Eishockey

Der unerwartete Boxplay-Spezialist

Simon Bodenmann tritt an der WM 2017 in ungewohnten Rollen auf. Und blickt dem wichtigen Weekend positiv entgegen.

Rollenwechsel: Simon Bodenmann muss sich im Nationalteam in erster Linie mit defensiven Aufgaben beschäftigen.

Rollenwechsel: Simon Bodenmann muss sich im Nationalteam in erster Linie mit defensiven Aufgaben beschäftigen. Bild: Keystone

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In Bern spielte Simon Bodenmann in der abgelaufenen Saison nie Boxplay. In der Schweizer Nationalmannschaft «habe ich sogar Doppeleinsätze in Unterzahl», sagt der Flügel.In Bern war Simon Bodenmann in einem Penaltyschiessen stets unter den Schützen. In der Schweizer Nationalmannschaft traten in den bisher zwei Penaltyschiessen andere Spieler auf.

Und in Bern war Bodenmann stets Teil der Powerplay-Formationen. Im WM-Team steht er erst in einer Überzahlformation, seit eine dritte «gegründet»wurde.

Und für den heutigen Match gegen die Kanadier stellte Coach Patrick Fischer eine neue Linie zusammen: Bodenmann, Tanner Richard und Fabrice Herzog. «Wir sollen gegen die Nordamerikaner für Energie sorgen, Checks setzen», erklärt Bodenmann die Absicht des Trainers. Er begann die WM an der Seite von Andres Ambühl und Damien Brunner, aber irgendwie funktionierte das Spiel nach vorne nicht so richtig. «Wir waren ein bisschen kompliziert», findet der Zürcher.

Simon Bodenmann, einer von noch sechs WM-Silberhelden im Team, hat einen schnellen Rollenwechsel vom Meisterteam des SC Bern ins Nationalteam hinter sich. 2013 stürmte er mit Denis Hollenstein und Luca Cunti als zweite Schweizer Offensivformation. «Als wir dieses Jahr nun von den Finalisten zum Nationalteam stiessen, standen die Powerplay- und Offensivformationen schon. Da muss ich nun meine Eiszeit mit dem Erledigen von andern Aufgaben generieren.»

Neben Andres Ambühl ist Bodenmann der zweite Schweizer Stürmer, der in der Offensivzone seine Checks ansetzt. Und in Sachen Unterzahlspiel hat der 29-Jährige von Tommy Albelin schon viele gute Dinge lernen können.

Der letzte Schütze

Bodenmann hat noch viel Energie und Lust auf Eishockey, in der Saison musste er wegen Verletzungen zweimal aussetzen, er verpasste 17 Qualifikationsspiele. Eine Weiterreise nach Köln in die Viertelfinals würde ihn durchaus nicht stören. «Wir könnten locker mit 12 Punkten dastehen», ärgerte sich der Flügel über die Punktverluste im Slowenien- und Frankreich-Match. Mit 12 Punkten wären die Schweizer schon definitiv Viertelfinalist.

Nun aber müssen sie gegen die Grossen punkten: Kanada, Finnland und Tschechien. «Die Kanadier spielten bis jetzt auf einem andern Level, aber Finnland und Tschechien sind nicht über alle Zweifel erhaben», meint Bodenmann. Er ist «positiv, dass wir unser Ziel erreichen können».

Die Statistik kommt allerdings nicht so daher, dass uneingeschränkter Optimismus aufkommt. Der letzte Sieg an einer WM über eine «grosse» Nation, ein Team aus den Top 6 der Weltrangliste, ist schon einige Zeit her: an der WM vor vier Jahren. In Stockholm 2013 schlugen die Schweizer die Schweden, die Kanadier, die Tschechen (zweimal) und die Amerikaner. Bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 feierten sie zum Auftakt das 1:0 gegen Tschechien. Der Torschütze bei jenem letzten Sieg über eine Topnation: Simon Bodenmann.

Der gute Wechsel

Damals spielte der Angreifer noch für Kloten, wo er seine gesamte Juniorenzeit verbrachte. Schon im April 2014 aber wurde sein Transfer nach Bern offiziell – für die Saison 2015/16. Bei den Bernern unterschrieb Bodenmann einen Dreijahresvertrag. «Ich wollte sportlich und menschlich einen Schritt vorwärtskommen», war Bodenmanns Ziel. Dass es dann gleich so herausgekommen ist, wie es nun ist, das hatte er nicht erwarten können. In zwei Vertragsjahren hat Bodenmann zwei Meistertitel gesammelt. Die Jahre in Bern, wo er nicht weit vom Hauptbahnhof wohnt, haben ihn als Spieler weitergebracht. «In Kloten ging es sehr familiär zu und her», in Bern werde, wie sie dort sagen würden, «gebügelt». Einfach jeder müsse für die Mannschaft «bügeln».

Immerhin schon drei Trainer hat er nach zwei Jahren hinter sich. Die Unruhe des ersten Jahres war ebenso beeindruckend wie die Ruhe des zweiten. «Ich glaube, ich habe noch nie eine so ruhige Saison gespielt.» Und das in Bern, in einem Verein, in dem es wenig braucht, um die Ruhe zu stören.

Ein Hauptgrund für diese Ausgeglichenheit war Leonardo Genoni. «Ein guter Goalie gibt dir so viel mehr Sicherheit. Er hält alles und noch ein bisschen mehr.» Wenn das weiter fürs Nationalteam gilt, dann sind die Viertel­finals möglich. ()

Erstellt: 12.05.2017, 23:18 Uhr

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