Küsnacht

Der Himmel über Zürich

Auf dem 88-jährigen Dolder feiern die Eishockeyaner ihren «GC Day». Mit einem Fernsehspiel unter freiem Himmel, aber ohne Fussballer.

15 000 Zuschauer haben auf der altehrwürdigen und nostalgischen Dolder-Eisbahn schon Eishockeyspiele verfolgt. Vorgestern Samstag waren es beim GC Day bei der Swiss-League-Partie zwischen den GCK Lions und dem EHC Winterthur insgesamt 646 Zuschauer, ab dem 450. Zuschauer wurde der Zugang trotz Gratiseintritt geschlossen. GC, der Schweizer Meister 1966, gewann die prestigeträchtige Begegnung gegen die Eulachstädter verdient 4:2.

15 000 Zuschauer haben auf der altehrwürdigen und nostalgischen Dolder-Eisbahn schon Eishockeyspiele verfolgt. Vorgestern Samstag waren es beim GC Day bei der Swiss-League-Partie zwischen den GCK Lions und dem EHC Winterthur insgesamt 646 Zuschauer, ab dem 450. Zuschauer wurde der Zugang trotz Gratiseintritt geschlossen. GC, der Schweizer Meister 1966, gewann die prestigeträchtige Begegnung gegen die Eulachstädter verdient 4:2. Bild: Urs Jaudas

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Bevor der Weihnachtsbaum angeht, bevor das Discolicht endlos von Rot zu Grün zu Blau zu Violett wechselt, hat der Himmel über Zürich seinen Auftritt. Von leuchtendem Azur verdunkelt er sich Richtung Ultramarin. Und dann, kurz nach vier, strahlt er in jenem Blau, das perfekt zu diesem Samstagnachmittag passt: Es ist «GC Day» auf dem Dolder.Zum vierten Mal organisieren die Eishockeyaner den Anlass auf dem Zürichberg. Laden sie die anderen elf Sektionen der «grössten polysportiven Organisation der Schweiz», wie es in der Einladung ganz unbescheiden heisst, zum Plauschturnier und festlichen Beisammensein ein.

Doch schon die zwei riesigen Sattelschlepper vor dem Hauptgebäude verraten, dass diesmal etwas anders ist.

Die Lastwagen brachten tonnenweise TV-Technik zur 88-jährigen Eisbahn. Denn es ist auch «Winter Classic»: Zur Feier des GC Day wird der Swiss-League-Match zwischen GCK Lions und EHC Winterthur als Freiluftspiel ausgetragen. An gleicher Stelle, wo das Heimteam 1966 Meister wurde. Zum ersten und einzigen Mal: 1998 folgte unter der Ägide von Walter Frey die Fusion mit dem ZSC, seither sind die GCK Lions als Ausbildungsteam positioniert. Das Fanionteam sowie Juniorenequipen der GCK Lions tragen ihre Heimspiele normalerweise in Küsnacht aus.

Mit dem Rücken zum Rink

Der Geruch von Bratwurst hängt in der Luft, manchmal von Glühwein, wenn einer vorbeikommt, der die Temperaturen an diesem sonnigen Samstag unterschätzt hat. Auf dem grossen Feld herrscht freier Eislauf, schieben Kinder Eisbären vor sich her, die ihnen helfen, nicht umzufallen. Und direkt neben dem öffentlichen Eisfeld steht der Rink, auf den sich heute die Kameras richten. Er passt längst nicht mehr ins 21. Jahrhundert.

Die Holztribüne aus den 1930ern brannte vor ein paar Jahren ab, wurde mehr aus Nostalgie denn aus Notwendigkeit wieder aufgebaut – und wirkt doch schon wieder antiquiert. Die Spielerbänke entsprechen höchstens den Bedürfnissen von Hobbysportlern. Kaum vorstellbar, dass hier auch der ZSC einst Meister wurde, dass hier Weltmeisterschaften statt- und 15 000 Zuschauer Platz fanden. «Vor 60 Jahren bin ich da noch selber entlanggestürmt», sagt Walter Frey, «nur die Banden waren damals noch nicht so hoch.» Auch der Präsident von ZSC und GCK Lions lässt sich die Winter Classic nicht entgehen.

GC siegt in Replika-Shirts 4:2

Mit dem Wetter hatten sie Glück: Freitag Regen, Samstag schön, Sonntag Regen. Zu tun gab es trotzdem genug. Ein Swiss-League-Team verfügt gegenüber früher über ein viel grösseres Kader, also wurden Spielerbänke auf der anderen Seite des Rinks nötig. Für die Kameras wurde ein Stahlgerüst installiert, der Match kommt schliesslich live im Fernsehen. Und zwischen Garderoben und Banden steht ein improvisiertes TV-Studio. Simon Schenk, einst GCK-Lions-Sportchef, verfolgte den Match trotzdem mit dem Rücken zum Eis. «Man sieht es einfach besser», erklärte er mit Blick auf einen kleinen Monitor. Das Plexiglas, vor dem Match extra noch gereinigt, war zu beschlagen.

Schenk sah ein Spiel, das ihm gefallen konnte. Die GCK Lions trugen Replika-Shirts aus der Meistersaison, gingen 4:0 in Führung und kassierten die Gegentreffer erst, nachdem bei Hälfte des Schlussdrittels die Seiten gewechselt wurden – es sollte ja niemand von Wind und Wetter benachteiligt sein.

Als das 4:2 um 18.40 Uhr feststand, war es klirrend kalt. Die meisten Zuschauer zog es an die Wärme. Entweder ins Restaurant, wo sie den Discobetrieb auf dem offenen Eisfeld beobachten konnten. Oder ins GC-Fondue-Chalet beim Eingang, wo sich Eishockeyaner und Mitglieder anderer GC-Sektionen trafen.

Zutritt gratis, aber limitiert

Sie konnten übers mittägliche Plauschturnier diskutieren, dass statt der favorisierten Tennisspieler die Unihockeyaner gewonnen hatten – gerüchteweise, weil die Sektion Tennis das Reglement falsch verstand. Sie konnten darüber sprechen, warum die Sektion Fussball schon wieder nicht da war. Und sie konnten sich vor allem über einen Anlass freuen, der zwar keinen Gewinn abwarf, das aber auch nicht sollte. Denn bei 450 Zuschauern wurde der Zugang trotz Gratiseintritt geschlossen. Mehr Publikum liess der Dolder sicherheitstechnisch nicht zu. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 02.12.2018, 22:44 Uhr

GCK Lions - Winterthur 4:2 (1:0, 1:0, 2:2)

Dolder. 646 Zuschauer (offizielle Angabe). SR Ströbel, Koch; Kehrli/Wermeille. – Tore: 9. Riedi (Geiger, Brüschweiler) 1:0. 28. Backman (Hayes, Chiquet) 2:0. 47. Sigrist (Anderson, Braun) 3:0. 49. Büsser (Sigrist, Braun) 4:0. 57. Ranov (Nigro, Gomes/Ausschluss Sidler) 4:1. 60. (59:35) Wieser (Bozon) 4:2. – Strafen: 5x2 gegen GCK Lions, 4x2 Minuten plus 1x5 (Küng) plus 10 (Pozzorini, Bandencheck) plus Spieldauer (Küng, Beinstellen) gegen Winterthur. – GCK Lions: Guntern; Sidler, Büsser; Geiger, Peter; Andersson, Braun; Cohen; Hayes, Backman, Chiquet; Puide, Sigrist, Mathew; Riedi, Suter, Brüschweiler; Burger, Hardmeier, Meier. – EHC Winterthur: Guggisberg; Guerra, Küng; Blaser, Schmutz; Molina, Pozzorini; Jonski, Roos; Staiger, Keller, Bozon; Hess, Alihodzic, Gomes; Ranov, Nigro, Wieser; Martikainen, Scherz. – Bemerkungen: GCK Lions ohne Fabian Berni (verletzt), Ulmann (ZSC Lions). Winterthur ohne Allevi, Homberger, Mettler, Schmidli (alle verletzt), Kobach (krank). GCK in GC Retro-Tenüs vom Meister 1966. Winter Classics auf offener Eisbahn Dolder. 52:45 Timeout Winterthur. 56. Postenschuss Gomes. 58. Pfostenschuss Hayes. Torschüsse: 25:16. Best Players: Kustin Sigrist und Tim Guggisberg.

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