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Der Ärger der Lions über sich selbst

Der ZSC geht zwar als Leader, aber dennoch auch mit unguten Gefühlen in die Nationalmannschaftspause. Das 1:3 in Lugano sorgt bei Trainer und Spielern für Stirnrunzeln.

Enttäuschte Gesichter in Lugano: Die Lions verlieren bei den kriselnden Tessinern 1:3.
Enttäuschte Gesichter in Lugano: Die Lions verlieren bei den kriselnden Tessinern 1:3.
Freshfocus

«Es regt mich auf.» Diesen Satz wird Simon Bodenmann so oder ähnlich in den nächsten vier Minuten vier Mal sagen. Es ist Samstagabend, nach 22 Uhr, der Stürmer der ZSC Lions steht im Garderobengang der Corner Arena, frisch geduscht und grübelnd. Als Leader waren die Zürcher ins Tessin gereist, um den Vorsprung auf die vielen näher gerückten Verfolger im besten Fall zu vergrössern, dies gegen einen HC Lugano, der seit Wochen nur noch als der Krisenclub der Liga galt, weil er zehn der letzten 12 Spiele verloren hatte.

Doch nun hat er den Tabellenersten mit kämpferischen Mitteln niedergerungen – und eben das nervt Bodenmann: «Wir haben kaum Zweikämpfe gewonnen, wir verhielten uns sogar nach den Bullys ganz schlecht, bei denen wir uns viel zu wenig unterstützten.»

Ist es auch Sattheit?

Vielleicht ist es ein wenig auch normale, menschliche Schwäche, die die Mannschaft in den letzten Tagen und Wochen übermannt hat. Erfolg kann bekanntlich auch satt machen. Zuvor hatten die Zürcher mehrere überzeugende Spiele aneinandergereiht, hatten mit viel Spiel- und Lauffreude überzeugt und sich als Lohn die Tabellenführung ersiegt.

«Ich schaute zuletzt nicht gross auf die Tabelle. Jetzt muss ich wohl wieder»

ZSC-Flügel Simon Bodenmann

Nach einem 7:2 zuhause gegen genau dieses Lugano, das die Tessiner vor knapp einem Monat endgültig zum Krisenclub machte, ist ihnen aber nur noch ein wirklich überzeugendes Spiel gelungen, das 5:0 beim ersten Verfolger Davos vorletzten Samstag, ausgerechnet im einzigen Spiel, bei dem der baldige Verlust von Platz 1 drohte. «Ich schaute zuletzt nicht gross auf die Tabelle. Jetzt muss ich wohl wieder», sagt Bodenmann.

Die ZSC Lions zeigten zuletzt typische Symptome einer erfolgreichen Mannschaft, die sich in kleinen Schritten von genau jenem Spiel entfernt, das ihn zuvor auszeichnete. Denn die Zürcher haben auch in Lugano Phasen, in denen sie den Gegner dominieren können, als hätten sie einfach auf den Schalter gedrückt.

Sie kassieren aber auch drei ähnliche Gegentore, bei denen stets schlicht die Zuordnung in der Defensive verloren zu gehen scheint. «Und das ist bedauerlich, weil das genau die Dinge sind, über die wir ja reden», sagt Rikard Grönborg.

«Dann wirst du auch nicht belohnt»

Der Lions-Trainer lobt den Gegner und diese Dringlichkeit im Spiel der Tessiner, das in der Eishockeysprache mit «Desperation» umschrieben wird, Verzweiflung, wobei hier die unbedingte Kampfbereitschaft gemeint ist. «Wir können das auch, aber heute sah ich es fast ausschliesslich in den letzten Minuten, und das ist zu wenig», sagt Grönborg. Er sieht es auch im einmal mehr aggressiven und sehr mutigen Penalty Killing, in dem die Zürcher oft torgefährlicher sind als die in Überzahl agierenden Tessiner.

Kopf lüften: ZSC-Trainer Rikard Grönborg beobachtet am Tag nach der Niederlage den ZSC-Nachwuchs. (Quelle: Rikard Grönborg/Twitter)

Die Special Teams sind die einzigen Highlights der Zürcher an diesem Abend, es gelingen ihnen auch im Powerplay sehr gute Phasen, auch wenn die Tore am Ende ausbleiben. Für Bodenmann hat das etwas Logisches: «Wenn du sonst nicht genug kämpfst, wirst du bei den Chancen auch nicht belohnt.» Und genau: «Das nervt.» Weil: «So, wie wir derzeit drauf sind, haben wir es fast in der eigenen Hand, wir entscheiden darüber, ob wir gewinnen oder nicht.»

Bodenmanns Linie mit Denis Hollenstein, dem gewohnten Partner auf dem anderen Flügel und Dominik Diem, dem wegen der Verletzung Marcus Krügers ungewohnten Center: Sie ist die offensiv auffälligste ZSC-Linie, sie schiesst auch das einzige Tor, als Bodenmann im Schlussdrittel zum 1:3 verkürzt. Und sie ist kaum gemeint, wenn Grönborg auch das sagt: «Es hätte heute geholfen, wenn mehr Spieler etwas beigesteuert hätten.»

Dieses 1:3 in Lugano, es ist das letzte Spiel der Zürcher vor der Nationalmannschaftspause. «Natürlich kannst du nicht eine ganze Saison lang auf Top-Niveau spielen», sagt Bodenmann. «Das hat noch niemand geschafft.» Aber dennoch habe er mit einem guten Gefühl in die freie Woche gehen wollen, herausgekommen sei nun so ein «Sch…-Spiel». Und, ja, auch darum bleibe dieses Fazit: «Das regt auf, das nervt.»

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Verfahren gegen Maxim Noreau

Die ZSC Lions verloren nicht nur das Spiel in Lugano. Sie dürften in den nächsten Partien auch auch Maxim Noreau wegen einer wahrscheinlichen Sperre aus dem Line-up verlieren. Vor dem 2:0-Treffer Luganos durch Sandro Zangger checkte der Zürcher Verteidiger Luganos Stürmer Mauro Jörg nämlich gegen den Kopf – der Bündner schied danach verletzt aus.

Der Check von Maxim Noreau gegen Mauro Jörg.

In der Partie wurde die Aktion von den Schiedsrichtern nach längeren Diskussionen mit einer 2- plus 10-Minuten-Strafe geahndet, aufs Matchblatt kamen nur die 10 Minuten, da die kleine Strafe wegen des unmittelbar danach erfolgten Lugano-Treffers gemäss Reglement wieder gelöscht wurde – Jörg liess sich beim Treffer den zweiten Assist notieren.

Nicht unerwartet eröffnete die Liga nun aber heute Sonntag ein ordentliches Verfahren gegen Noreau wegen Checks gegen den Kopf. Das Resultat wird in den nächsten Tagen erwartet.

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