Eishockey

Gegenwart macht den Lakers Mut

Ab heute gilt es für Rapperswil-Jona wieder ernst. Mit einem Heimspiel starten die Rosenstädter in die Halbfinal-Serie gegen Ajoie – ein Gegner, der es in sich hat.

Ein Sieg, der Mut macht: Im Cup-Halbfinal bezwangen die Lakers zu Hause Ajoie 4:0. Jubeln wollen sie nun auch im Playoff-Halbfinal.

Ein Sieg, der Mut macht: Im Cup-Halbfinal bezwangen die Lakers zu Hause Ajoie 4:0. Jubeln wollen sie nun auch im Playoff-Halbfinal. Bild: Thomas Oswald Fotografie

Nach Papierform sind die Lakers in diesem Duell klar zu favori­sieren. Immerhin ergatterten sie in der Qualifikation sage und schreibe 28 Zähler mehr als die Jurassier, welche als Tabellenfünfte ins Playoff stiegen.

Ajoie gilt jedoch als Stimmungsmannschaft. Nimmt die Equipe von Headcoach Gary Shee­han einmal Fahrt auf, ist sie nurmehr schwer zu stoppen. Kaum jemand weiss das besser als die St. Galler selber. Sie waren in der Saison 2015/16, ihrer ersten nach dem Abstieg aus dem Oberhaus, das letzte Opfer der Ajoulots auf dem Weg zu deren zweitem NLB-Meistertitel nach 1992. Wie heuer hatte Ajoie damals die Qualifikation auf dem fünften Rang abgeschlossen.

Vorteile in der Breite

Ein schlechtes Omen? Nicht für Jeff Tomlinson. «Die Teams von damals und heute lassen sich nicht mehr miteinander vergleichen», begründet der SCRJ-Head­coach. Selbst als er sich vergangene Woche die ersten beiden Duelle der laufenden Saison nochmals angeschaut habe, habe er seine Mannschaft kaum wiedererkannt. «Wir sind seither viel besser geworden», betont der 47-Jährige, der in seiner dritten Saison beim Klub vom Obersee steht.

Ein entscheidender Vorteil der aktuellen Lakers gegenüber jenen von 2016 ist, dass sie über eine ganz andere Breite im Kader verfügen. Liefen sie damals wegen Verletzungen auf dem Zahnfleisch, sind sie nun frisch und – einmal abgesehen von Michael Hügli, der wegen eines Tritts von hinten in die Füsse (Slew Footing) im vierten Spiel der Viertelfinal-Serie gegen die EVZ Academy für eine Partie gesperrt wurde – vollzählig.

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Raum und Zeit wegnehmen

Bis auf eine Ausnahme (Thomas Devesvres/verletzt) komplett nehmen auch die Jurassier diese Halbfinal-Serie in Angriff, von einer Breite, wie die Lakers sie haben, können sie aber nur träumen. Ihr Spiel ist stark von einigen wenigen Akteuren abhängig, insbesondere von den beiden Kanadiern Jonathan Hazen und Philip-Michael Devos. In der ersten Saison schoss das Duo Ajoie sogleich zum Meistertitel, spielte dabei auch die Lakers mehrfach schwindlig. Und auch in der 4:1 gewonnenen Viertelfinal-Serie gegen La Chaux-de-Fonds zeichneten sie für knapp 30 Prozent der Treffer verantwortlich. «Devos und Hazen sind sicher sehr gefährlich; ich glaube aber, dass wir mittlerweile wissen, wie wir ihre Kreise erfolgreich stören können», sagt Tomlinson dazu. Das Rezept laute, ihnen Raum und Zeit wegzunehmen.

«Wir müssen nahe dran sein, auf den Körper spielen, es ihnen ungemütlich machen», präzisiert der Head­coach und verweist auf die letzten drei Heimspiele gegen die Ajoulots. Die Leistung beim 4:0-Sieg im Cup-Halbfinal sei heraus­ragend gewesen und mache viel Mut. Aber auch die beiden Heimauftritte in der Meisterschaft (4:1 und 1:2 nach Penaltys) seien sehr solid gewesen. «Die Niederlage im letzten Duell war unglücklich. Wir hatten die Partie im Griff, Ajoie kam im Powerplay glückhaft zum Ausgleich – und ein Penaltyschiessen ist dann immer­ etwas eine Lotterie.»

Dass Tomlinson vor allem die Heimspiele gegen Ajoie anspricht, kommt nicht von ungefähr, sondern hat damit zu tun, dass die Jurassier in der heimischen Patinoire Voyeboeuf jeweils noch schwieriger zu bezwingen sind – speziell im Playoff, wenn die Halle einem Hexenkessel gleicht. «Die Fans sind sehr laut und extrem nahe am Spielfeld. Das scheint die Spieler speziell zu motivieren und zuweilen auch die Schiedsrichter zu beeinflussen», erklärt Tomlinson, der entsprechend froh ist, den Heimvorteil in dieser Serie aufseiten seiner Equipe zu wissen.

Die Lakers spielten bisher zehnmal im Jura – und konnten nur dreimal gewinnen. Allerdings: In der vergangenen und laufenden Meisterschaft ist ihre Bilanz in Pruntrut ausgeglichen (je ein Sieg und eine Niederlage) – während sie in Ajoies Meistersaison noch 1:5 gelautet hatte. Auch da scheinen die St. Galler mittler­weile das Erfolgsrezept gefunden zu haben. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.03.2018, 10:25 Uhr

Nachgefragt

«Wer solider verteidigt, gewinnt»

Das Halbfinal-Duell zwischen den Lakers und Ajoie ist die Neu­auflage des Finals von 2015. Wie präsent ist diese mit 2:4 Siegen verlorene Serie noch?
Leandro Profico: Klar erinnere ich mich noch daran. Viel präsenter sind mir allerdings die Duelle der aktuellen Saison. Und daran habe ich positive Erinnerungen – nicht zuletzt wegen des gewonnenen Cup-Halbfinals (4:0; Red.).

Ajoie verfügt mit Hazen und Devos über das beste Ausländer-Duo der Liga. Müssen Sie als Verteidiger vor allem auf die zwei Kanadier schauen?
Natürlich muss man Hazen und Devos im Auge behalten, sie eng markieren. Sich zu sehr auf sie zu fokussieren, wäre aber gefährlich. Ajoie hat mit Fuhrer, Schmidt oder auch Schmutz weitere sehr gute Stürmer.

Obwohl beide Teams über starke Offensiven verfügen, waren die letzten Duelle vor allem von der Defensive geprägt. Was für eine Serie erwarten Sie?
Eine hart umkämpfte. Das Motto wird nicht «Defense first» lauten. Allerdings glaube ich: Wer solider verteidigt, gewinnt. Und ganz sicher müssen wir verhindern, dass Ajoie in einen Flow kommt.

Zwischen dem letzten Viertel­final- und dem ersten Halb­final-Spiel der Lakers liegen 10 Tage. Schätzten Sie diese lange Pause?
Von mir aus hätte sie etwas kürzer ausfallen dürfen. Man verliert schon etwas den Rhythmus. Doch auch Ajoies letzter Match liegt nicht viel weniger weit zurück. Ich denke, die Situation ist für beide Teams in etwa dieselbe.

Leandro Profico (28) verteidigte zum Ende der Saison 2013/14 erstmals für die Lakers, seit 2015 ist er fix bei den Rosenstädtern unter Vertrag.

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