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Ex-ZSC-Coach gibt Übergriffe zu, bereut und rettet seinen Job

Marc Crawford legt ein bemerkenswertes Schuldeingeständnis ab und darf in Chicago bleiben. Seit 2010 geht er in Therapie, er möchte mit seinen Opfern in Dialog treten.

Gibt sich einsichtig: Marc Crawford.
Gibt sich einsichtig: Marc Crawford.
Keystone

Marc Crawford hat die Kurve gerade nochmals gekriegt. Der 58-Jährige, der von 2012 bis 2016 die ZSC Lions coachte, wurde Anfang Dezember bei Chicago als Assistenzcoach suspendiert, weil Missbrauchsvorwürfe gegen ihn erhoben worden waren. Diese stammen mehrheitlich aus seiner Zeit bei Los Angeles (2006 bis 08) und gehen bis zu tätlichen Übergriffen gegenüber Spielern. Er trat mehrere von ihnen auf der Bank in Rage in den Rücken.

Derweil die Anschuldigungen untersucht wurden, durfte sich der Kanadier nicht äussern. Nun ist die Untersuchung abgeschlossen, und Crawford darf tatsächlich per Anfang Januar 2020 wieder hinter die Bank der Blackhawks stehen. Sein früheres Verhalten werde nicht gutgeheissen, lässt der Club in einem Statement verlauten. Aber Crawford gehe seit 2010 in Therapie, um seine Emotionen zu kontrollieren, und habe aus seinen Fehlern gelernt. Und in Chicago, wo er erst seit dieser Saison coacht, seien keine Übergriffe passiert.

Bemerkenswert ist das umfassende Schuldeingeständnis des Coaches, der zu Wutausbrüchen neigt. So schreibt er: «Ich habe zu inakzeptablen Worten und Taten gegriffen in der Hoffnung, die Spieler zu motivieren, und bin manchmal zu weit gegangen. Ich bedaure mein Verhalten zutiefst und habe hart daran gearbeitet, mich als Mensch wie auch meinen Coachingstil zu verbessern.»

Weiter schreibt er: «Ich habe im letzten Jahrzehnt regelmässig therapeutische Hilfe in Anspruch genommen und mich dabei damit auseinandergesetzt, wie traumatisch mein Verhalten auf andere wirkte. Ich habe neue Wege gefunden, um mich auszudrücken und meine Emotionen zu managen. Ich übernehme die volle Verantwortung für meine Taten.»

Es war von Crawford sicher ein kluger Schachzug und wohl auch die einzige Möglichkeit, seinen Job zu retten, dass er sich einsichtig gab. Doch seine Worte gehen darüber hinaus, was man bisher von Coaches hörte, nachdem ihre Übergriffe bekannt worden waren. Crawford ermutigt sogar jene, denen er geschadet habe, mit ihm in den Dialog zu treten. Spieler, die er bei den ZSC Lions coachte, beschreiben ihn als laut und cholerisch, aber die Grenze des Tolerierbaren habe er nie überschritten.

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