Eishockey

«Der Quali-Sieg ist Schnee von gestern»

Rapperswil-Jona hat sich in der NLB schnell akklimatisiert und die Quali-fikation auf Rang 1 beendet. In den heute beginnenden Playoffs wird sich zeigen, wie fest verankert die von Trainer Jeff Tomlinson eingeimpfte Siegermentalität bereits ist.

Lakers-Trainer Jeff Tomlinson mahnt zur Vorsicht: «Der nächste Gegner ist immer der schwierigste. Thurgau zu unterschätzen, wäre ein Riesenfehler!»

Lakers-Trainer Jeff Tomlinson mahnt zur Vorsicht: «Der nächste Gegner ist immer der schwierigste. Thurgau zu unterschätzen, wäre ein Riesenfehler!» Bild: Silvano Umberg

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Was bedeute Ihnen der Sieg in der Qualifikation?
Jeff Tomlinson: Ich bin respektive wir als Team sind sicher stolz, dies geschafft zu haben. Wir haben den Erfolg auch einige Stunden genossen. Doch der Quali-Sieg ist Schnee von gestern. Nun müssen wir weitergehen.

Hätten Sie im Sommer, als Sie Ihre Arbeit am Obersee aufnahmen, geglaubt, dass es so gut laufen würde?
Ich hatte keine grosse Erwartungen, als ich kam. Ich kannte ja auch die Liga nicht. Aber die Hoffnung war natürlich schon da, dass wir gut abschneiden würden. Ich bin sehr ehrgeizig, will immer möglichst gut sein – egal ob beim Eishockey, Kartenspiel oder was auch immer.

Was machte die Lakers so stark?
Ihr Wille, hart zu arbeiten, von Tag für Tag besser zu werden. Und der Kampfgeist. Wir waren nicht immer das bessere Team, gaben aber nie auf und fanden so oft einen Weg, trotzdem zu gewinnen. Ein Pluspunkt war sicher auch die gute Fitness. So konnten wir im letzten Drittel zulegen, wenn nötig – oder hatten genug Kraft, um einen knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen.

Im Vorfeld der Saison sprachen Sie oft davon, die Mannschaft mit ihren jungen Spielern weiterentwickeln zu wollen. Wie zufrieden sind Sie mit dem Fortschritt?
Im Grossen und Ganzen sehr zufrieden. Hier ins Detail zu gehen, über einzelne Spieler zu reden, würde aber den Rahmen sprengen. Den wohl grössten Fortschritt erreichten wir im mentalen Bereich. Anfang Saison schafften wir es kaum, eine 1-Tore-Führung zu verwalten. Dies ist viel besser geworden. Es entwickelte sich eine Winner-Mentalität.

Auswärts war Ihr Team das mit Abstand erfolgreichste, zu Hause «nur» die Nummer 3. Wie erklären Sie sich diese Diskrepanz?
Auch da geht es ums Mentale. Auswärts waren wir erfolgreicher, weil wir als Team mehr zusammenstanden, mehr Respekt vor dem Gegner zeigten. Zu Hause wollten es die Spieler manchmal zu schön machen. Mittlerweile sind wir aber auch dies­bezüglich besser geworden. Dies bewiesen wir zuletzt mit den Heimsiegen gegen die Spitzenteams Langenthal, La Chaux-de-Fonds und speziell Olten, wo wir trotz stark dezimiertem Kader klar besser waren.

Gibt es weitere Punkte, die es noch zu verbessern gilt?
Klar. Beispielsweise brauchen wir noch zu viele Chancen für unsere Tore. Auch da sehe ich aber Fortschritte. Ein schönes Beispiel dafür ist das 2:0 am Samstag gegen Thurgau. Rizzello merkt, dass er aus seiner Position kaum ein Tor erzielen kann. Also schiesst er so, dass der Torhüter den Puck voraussichtlich in Richtung des nachgerückten Aulin abprallen lassen muss. Das war intelligent gespielt.

Gab es ein Spiel oder einen Moment in den vergangenen Monaten, der Ihnen speziell in Erinnerung bleiben wird?
Unser 3:2-Sieg im Cup-Achtelfinal gegen Lugano. Da zeigte sich, welch grosses Potenzial in dieser Mannschaft steckt.

Apropos Potenzial: Sind Jared Aulin und Andrew Clark gut genug für diese Liga? Die besten Schweizer der Lakers sind in den Statistiken vorne dabei, die zwei Ausländer nicht.
Man darf die beiden nicht alleine an den Punkten messen. Sie stellen sich voll in den Dienst der Mannschaft, nehmen sich auch immer wieder den jungen Spielern an, um diese besser zu machen. Dies schätze ich sehr.

Sie sind also zufrieden mit den beiden Kanadiern?
Absolut. Sie machen einen sehr guten Job, sind sich – im Gegensatz zu manch anderem Söldner, der in der Skorerliste weiter oben steht – auch für die «Drecksarbeit» nicht zu schade.

Sogar sehr zufrieden dürften Sie mit Ihren Goalies sein.
Auf jeden Fall. Wir sind in der glücklichen Lage, über zwei Nummer-1-Goalies zu verfügen, die zwei besten Keeper der Liga.

Melvin Nyffeler hat bezüglich erhaltener Gegentore pro Spiel die Nase vorne, Michael Tobler die leicht bessere Abwehrquote. Auf welchen Goalie setzen Sie in den Playoffs?
(schmunzelt) Auf beide! Wir wollen in den Playoffs sehr weit kommen – und dazu brauchen wir zwei starke und vor allem frische Torhüter.

Und wer steht (heute) im ersten Spiel der Playoff-Viertelfinal-Serie gegen Thurgau im Tor?
Nyffeler.

Obwohl dieser die Lakers Ende Saison verlassen wird, während Tobler dem Klub für eine Saison erhalten bleibt?
Die Vertragssi­tua­tion ist für mich nicht von Bedeutung. Nyffeler ist – wie auch Tobler – in sehr guter Form und wird uns ein super Rückhalt sein.

Allzu viel Arbeit dürften die beiden im Viertelfinal nicht bekommen, so klar wie Thurgau in der Qualifikation dominiert wurde (15:0 Punkte, 26:6 Tore).
Aufgepasst! Wir gehen sicher als Favorit in diese Serie, werden uns aber davor hüten, den Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Thurgau hat nichts zu verlieren – und das ist gefährlich.

Was trauen Sie Ihrer Equipe in den Playoffs zu?
Alles! Wirklich alles! Die Mannschaft hat einen derart tollen Charakter.

Diese Antwort überrascht – insofern, da Sie vergangene ­Woche ge­gen­über einer anderen Zeitung in einem Interview sagten, die Lakers seien nicht bereit für den Aufstieg – weder sportlich noch finanziell.
Halt. Der Aufstieg ist ein anderes Thema. Jetzt spreche ich von den Playoffs. Da ist unser Ziel, möglichst weit zu kommen, am liebsten sogar NLB-Meister zu werden. Die NLA wäre dann ein weiterer, sehr, sehr grosser Schritt – der wohl für viele Spieler, aber auch den Klub etwas gar früh käme. Aber das Timing kann man sich nicht immer aussuchen. Und klar: Wir würden nicht Nein sagen, wenn es so weit wäre.

Welches ist der stärkste Gegner auf dem Weg zum NLB-Titel?
Der nächste ist immer der schwierigste Gegner. (schmunzelt) Nein, ernsthaft: Im Moment interessiert mich wirklich nur Thurgau. ()

Erstellt: 15.02.2016, 21:41 Uhr

Hockey Thurgau

«Leuen» geben sich kämpferisch

Geht es nach Papierform, sind die Thurgauer gegen die Lakers auf verlorenem Posten. Und dafür, dass sich die Kräfteverhältnisse verändern sollten, lässt sich eigentlich nur ein Grund finden: der Druck. Die «Leuen» haben nichts zu verlieren, während die Erwartungshaltung bei Rapperswil-Jona nach dem Quali-Sieg sowohl intern als auch extern doch gestiegen ist.
«Wir gehen mit einer lockeren Einstellung und grosser Freude in diese Serie», sagt denn auch Trainer Mario Kogler. Der Österreicher stieg Mitte Januar nach dem überraschenden Rücktritt von Christian Weber zum Headcoach auf. Grosse Änderungen nahm er nicht vor, doch stieg die Punkteausbeute unter seiner Ägide leicht an (von 1,12 auf 1,27 Zähler pro Spiel) – vor allem dank eines verbesserten Überzahlspiels.
Wie die Lakers müssen die «Leuen» heute auf zwei gesperrte Akteure verzichten (Sterchi und Bahar sind ab Spiel 2 wieder spielberechtigt). Zudem ist der vormalige Topskorer McGrath verletzt. Im Vergleich zur 1:5 verlorenen «Hauptprobe» am Samstag hat Kogler aber mehr Handlungsspielraum. Entsprechend kämpferisch zeigt er sich: «Wir haben die Playoffs so früh wie nie zuvor erreicht und konnten uns mental gut vorbereiten. Man wird deshalb ein ganz anderes Thurgau zu sehen bekommen. Die Playoff-Atmosphäre wird mein Team anstacheln.» Was dies zu bedeutet hat, wird sich ab heute zeigen.

SCRJ Lakers

Alle Vorteile aufseiten der St.Galler

Die Rosenstädter steigen als haushoher Favorit in die erste Playoff-Runde. Alles andere als ein souveräner Erfolg für den Qualifikationssieger gegen den -achten käme einer Überraschung gleich. Die Lakers verfügen über ganz andere Möglichkeiten als die Thurgauer. Dies zeigt sich nur schon daran, dass bei ihnen auch nach dem Abstieg aus der NLA die meisten Akteure Profistatus haben, während bei den «Leuen» mit Ausnahme der beiden Ausländer alle Spieler einer Doppel­belastung ausgesetzt sind.
Deshalb müssten es die St. Galler verschmerzen können, dass ihre Absenzenliste um einiges länger ist. Neben den Langzeitverletzten (Frei, Högger, Schmutz) fehlen heute zum Auftakt der Best-of-7-Serie in der heimischen Diners-Club-Arena die gesperrten Hüsler (noch für 1 Spiel) und Mason (3/Rekurs hängig) sowie der angeschlagene Hügli – also insgesamt sieben Stürmer. Entsprechend froh ist Trainer Jeff Tomlinson um die Verstärkung in Person von Gian-Andrea Thöni, dem vom NLB-Letzten Winterthur bis zum Saisonende ausgeliehenen Top­sko­rer.
In den bisherigen fünf Duellen der Saison bekundeten die Lakers mit Thurgau wenig Mühe. Sie holten sämtliche 15 Zähler, bei einem überdeutlichen Torverhältnis von 26:6. Generell stimmt die Form bei den Rosenstädtern: Sie schlossen die Qualifikation mit fünf Siegen in Folge ab. Entsprechend gross ist ihr Selbstvertrauen.

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