Eishockey

«Es ist der Erfolg aller»

Seit Mittwochabend gehören die Rapperswil-Jona Lakers wieder der höchsten Liga im Schweizer Eishockey an. Verwaltungsratspräsident Konrad Müller blickt auf die nervenaufreibende Ligaqualifikation zurück – und in die Zukunft.

Der Kaffee am Morgen ist für Konrad Müller ein Ritual. Am liebsten trinkt der 63-jährige Glarner ihn in der «Waage» in Glarus – zusammen mit Kollegen, mit denen er dann jeweils angeregt politisiert.

Der Kaffee am Morgen ist für Konrad Müller ein Ritual. Am liebsten trinkt der 63-jährige Glarner ihn in der «Waage» in Glarus – zusammen mit Kollegen, mit denen er dann jeweils angeregt politisiert. Bild: Silvano Umberg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie haben einen Café crème bestellt. Am Morgen nach dem Aufstieg dürfte dieser besonders gut schmecken – und nach einer kurzen Nacht auch ein willkommener Wachmacher sein.
Konrad Müller: Das ist so. Und heute (Donnerstag, Red.) brauche ich diesen Wachmacher sicher mehr als sonst – nach nur gut drei Stunden Schlaf.

Sie waren also auch noch an der Aufstiegsfeier auf dem Rapperswiler Hauptplatz?
Klar. Eine grossartige Sache. Und zu sehen, welche Begeisterung unser Club auslösen kann, ist wunderbar. Die Leute identifizieren sich wieder mit den Lakers. Das ist extrem wichtig, und dies zu erreichen, war eines unserer Hauptziele in den letzten drei Jahren. Im Stadion bilden die Fans die rote Wand, die für das Team wie ein siebter Mann ist. Unsere Fans haben Unglaubliches geleistet, die Mannschaft getragen. Es freut mich ungemein, dass wir uns mit zwei Titeln (B-Meister und Cup; Red.) und nun auch noch mit dem Aufstieg revanchieren konnten.

Wie und wo haben Sie das alles entscheidende siebte Spiel der Ligaqualifikation erlebt?
Im Stadion, wenige Sitzreihen hinter unserer Spielerbank, Fingernägel kauend. Ich war nervös, extrem nervös sogar. So etwas möchte ich eigentlich nicht mehr erleben. Irgendwann ist man nur noch fertig. Diese Serie war extrem nervenaufreibend und kräftezehrend. Für alle, das ganze Umfeld, die Fans, die Spieler, den Staff und natürlich auch für unsere anderen Mitarbeiter, die so hart auf dieses Ziel hingearbeitet haben. Es haben ja nicht nur die auf dem Eis zu diesem Erfolg beigetragen, sondern alle im Club – einfach alle. Jeder «chrampfte» unermüdlich, ohne auf die Uhr zu schauen. Allen gebührt ein riesiges Dankeschön.

«Wenn alle bereit sind, mit jeder Faser des Herzens für etwas  einzustehen, kann man Berge versetzen.»
Konrad Müller

Glaubten Sie zu jeder Zeit an den Sieg oder kamen – etwa nach dem Ausgleich oder in der Verlängerung – Zweifel auf?
Ich glaubte immer daran. Wie gesagt sass ich direkt hinter unseren Spielern. Ich sah ihre Körpersprache. Sie wirkten extrem entschlossen. Daher wusste ich: Die packen das. Blickte ich zu den Klotenern rüber, bekam ich diesen Eindruck nicht.

Dennoch hätte es genauso gut andersherum ausgehen können. Minuten vor dem Siegtor verzeichnete Kloten einen Pfostenschuss. Es ging um Millimeter.
So ist der Sport – manchmal absolut brutal. Es braucht letztlich immer auch das nötige Quäntchen Glück für so einen Erfolg. Letzte Saison in der Finalissima in Langenthal erlebten wir Ähnliches – gegen uns. Wir vergaben kurz vor Schluss eine Topchance und im Gegenzug sichert sich der Gegner den Titel. Ich will aber betonen: Zufall ist unser Erfolg nicht. Vieles ist planbar. Und es steckt sehr viel Arbeit dahinter – von sehr fähigen Leuten. Entscheidend auf dem Weg zurück in die höchste Liga war sicher, dass wir im Januar 2017 den Aufstieg als klares Ziel formuliert, die nötigen Massnahmen beschlossen und dann auch umgesetzt haben. Wir investierten eine halbe Million mehr in die Mannschaft, machten sie breiter. Damit haben wir die Aufstiegschancen wesentlich erhöht. Und ab diesem Zeitpunkt wusste jeder: Rappi meint es ernst. Damit wurden letztlich auch die Motivation und der Glaube bei den Mitarbeitern inklusive Spielern erhöht. Und wenn alle bereit sind, mit jeder Faser des Herzens für etwas einzustehen, kann man Berge versetzen.

Welchen Anteil hat Coach Jeff Tomlinson am Erfolg?
Einen sehr grossen. Jeff ist extrem authentisch. Und auch für ihn gilt: Er hat einen klaren Plan und setzt diesen konsequent um. Zudem ist er ein guter Kommunikator. Jeder weiss stets, woran er ist. Und jeder kennt genau seine Aufgabe.

Was letztlich herauskam, darf man als Traumsaison bezeichnen. Müssen Sie sich manchmal kneifen, um zu glauben, dass Sie das nicht alles geträumt haben?
Ich habe mich tatsächlich auch schon gefragt: Ist das wirklich alles passiert? Ja, ist es – weil alle gerackert haben wie verrückt. Es ist unglaublich.

Als Sie VR-Präsident wurden, lag der Club in Trümmern, war sogar dem Konkurs nahe. Nun ist er wieder erstklassig. Wie war der schnelle Wandel möglich?
Natürlich steigt man nicht gerne ab. Aber es war letztlich das Beste, was dem Club passieren konnte. So bot sich die Chance, ein neues, solides Fundament zu betonieren. Und dann darauf Schritt für Schritt etwas aufzubauen. So hält das dann auch. Heute kann man sagen: Diese Chance haben wir genutzt. Der Club ist gesund und so strukturiert, wie ein Unternehmen es sein muss.

«Wir werden das Budget um 4,4 auf 10,7 Millionen Franken erhöhen.»
Konrad Müller

Zurück zur Gegenwart: Nach der Saison ist vor der Saison. Durch den Aufstieg wartet nun wohl mehr Arbeit auf die Clubverantwortlichen, als es bei einer weiteren Saison in der Swiss League der Fall gewesen wäre.
Nicht unbedingt, aber die Arbeit wird sicher anspruchsvoller. Aber diesbezüglich habe ich keine Bedenken: Wir haben die richtigen und sehr gute Leute. Und die sind voll dran.

Der Plan sieht vor, das Budget von aktuell 6,3 auf 9 bis 9,5 Millionen Franken zu erhöhen. Kann das umgesetzt werden?
Ja. Respektive: Wir werden mit einem Budget von 10,7 Millionen fahren.

Wo kommen diese zusätzlichen 4,4 Millionen her?
Rund ein Viertel aus den deutlich höheren TV-Geldern, der Rest aus Mehreinnahmen beim Sponsoring, Ticketing und Catering – wobei wir da jeweils sehr konservativ budgetiert haben – sowie vom 100er-Club. Es ist ein defensives Budget, aber eines, von dem wir überzeugt sind, dass wir es einhalten können – und zwar ohne Zuwendungen von Mäzenen.

Bisher sind erst zwei Zuzüge bekannt. Können Sie schon weitere vermelden?
Nein, die werden wir zu gegebener Zeit kommunizieren. Man muss jetzt auch schauen, was mit Kloten passiert. Dort hat es schon den einen oder anderen Spieler, bei dem ich mir vorstellen könnte, dass er zu uns passen würde. Aber in solche Sachen rede ich nicht drein. Das ist Sache der Sportkommission. Der Verwaltungsrat hält sich aus dem operativen Geschäft raus.

Die Lakers sind der Aufsteiger, dürften das tiefste Budget in der National League haben. Da kann das Ziel nur Ligaerhalt heissen.
Im Prinzip ja. Ich bin aber überzeugt, dass der sportliche Erfolg nicht direkt vom Geld abhängig ist. Da können wir unseren Cupsieg als Beispiel nehmen. Ich will bezüglich sportlicher Zielsetzung jetzt aber nicht vorgreifen. Diese muss erst noch genau definiert werden. Darüber müssen wir uns intern unterhalten. Klar ist: Wir müssen weiterhin Schritt für Schritt nehmen. Im wirtschaftlichen Bereich müssen wir nun erst einmal neue Erfahrungswerte sammeln in der National League, sehen, wie sich die verschiedenen Bereiche entwickeln. Ein Fernziel, über das wir auch schon diskutiert haben, ist, ein Budget zwischen 15 und 16 Millionen hinzukriegen. Das wird aber Zeit brauchen und nicht einfach zu erreichen sein. Aber man muss ein Ziel haben.

Die Fans wurden heuer wie erwähnt mit Erfolgen verwöhnt. Im Oberhaus wird es nun wieder vermehrt Niederlagen absetzen. Gibt es bei Ihnen eine gewisse Angst, die Stimmung könnte wieder ins Negative kippen?
Nein. Die Frage ist für mich immer, wie man verliert. Sieht jeder im Stadion, dass sich die Mannschaft zerreisst, werden die Fans immer hinter ihr stehen. Klar wird es auch einmal einen Abend geben wie jenen beim 0:4 in Spiel 4 gegen Kloten, wo das Team schlicht neben den Schuhen steht. Aber das wird die absolute Ausnahme sein. Davon bin ich überzeugt. Dafür ist unser Team charakterlich zu stark.

Die Aufstiegshelden werden sicher auch noch ziemlich lange viel Kredit bei den Fans haben.
Das wird schon so sein. Aufstiegshelden. Wie das tönt. Grossartig. «Cyrill Geyer – Hockeygott» haben die Fans auf dem Hauptplatz gesungen. Ihm mag ich das ganz speziell gönnen. Ein toller Karriereabschluss.

Erstellt: 27.04.2018, 10:57 Uhr

Zur Person

Konrad Müller ist 63-jährig, verheiratet, Vater von drei erwachsenen Kindern und wohnhaft in Schwändi im Kanton Glarus. Seit 2012 sitzt der frühere langjährige Verlagsleiter des «Zürcher Oberländers» im Verwaltungsrat der SCRJ Lakers, seit gut drei Jahre steht er diesem als Präsident vor. Er übernahm dieses Amt im Frühjahr 2015, eine Niederlage vor dem Abstieg, nachdem Lucas Schluepp es im Nachgang der dritten Niederlage in der damaligen Ligaqualifikation gegen Langnau mit sofortiger Wirkung niedergelegt hatte. In Berührung gekommen mit den Lakers war Müller einst durch ein gemeinsames Nachwuchsprojekt mit dem Glarner Eislaufclub, den er damals präsidierte.

Artikel zum Thema

Eine Stadt steht Kopf

Rapperswil-Jona Nach dem Aufstieg der SC Rapperswil-Jona Lakers gibt es in der Rosenstadt kein Halten mehr. Egal ob im Stadion, auf dem Hauptplatz oder zuhause auf dem Sofa, die Fans feiern ihre Mannschaft. Mehr...

Die Lakers besiegen Kloten und steigen wieder auf

Eishockey Die SCRJ Lakers gewinnen das siebte Spiel der Ligaqualifikation in der Swiss Arena in Kloten mit 2:1 in der Verlängerung. Rapperswil-Jona steigt wieder in die National League auf. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.