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Für das Coming-out opferte er seine Karriere

Janne Puhakka (25) wollte sich als erster Profi in seiner Heimat outen. Heute steht der Finne zu seiner Homosexualität – doch Eishockey spielt er nicht mehr.

Früher Rücktritt: Janne Puhakka befürchtete, mit jedem weiteren Profijahr würde sich sein Schweigen verlängern. (Bild: Getty)
Früher Rücktritt: Janne Puhakka befürchtete, mit jedem weiteren Profijahr würde sich sein Schweigen verlängern. (Bild: Getty)

Er wollte es machen wie Curdin Orlik. Weiterhin Spitzensport betreiben, aber im Kopf endlich frei sein. Vor den anderen nicht mehr verdrängen und verstecken, was er ist, wie er fühlt. Sondern einfach sein, wie er ist.

Orlik hat sich als erster aktiver Spitzensportler in der Schweiz geoutet. Janne Puhakka hätte der erste Eishockeyprofi in Finnland sein wollen, der offen und öffentlich über seine Liebe zu Männern spricht.

Im Februar wurde Puhakka 25 Jahre alt. Er studiert an der Universität, arbeitet nebenbei für den Sportausrüstungshersteller Amer Sports. Seine besten Jahre als Eishockeyprofi stünden ihm bevor. Doch Puhakka spielt nicht mehr. Er hat seine Karriere beendet – damit er endlich offen über seine Homosexualität sprechen kann. «Ich wollte mich früher outen, aber ich konnte nicht», sagt Puhakka. «Weil ich mental blockiert war, Angst hatte vor den Reaktionen – und vor der Wahrscheinlichkeit, dass sich durch das Coming-out für meine Zukunft als Eishockeyprofi einige Türen geschlossen hätten.»

«Danach gab es nie mehr ein Wort darüber»

Homosexuelle Outings sind im Männersport noch immer eine Ausnahme. Und die allerwenigsten trauen sich, während der Aktivzeit öffentlich darüber zu sprechen, wie das jüngst der Schwinger Orlik getan hat – oder vor einem halben Jahr der dänische Eishockey-Torhüter Jon Lee-Olsen. Nach Olsens Outing titelte die Bild-Zeitung: «ER ist der einzige offen schwule Eishockeyspieler.» Und schuf allein mit zwei aufeinanderfolgenden Grossbuchstaben einen Pranger.

Gar mit immenser Tragik verbunden ist das Schicksal Peter Karlssons: Der schwedische Eishockeyprofi outete sich während seiner Aktivzeit und wurde 1995 als 29-Jähriger in Västeras von einem homophoben Täter erstochen.

Eishockey gilt wie Fussball und Schwingen als ausgeprägter Männersport. Puhakka sagt, im Sport generell und im Eishockey speziell fehle die Erfahrung im Umgang mit der Situation, einen schwulen Teamkollegen zu haben – weil sich kaum einer offen zu seiner Homosexualität bekennt. «Als einem der wenigen habe ich es unserem Captain bei Espoo erzählt. Er sagte, er freue sich für mich. Danach gab es kein Wort mehr darüber. Was für mich absolut okay war. Aber noch sind wir weit davon entfernt, dass jeder Spieler in der Garderobe er selbst sein kann.»

Puhakka durchlief in seiner Heimat Espoo sämtliche Nachwuchsstufen. Er spielte für den Club in der höchsten finnischen Liga, bestritt zwei Saisons im kanadischen Junioreneishockey, ein Jahr in Frankreich bei Gap. Danach war Schluss. Weil er befürchtete, mit jedem weiteren Profijahr würde sich sein Schweigen verlängern. «Hätte ich mich geoutet, wäre die Fortsetzung der Karriere zum Beispiel im Norden Europas denkbar gewesen», sagt Puhakka. «Aber was, wenn mich später die russische Liga gereizt hätte: Denken Sie, das wäre für mich dort easy geworden?» Er sei kein überragender Spieler gewesen. «Vielleicht fehlte mir auch deshalb der Tick Überzeugung, mich als homosexueller Profi zu behaupten.» Also schloss er die Türen gleich selbst.

Puhakka möchte mit seiner Geschichte andere ermutigen, offen über ihre Homosexualität zu sprechen, ohne ihre sportlichen Ziele zu opfern. Und vielleicht kontaktiere ihn ja ein Eishockeyspieler, «der in derselben Situation ist, wie ich es war».

Vier Monate nach Puhakkas Outing hat sich noch keiner gemeldet.

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