Rapperswil-Jona

«Das ist unglaublich, unfassbar, mega»

Erstmals seit ihrer Gründung im Jahr 1945 haben die Rapperswil-Jona Lakers einen nationalen Titel gewonnen. Dies in einer Art und Weise, die wohl selbst die kühnsten Optimisten verblüffte. Entsprechend stolz sind die Beteiligten.

Die Lakers haben es geschafft: Sie holen den Cupsieg an den Obersee. Die schönsten Impressionen vom Sieg gibts in unserem Video.
Video: CA Media

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach den Erfolgen der St. Galler über Lugano (3:0 im Achtelfinal) und Zug (5:1 im Viertelfinal) hatten Nörgler noch mokiert, die National-League-Klubs würden den Cup halt nicht wirklich ernst nehmen und hätten deshalb verloren. Möglich – dannzumal. Im Final traf dies aber keinesfalls zu. Der HCD wollte diesen Pokal unbedingt, denn auch für den Rekordmeister und dessen Trainer Arno Del Curto wäre es eine Premiere gewesen.

«Wenn man im Final ist, will man ihn auch gewinnen», hatte Nationalstürmer Enzo Corvi im Vorfeld bestätigt. Beweis dafür, dass dies nicht bloss dahergesagt war, war die Reaktion der Bündner nach dem 5:1 der St. Galler durch Jan Mosimann kurz vor Spielmitte (29.). Obwohl der eine oder andere Spieler im sechsten Match innert neun Tagen auf dem Zahnfleisch lief, hängten sich die Davoser im Anschluss an ein Time-out Del Curtos nochmals voll rein.

Dank erhöhtem Tempo und mehr Intensität gelang dem HCD wenig später das 2:5, und auch das 3:5, das wahrscheinlich zu einer brisanten Schlussphase geführt hätte, lag in der Luft. Doch dann setzte SCRJ-Stürmer Josh Primeau seine Masse ein, erkämpfte sich an der Bande den Puck, zog vors HCD-Tor und verwandelte im Nachsetzen. Dieses 6:2 brach dem Oberklassigen gut acht Minuten vor Schluss das Genick.

«Ja, das war die Entscheidung», befand auch der unglaublich stolze SCRJ-Trainer Jeff Tomlinson. Und strahlend ergänzte er: «Ab diesem Moment hatte ich ein gutes Gefühl.»

Del Curtos Lob für Nyffeler

Unglaubliche und für die allermeisten neue Gefühle folgten mit und nach dem Schlusspfiff. Kaum war die Sirene ertönt, riss sich Lakers-Keeper Melvin Nyffeler die Maske vom Kopf, warf Fang- und Stockhandschuh zu Boden, um sogleich die auf ihn zustürmenden Teamkollegen zu umarmen, zu jubeln und zu feiern.

«Hätte nicht gedacht, mit den Lakers einen nationalen Titel gewinnen zu können.»Cyrill Geyer

Nicht gar so stürmisch, aber herzlich war die Umarmung, die der einmal mehr überragende Goalie der Lakers wenig später von Arno Del Curto erhielt. «Wir kennen uns seit ich vor gut einem Jahr für Davos den Spengler-Cup bestreiten durfte. Er sprach mir ein Lob aus, sagte, er würde es niemandem mehr gönnen als mir. Worte, die eine grosse Ehre für mich sind», blickte Nyffeler auf die Szene beim obligaten Shakehands zwischen den beiden Teams zurück.

Rizzellos schöne Geste

Es war die letzte mit HCD-Beteiligung. Im Anschluss gehörte das Eis nur noch den Lakers und ihren Fans. Um 15.58 Uhr, rund zweieinhalb Stunden nach dem Anpfiff, sammelten sich Spieler und Betreuer vor der mittlerweile aufgestellten kleinen Bühne. Eine Minute später durfte SCRJ-Captain Antonio Rizzello den Pokal in die Höhe stemmen.

Er tat dies nicht – wie üblich – alleine, sondern zusammen mit Cyrill Geyer, dem zweiten Urgestein in Reihen der St. Galler. «Er hat sich das verdient. Er war ja früher auch schon Captain und hat wie ich schon so viel erlebt und auch durchgemacht mit diesem Verein», begründete Rizzello seine spontane Aktion. Und weiter: Dieser Erfolg entschädige für vieles. Er sei unglaublich stolz auf jeden einzelnen Spieler. «Es war auch heute wieder eine unglaubliche Teamleistung. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, seine Rolle zu 150 Prozent erfüllt.» Endlich einen «Kübel» in den Händen zu halten, «das ist unglaublich, unfassbar, mega. Wir haben Geschichte geschrieben!»

«Der Sieg mit den Lakers ist schöner als jener mit Kloten.»Jorden Gähler

Nicht minder euphorisiert war Geyer: «Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich mit den Lakers einmal einen nationalen Titel würde gewinnen können.» Es war auch der erste in der Klubgeschichte. Die bisherigen Höhepunkte waren Aufstiege in die NLB 1965 und 1977, der Aufstieg in die NLA 1994 sowie der Play-off-Halbfinal 2006 gewesen. Nach diesem Jahr ging es mit den Lakers nur noch abwärts, bis 2015 der Abstieg und Beinahe-Konkurs folgte, ein absoluter Tiefpunkt. Geyer hängte seine Schlittschuhe damals eigentlich an den berühmten Nagel, entschied sich dann aber zum Rücktritt vom Rücktritt. In der zweithöchsten Liga fand er zu alter Stärke zurück, ist wieder ein Schlüsselspieler, ein Leader. Und wurde nun mit diesem grossartigen Erfolg dafür belohnt.

Als einziger Laker bereits Erfahrung mit Cup-Triumphen hatte Verteidiger Jorden Gähler, der vor Jahresfrist mit dem EHC Kloten diesen Wettbewerb gewann. «Das lässt sich aber überhaupt nicht vergleichen», meinte der 24-Jährige. «Der Sieg mit den Lakers ist schöner. Erstens war die Lage bei Kloten damals derart angespannt, dass man den Erfolg gar nicht geniessen konnte. Zweitens ist es natürlich viel spezieller, den Cup als Unterklassiger zu gewinnen.»

Vom Publikum getragen

Möglich geworden sei dieser Wahnsinnserfolg nicht zuletzt dank der Fans, befand Gähler. «Die Stimmung war unglaublich. Kommst du da nach einem Einsatz ausgepumpt zurück auf die Bank, musst du nur kurz auf die Tribüne schauen – und schon hast du wieder Energie. Die Fans haben uns nach vorne gepeitscht. So wirst du nie müde.»

Genau gleich erlebte es Dion Knelsen, der sich gegen Davos als Doppeltorschütze auszeichnete: «So eine geniale Stimmung habe ich noch nie erlebt. Überhaupt habe ich noch zuvor noch nie etwas gewonnen in meiner Karriere.» Sein kanadischer Landsmann Jared Aulin, dem das wichtige 1:0 gelang und der zu Knelsens 2:1 den Assist lieferte, hofft, dass sich die Euphorie nun auch auf die Meisterschaft überträgt: «Wir wollen aufsteigen. Das ist ein langer, steiniger Weg. Da brauchen wir die Unterstützung der Fans genauso wie heute.» Zu was die Lakers dann fähig seine, habe der Cup gezeigt. «Und zu wissen, dass wir dann, wenn es wirklich zählt, unser bestes Eishockey zeigen können, gibt uns Zuversicht und auch zusätzliche Kraft fürs Play-off», blickte Aulin schon auf das nächste grosse Ziel voraus: den Aufstieg ins Oberhaus. (zsz.ch)

Erstellt: 05.02.2018, 09:56 Uhr

Telegramm

Rapperswil-Jona Lakers - Davos 7:2

Rapperswil-Jona Lakers - Davos 7:2 (2:1, 3:1, 2:0)
6100 Zuschauer (ausverkauft).
SR Massy/Dipietro, Abegglen/Küng.
Tore: 3. Aulin (Rizzello) 1:0. 11. Little (Du Bois/Ausschluss Schmuckli) 1:1. 19. Knelsen (Aulin, Berger) 2:1. 26. (25:06) Hügli (Ausschluss Corvi) 3:1. 27. (26:03) Knelsen (Casutt, Sataric/Ausschluss Heldner) 4:1. 29. Mosimann 5:1. 36. Du Bois 5:2. 52. Primeau (Vogel) 6:2. 56. Mason (Hügli) 7:2.
Strafen: 6mal 2 Minuten gegen die Rapperswil-Jona Lakers, 4mal 2 Minuten gegen Davos.
Rapperswil-Jona Lakers: Nyffeler; Iglesias, Schmuckli; Geyer, Profico; Gähler, Berger; Sataric, Maier; Aulin, Knelsen, Rizzello; Mosimann, Mason, Hügli; Brem, Lindemann, Casutt; Primeau, Vogel, Hüsler.
Davos: Senn/van Pottelberghe (ab 29.); Du Bois, Jung; Schneeberger, Paschoud; Heldner, Kindschi; Aeschlimann; Simion, Corvi, Little; Marc Wieser, Johansson, Kousal; Kessler, Ambühl, Eggenberger; Sciaroni, Buck, Jörg; Walser.
Bemerkungen: Rapperswil-Jona Lakers komplett. Davos ohne Lindgren, Dino Wieser, Rödin, Egli und Nygren (alle verletzt). - Timeout Davos (29.).

Artikel zum Thema

Die Lakers holen sich den Schweizer-Cup!

Eishockey Die SC Rapperswil-Jona Lakers gewinnen den Hockey-Cupfinal. Sie bodigen ein harmloses Davos gleich mit 7:2. Der Jubel in der Rosenstadt ist grenzenlos. Mehr...

Der gewonnene Goodwill ist noch wertvoller als der Cuptitel

Kommentar Sportredaktor Silvano Umberg zum historischen Cup-Sieg der Rapperswil-Jona Lakers. Mehr...

Die Rapperswiler Fans proben am Cupfinal für die Aufstiegsfeier

Rapperswil-Jona Den ersten Pokal in der Geschichte des SC Rapperswil-Jona feierten die Anhänger auf den Rängen und auf dem Eis, zuerst ungläubig, dann mit zufriedenem Lächeln. Es war eng, laut und nass in der Lidokurve. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!