. Der 50-jährige Kanadier ist der Sohn von Immigranten aus Kroatien, ehemaliger Bauunternehmer und Vater von drei erwachsenen Kindern.

Der stille Schaffer im Hintergrund: Assistenzcoach Robin Farkas hat wesentlichen Anteil daran, dass die Lakers-Defensive aktuell so stabil ist.

Der stille Schaffer im Hintergrund: Assistenzcoach Robin Farkas hat wesentlichen Anteil daran, dass die Lakers-Defensive aktuell so stabil ist. Bild: Silvano Umberg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie haben einen Café crème bestellt. Was mögen Sie daran?
Robin Farkas: Er ist Muntermacher und Genussmittel. Morgens kann ich nicht sein ohne Kaffee. Meist trinke ich schon zwei bis drei Tassen, bevor ich ins Stadion gehe.

Was ist Ihr Lieblingsgetränk?
S.Pellegrino Mineralwasser.

Und was essen Sie gerne?
Am liebsten Wiener Schnitzel.

Nicht gerade typisch kanadisch.
Es ist eine Spezialität meiner Mutter. Sie ist aber nicht Österreicherin, sondern Kroatin – was zumindest erklärt, wieso sie eher der europäischen Küche zugeneigt ist. (schmunzelt)

Wie steht es um Ihre Kochkünste?
Ich koche gern und so oft es die Zeit zulässt. Momentan sind ungarische Gerichte wie Gulasch oder Poulet mit Paprika hoch im Kurs. In Nordamerika schmeisse ich dagegen eher den Grill an.

Laden Sie manchmal Gäste ein?
Selten. Mit Besuch gehe ich meist auswärts essen. Aber Jeff kommt ab und zu vorbei. Und wenn meine Kinder (zwei Söhne und eine Tochter im Alter zwischen 18 und 22 Jahren, von deren Mutter Farkas getrennt lebt; Red.) da sind, bekoche ich sie auch ab und zu.

Fühlen Sie sich nach gut zwei Jahren schon etwas heimisch am Obersee?
Ja, schon. Es gefällt mir sehr gut und ich fühle mich sehr wohl. Die Gegend ist wunderschön und ich mag das Ländliche. In Nordamerika lebte ich vorwiegend in grossen oder grösseren Städten, in Toronto, Pittsburgh und zuletzt Raleigh. Da ging es viel hektischer zu und her. Auch was den Sport angeht, gefällt es mir in der Schweiz sehr gut. Eishockey hat einen hohen Stellenwert und der Stil ist dem kanadischen recht ähnlich.

Wie sind Sie einst zum Eishockey gekommen?
Durch meine Heimatstadt. Auch mein Vater ist kroatischer Einwanderer, hatte deshalb keinen grossen Bezug zum Eishockey. In Toronto ist der kanadische Nationalsport aber omnipräsent. Als circa Fünfjähriger begann ich in Parks mit anderen Kindern zu spielen. Ich war sofort begeistert und träumte von einer Profikarriere. Als 17-Jähriger erlitt ich dann aber eine schwere Rückenverletzung und musste aufhören.

«Was in der US-Politik zurzeit abgeht, bereitet mir Sorgen.»Robin Farkas

Was ist passiert?
Ich knallte unglücklich gegen die Bande. Dabei verschoben sich einige Wirbel, sodass die Nervenbahnen beschädigt wurden. Die Folge waren Lähmungserscheinungen in einem Bein und Fuss.

Leiden Sie noch heute darunter?
Ich muss seither den Fuss beim Gehen quasi aktiv anheben. Zudem zwickt es noch ab und zu im Bein oder Rücken. Letzteres ist wohl aber eher auf das Alter zurückzuführen. (schmunzelt)

Was kam nach der Verletzung?
Nicht mehr Eishockey spielen zu können, war ein harter Schlag. Da brauchte ich zunächst Abstand. Einige Jahre später begann ich nebenbei etwas zu coachen. So richtig gepackt hat es mich jedoch erst, als mein ältester Sohn mit Eishockey begann. Zwei Jahre später hatte ich einen Trainerjob und durfte das Ausbildungsprogramm von Hockey Canada absolvieren. 1997 gründete ich dann aber eine eigene Firma, baute Häuser. Zehn Jahre später bedeutete die Immobilienkrise das Aus – worauf ich mich wieder dem Eishockey zuwendete.

Wann und wo lernten Sie dann Jeff Tomlinson kennen?
Das war Anfang der 90er-Jahre in Raleigh. Er spielte da in einer Minor League und ich coachte im Nachwuchsbereich. Später kreuzten sich unsere Wege immer wieder bei der alljährlichen Coaches Conference der NHL.

Wie sieht die Aufgabenteilung zwischen Ihnen beiden aus?
Jeff bringt mir sehr viel Vertrauen entgegen. Wir arbeiten als Team, auf Augenhöhe. Nicht viele Headcoaches handhaben das so. Die Hauptverantwortung trage ich in den Bereichen Defensive und Powerplay.

Im Nachwuchsbereich waren Sie bereits Headcoach. Reizt es Sie nicht, auch bei den Profis Karriere als solcher zu machen?
Doch, definitiv. Ich will mich stets weiterentwickeln. Insofern ist das für mich der logische nächste Schritt. Der Zeitpunkt wird sich weisen. Vorerst haben Jeff und ich mit den Lakers einiges vor.

Ihr Team ist aktuell sehr gut unterwegs. Augenfällig ist vor allem die Steigerung in der Defensive – also in Ihrem Verantwortungsbereich. Worauf führen Sie dies zurück?
Es sind mehrere Faktoren. Melvin Nyffeler (der statistisch beste Goalie der Liga; Red.) war diesmal von Anfang an dabei. Der Eishockey-IQ im Team ist höher. Zudem bilden die Spieler eine noch verschworenere Einheit. Nicht zuletzt haben wir auch intensiv am System und den Details gefeilt. Es gelingt uns immer besser, dem puckführenden Gegenspieler die Optionen «wegzunehmen».

Haben die Lakers diesmal das Zeug zum Aufstieg?
Ich bin überzeugt davon. Der Weg ist aber noch weit. Wir müssen uns auf das Hier und Jetzt konzentrieren, uns täglich verbessern. Denn die Konkurrenz schläft nicht.

Als nächster Gegner warten die GCK Lions. Alles andere als ein klarer Sieg wäre eine Enttäuschung, oder?
Natürlich wollen und sollten wir diese Partie gewinnen. Aber erstens: Diese Farmteams haben sehr talentiert, gut ausgebildete Spieler in ihren Reihen. Und zweitens: Bei Duellen gegen vermeintlich schwächere Teams besteht immer etwas die Gefahr, den Gegner zu unterschätzen. Das sollte nicht passieren, logisch, und wir kämpfen auch mit aller Kraft dagegen an, es ist letztlich aber menschlich.

Zurück zu Ihnen: Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Es gab viele schöne – speziell in den nun gut zwei Jahren bei den Lakers. Aber das Beste kommt hoffentlich noch.

Und welches war die grösste Enttäuschung?
Die Niederlage im alles entscheidenden siebten Finalspiel gegen Langenthal dieses Frühjahr. Das war ein Drama, extrem bitter.

Was unternehmen Sie in Ihrer Freizeit?
Ich lese viel – über Geschichte, über grosse Persönlichkeiten. Ich schaue aber auch gern Sport, oft Eishockey oder Fussball, aber auch anderes. Zudem verfolge ich interessiert die politische Debatte in den USA. Und was da zurzeit abgeht, bereitet mir Sorgen.

Wann und wo verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?
Ich habe vor, im kommenden Sommer nach Südfrankreich zu reisen. Das steht schon lange auf meiner «bucket list» (Wunschliste; Red.) – wegen der Landschaft, der Geschichte, Kultur, Architektur und auch der Küche.

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?
Mit einem 20 Jahre jüngeren. (schmunzelt und fasst sich an den Rücken) Lieber als mit jemandem tauschen, würde ich jedoch jemanden treffen, eine wichtige Person aus der Geschichte, zum Beispiel John F. Kennedy. Ja, JFK hätte ich gerne getroffen.

Welche Person bewundern Sie?
Einerseits meinen Vater: Er kam wie erwähnt als Immigrant nach Kanada, arbeite zunächst im Stahlwerk, baute später eine eigene Firma auf und verkaufte diese schliesslich für gutes Geld. Andererseits meinen Schwiegervater, der leider vor fünf Jahren verstorben ist. Er war ein guter Mensch, ein moralisches Vorbild.

Ihr Lieblingssong?
«Like a Song» von U2.

Ihr Lieblingsfilm?
Der Soldat James Ryan.

Ihr Lieblingsbuch?
Die Biografie «Truman» von David McCullough.

Ihr Lebensmotto?
Sei nett zu allen.

Was ist Ihr grösstes Laster?
Ich liebe Süssigkeiten.

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?
Ich bin ein guter Kommunikator.

Was macht Sie glücklich?
Friede, Freiheit, Erfüllung.

Was ärgert Sie?
Arroganz, Vorverurteilung, Ungerechtigkeit. Und manchmal die Entscheide der Schieds- und Linienrichter (lacht) Ich bin allerdings schon viel ruhiger geworden auf der Bank.

Was ist Ihnen wichtig im Leben?
Dass meine Kinder gesund und zufrieden sind.

Was machen Sie in zehn Jahren?
Coachen, denn ich liebe Eishockey und es zu lehren. Ob ich das als Head- oder Assistenzcoach tue, ist eher zweitrangig. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.11.2017, 17:38 Uhr

Worum Gehts?

Nach 15 Tagen Meisterschaftspause gilt es für die Rapperswil-Jona Lakers am Freitag wieder ernst. Der souveräne Leader der Swiss League empfängt die achtplatzierten GCK Lions, welche bereits am Dienstag wieder in den Spielbetrieb einstiegen – mit einer 0:6-Heimschlappe gegen Ajoie (4.). Es ist das zweite Saisonduell zwischen den beiden Teams (das erste gewannen die Lakers auswärts 7:0) und das insgesamt elfte seit dem Abstieg der Rosenstädter aus der höchsten Liga. Die Bilanz steht bei 10:0 Siegen und 29:1 Punkten zugunsten der Lakers. (su)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben