Eishockey

Favoritenduell ohne Favorit

Mit den SCRJ Lakers und Olten duellieren sich im Final der Swiss League ab Donnerstag die meist genannten Titelfavoriten. Für keine der beiden Equipen sind eindeutige Vorteile auszumachen.

Ein Kampf auf Biegen und Brechen: Wie in den Qualifikationsduellen (je zwei Siege) dürfte Olten die Lakers auch im Final enorm fordern.

Ein Kampf auf Biegen und Brechen: Wie in den Qualifikationsduellen (je zwei Siege) dürfte Olten die Lakers auch im Final enorm fordern. Bild: Thomas Oswald

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vergleicht man die elf Klubs der zweithöchsten Liga, so ist es das logische Finalduell. Die Rapperswil-Jona Lakers und der EHC Olten sind die Organisationen mit den grössten finanziellen Möglichkeiten, dem besten Kader – wobei die Rosenstädter in der Defensive Vorteile haben dürften, die Solothurner dagegen in der Offensive – und auch den grössten Ambitionen.

Die St. Galler formulierten bereits letzte Saison den Aufstieg als klares Ziel. Und die Oltner reichten das Gesuch zur allfälligen Teilnahme an der Ligaqualifikation auch nicht nur pro forma ein. Die «Power-Mäuse» sehen ihre Zukunft im Oberhaus, dem sie letztmals in der Saison 1993/94 angehörten, und arbeiten daran, sowohl auf wie neben dem Eis die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Mit Bartolone kam der Erfolg

Bei Betrachtung der Gesamtsituation ist die diesjährige Finalpaarung also keine Überraschung. Allerdings: Noch Anfang Februar hätten wohl die wenigsten damit gerechnet. Wegen der Oltner. Nachdem sie sich davor mehr schlecht als recht durch die Qualifikation gekämpft hatten, rutschten sie da definitiv in die Krise. Nach aufeinanderfolgenden 0:2-Niederlagen gegen Ajoie und die GCK Lions zog der Verwaltungsrat die Notbremse und stellte Headcoach Bengt-Ake Gustafsson frei.

Eine Massnahme, die fruchtete. Unter Chris Bartolone, der zuvor Assistent des Schweden war, ging es aufwärts. Der Italo-Amerikaner zog die Schraube an, setzte eine klare Hierarchie durch und stabilisierte die Defensive. Mit dem Erfolg stieg das Selbstvertrauen, der Glaube in die eigenen Fähigkeiten und daran, etwas erreichen zu können. Dies schweisste die zuvor als Einzelkämpfer auftretenden Spieler derart zusammen, dass Olten nun als das eingeschätzt werden muss, was es eigentlich schon zu Beginn der Saison war: Ein ernsthafter Aufstiegskandidat.

Die Art und Weise, wie die Solothurner in den Final marschierten, unterstreicht diesen Eindruck. Der mit 4:2 Siegen gewonnene Viertelfinal gegen ein starkes Thurgau glich noch etwas einer Achterbahnfahrt, wobei die Oltner in den entscheidenden Momenten zur Stelle waren. Vorzügliche Winnerqualitäten bewies der Qualifikations-Dritte dann im Halbfinal gegen Titelverteidiger Langenthal (2.), wo er sich in fünf Partien durchsetzte und drei der vier Siege in der Verlängerung einfuhr.

Für eine vergrösserte Ansicht auf die Grafik klicken.

Zwei Teams auf Augenhöhe

Die positive Entwicklung des Finalgegners überrascht Lakers-Trainer Jeff Tomlinson nicht. «Die Situation erinnert mich an unsere in der vergangenen Saison. Da spielten wir auch keine überzeugende Qualifikation, im Playoff fügten sich die Puzzleteile dann aber zusammen.» Entsprechend erwartet der Deutschkanadier ein Duell auf Augenhöhe. «Ich sehe für keines der beiden Teams Vorteile. Vieles wird von der Tagesform abhängen und davon, wie die Serie beginnt.»

Als Qualifikationssieger können die Rosenstädter zuhause in die Finalserie starten und auch ein allfälliges entscheidendes siebtes Spiel würde am Obersee stattfinden. Ob dies ein Vor- oder Nachteil ist, wird sich weisen. In den vier Direktduellen der beiden Equipen in der Qualifikation setzte sich stets das Auswärtsteam durch. Zudem holte Olten im laufenden Playoff fünf seiner acht Siege in fremder Halle. Auf der anderen Seite haben die Lakers auf dem Weg zur dritten Finalteilnahme in Folge weder im Viertel- (4:0 Siege gegen die EVZ Academy) noch Halbfinal (4:2 gegen Ajoie) ein Heimspiel verloren. Deshalb prognostiziert Tomlinson: «Ich glaube nicht, dass sich das mit den Auswärtssiegen im Final so wiederholen wird.» Zu souverän seien sie zuletzt zuhause vor den «fantastischen Fans» aufgetreten.

«Wir brauchen die Fans»

Apropos Fans: Es ist davon auszugehen, dass es eine sehr stimmungsvolle Finalserie werden wird. Die Oltner wissen traditionell eine grosse Fangemeinde hinter sich – in den bisherigen Playoff-Heimspielen waren im Schnitt über 5100 Zuschauer im Stadion Kleinholz –, und nun, da es um den Meistertitel geht, dürfte auch die SGKB-Arena in Rapperswil-Jona besser gefüllt sein, nachdem der Aufmarsch (2982 Zuschauer im Schnitt im Playoff) bisher eher enttäuschend war.

«Ich hoffe sehr, dass die Halle gut gefüllt sein wird», sagt Tomlinson, «wir brauchen die Unterstützung der Fans.» Was diese bewirken könne, habe man im Cup gesehen (der SCRJ bodigte auf dem Weg zum Titel auf heimischem Eis mit Lugano, Zug und im Final Davos drei Oberklassige). «Man hört oft, dass das Publikum der sechste Mann sein kann. Dem ist wirklich so.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.03.2018, 15:02 Uhr

Nachgefragt

«Erwarte extrem umkämpfte Spiele»

Wie sich herausgestellt hat, sind Sie der Schlüsselspieler bei den Lakers in diesem Playoff. Die einzigen zwei Niederlagen resultierten in jenen beiden Partien, bei denen Sie fehlten.
Corsin Casutt: (schmunzelt) Das war eher Zufall. Ajoie auswärts zu bezwingen, ist enorm schwierig. Das hat sich auch im letzten Spiel wieder gezeigt. Wir hatten auch das nötige Quäntchen Glück.

Den zweiten Auswärtsmatch in Pruntrut verpassten Sie wegen der Geburt Ihres ersten Kindes. Weshalb fehlten Sie im ersten?
In der Partie davor kassierte ich einen Check gegen den Kopf. Ich hatte Beschwerden, fühlte mich nicht gut. Deshalb beschlossen wir, dass es besser ist, wenn ich ein Spiel auslasse. Mittlerweile erinnert aber nur noch ein Bluterguss (unter dem linken Auge; Red.) daran.

Und wie lief die Geburt? Sind Mutter und Sohn Leano wohlauf?
Ja, ihnen geht es gut, alles lief bestens. Wir sind überglücklich und nun freue ich mich extrem darauf, dass die beiden nach Hause kommen.

Freuen dürften Sie sich auch über den Finaleinzug. Sind Sie überrascht, dass der Gegner Olten heisst?
Nein, überhaupt nicht. Olten hat eine sehr gute, sehr ausgeglichen besetzte Mannschaft, die hart und mittlerweile auch solid spielt. Ich erwarte extrem umkämpfte Spiele.

Wo liegt der Schlüssel zum Erfolg für die Lakers?
Jede unserer vier Linien muss einen super Job machen – weil eben Olten, anders als beispielsweise Ajoie oder Langenthal, ebenfalls über vier starke Linien verfügt. Entscheidend wird auch sein, sich von der Strafbank fernzuhalten – etwas, das uns gegen Ajoie vor allem in den Auswärtsspielen nicht gelungen ist. In der Finalserie müssen wir uns sicher besser unter Kontrolle haben.

Auch bezüglich Powerplay gibt es Steigerungspotenzial. Gegen Ajoie wirkte das Überzahlspiel oft statisch und die Erfolgsquote betrug lediglich 13,64 Prozent.
Klar hätten wir das eine oder andere Tor mehr erzielen müssen. Doch grundsätzlich können wir mit unserem Powerplay zufrieden sein. Die Chancen waren da – obwohl Ajoie im Boxplay einen super Job machte und uns dazu zwang, unser Spiel umzustellen.

Ihr Tipp für die Serie?
Wie viele Spiele es gibt, ist mir eigentlich egal. Wichtig ist einzig, dass wir uns durchsetzen. (su)

Corsin Casutt (33) wechselte auf die Saison 2016/17 hin vom EHC Kloten zu den Lakers und etablierte sich seither als produktivster Schweizer Stürmer der Rosenstädter.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!