Eishockey

Das Märchen vom Obersee

Die Lakers sind exzellent in die Saison gestartet, mit drei Siegen aus vier Spielen. Und mittendrin ist mit seinen Geniestreichen Roman Cervenka – dabei war vor kurzem unklar, ob er seine Karriere fortsetzen kann.

Grund zum Jubel nach 19 Sekunden Overtime: Roman Cervenka nach dem 3:2 gegen seinen früheren Arbeitgeber.

Grund zum Jubel nach 19 Sekunden Overtime: Roman Cervenka nach dem 3:2 gegen seinen früheren Arbeitgeber. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Roman Cervenka stiehlt den Puck in der Overtime, braust davon und bezwingt den gegnerischen Goalie souverän. So etwa hatte sich das ZSC-Sportchef Sven Leuenberger vorgestellt, als er den Tschechen im Mai vergangenen Jahres engagierte. Cervenka sollte die Genialität hineinbringen ins Zürcher Spiel, die wegen der Langzeitabwesenheit von Robert Nilsson fehlte.

Und nun spielt Cervenka tatsächlich gross auf, aber nicht mehr im ZSC-Dress, sondern in dem der Lakers. Das schmerzte die Zürcher am Samstag umso mehr, als er sie mit dem 3:2 in die Niederlage stürzte.

Beim ZSC hatte der frühere Weltmeister 16 Spiele gebraucht für sein erstes Meisterschaftstor, bei den Lakers hat er nach vier Spielen schon dreimal getroffen – zuletzt zweimal in der Overtime. Und es entbehrte nicht der Ironie, dass er gegen die ZSC Lions seinem Nachfolger Garrett Roe den Puck abnahm.

Das Risiko als Lakers-Chance

Cervenka hätte sich gut vorstellen können, in Zürich zu bleiben, doch er bekam kein Vertrags­angebot mehr. Primär wegen ­seiner fragilen Gesundheit. Ein Stockschlag in die Wade hatte bei ihm eine Thrombose ausgelöst, die eine Lungenembolie zur Folge hatte und ihn die Hälfte der Saison in Zürich verpassen liess. Zudem brauchten die Lions nach dem verpatzten Winter neue Hoffnungsträger. Das Risiko, das Cervenka darstellt, war die Chance für die Lakers, die sonst kaum zu einem Ausländer solchen ­Kalibers gekommen wären.

Er habe mit seiner Familie möglichst im Raum Zürich bleiben wollen, sagt der 33-Jährige. Auch wegen Sohn Denis, dem es hier so gut gefalle. Der Sechs­jährige besucht nun die erste Klasse in einer Montessori-Schule, auf Deutsch. Und so beschaulich Rapperswil-Jona ist, es bietet Cervenka auch die Möglichkeit, seine Karriere in aller Ruhe nochmals zu lancieren. Er sagt: «Ich hatte ein gutes Gefühl, dass ich diesem Team etwas bringen kann.»

Die Basis der Lakers ist weiter eine solide Defensive. Mit Cervenka ist nun einer dazugekommen, der mit seinen Geniestreichen Spiele entscheiden kann. Nach vier Partien haben sie schon drei Siege eingefahren – dafür hatten sie in der ersten Saison nach dem Aufstieg 19 Spiele gebraucht. «Diese Punkte geben uns Vertrauen», sagt Cervenka. «Sie zeigen, dass wir mit allen mithalten können. Aber wir müssen demütig bleiben.»

Die Signale des Körpers

Er spricht damit wohl auch seine eigene Situation an. «Im Moment bin ich gesund», sagt er. «Aber ich achte nun viel stärker auf die Signale meines Körpers. Wenn etwas ist, gehe ich sofort zum Arzt. Hätte ich das früher auch getan, hätte ich zwar eine Thrombose gehabt, aber keine Lungenembolie. Und dann wäre ich nur ein paar Wochen ausgefallen.»

Als er bei den ZSC Lions im Februar sein Comeback gab, musste er vor den Spielen den Blutverdünner absetzen. Denn das Risiko, wenn er einen Schlag erhalten oder einen Schnitt erlitten hätte, wäre zu gross gewesen. Auch in Rapperswil nimmt Cervenka Blutverdünner, um die gerinnende Wirkung des Blutes herabzusetzen und die Gefahr einer weiteren Thrombose zu verringern. Allerdings sind die Medikamente nicht mehr so hoch dosiert.

«Es geht mir gut», sagt ­Cervenka. Er nimmt Tag für Tag. Und das dürfte auch das Motto der Lakers sein. Der Samstag war ein sehr guter Tag.

Erstellt: 23.09.2019, 13:02 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.