Kloten

Bittere Rückkehr nach Kloten

Neun Saisons stürmte Michael Liniger für die damaligen Flyers. Nun stand er als Chefcoach der GCK Lions in Kloten an der Bande – und erlebte ein 0:1.

In neuer Rolle am alten Ort: Klotens einstiger Vize-Captain Michael Liniger kehrte als GCK-Lions-Chefcoach in die Swiss-Arena zurück.

In neuer Rolle am alten Ort: Klotens einstiger Vize-Captain Michael Liniger kehrte als GCK-Lions-Chefcoach in die Swiss-Arena zurück. Bild: Urs Brunner

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Zwei Dinge wollte Michael Liniger in seinem zehnten Saisonspiel unbedingt vermeiden: defensive Aussetzer und schlechte Chancenverwertung. Sie hatte der Jungtrainer als bisherige Hauptübel seiner jungen Mannschaft erkannt. Immerhin Ersteres muss er in Kloten nicht erleben. Erfolg ist dem 39-Jährigen dennoch nicht vergönnt. Denn etwas Drittes führt seine GCK Lions in die fünfte Niederlage in den letzten sechs Spielen: jede Menge Pech.

Der Schuss von Steve Kellenberger findet den Weg ins Lions-Tor nämlich nur, weil der Puck zuvor von Fuhrers Schlittschuh abgelenkt wird (12.). Der einzige Treffer des Startdrittels ist karger Lohn für ein überlegenes Heimteam. Doch er etabliert die Kräfteverhältnisse. Liniger, als Spieler am Schluefweg dreimal im Playoff-Final, erlebt danach die Ohnmacht des Trainers – aber keine weiteren Tore mehr.

Der EHC Kloten stürmt derweil an die Tabellenspitze – so weit stürmen bei einem minimalistischen 1:0 das treffende Wort sein kann. Er schliesst nach Punkten zu Leader Ajoie auf.

Vom Stürmer zum Chefcoach

So endet das Rendez-vous zweier ehemaliger Partner bloss für den Club halbwegs erfreulich. Für den Trainer datieren die guten gemeinsamen Erlebnisse weiter zurück. Neun Jahre verbrachte er als Stürmer und Leader in der Flughafenstadt, prägte Klotens erfolgreichste Ära des Jahrtausends, wäre gerne geblieben. Doch 2016 hatte die nordamerikanische Clubführung andere Pläne – den Ausstieg aus dem EHC, wie sich zeigte.

Liniger erhielt ein Angebot vom Farmteam des ZSC – erst als Spieler, dann im Trainerstab, seit diesem Sommer als Chef. Und das Wiedersehen mit Kloten kam ja dann schneller, als bei der Trennung irgendjemand ahnte. Wenn Liniger die Klotener heute «eines der Top-Teams der Liga» nennt, dann spricht er von der Swiss League.

Die fünfte Saisonniederlage

Auf dem Eis wird der EHC diesem Attribut nur im Startdrittel gerecht. Danach entwickelt sich ein umkämpfter, aber wenig hochklassiger Schlagabtausch –im Schlussdrittel sogar im Wortsinn, als Klotens Simon Kindschi und Verteidiger Alexander Braun die Fäuste sprechen lassen. Weit weniger unterhaltsam ist dagegen das Klotener Powerplay, das es in dieser Phase unter anderem verpasst, eine 5:3-Überzahl zum beruhigenden 2:0 zu nutzen.

Am Ende profitiert die Mannschaft von Trainer Per Hanberg, davon, dass die Gegner Linigers zweiten Vorsatz nicht umsetzen können. Die Chancenverwertung bleibt das grosse Manko der GCK Lions, die in den letzten Schlussminuten mehrfach freie Bahn zum Tor erhalten. Doch Axel Simic, Antonio Rizzello: Victor Bäckman: Sie alle scheitern an Goalie Dominic Nyffeler, der seinen zweiten Saison-Shutout feiert.

«Bitter, sehr bitter», findet Liniger danach die fünfte GCK-Niederlage in diesem fünften Swiss-League-Derby seit dem Klotener Abstieg. Er müsse lernen, dass er nicht alles beeinflussen könne, hatte er vor der Partie gesagt. Man dürfe schlechte Leistungen nicht persönlich nehmen, «sonst zerfleischt man sich selbst».

«Oft noch zu sehr Spieler»

Bei diesem 0:1 erfährt Liniger, wie bitter auch gute Leistungen für einen Trainer schmecken können. Er erzählt von seinem Time-out im Mitteldrittel, als sein Team eine Klotener Druckperiode irgendwie – auch dank dem starken Wolfgang Zürrer im Tor – überstand. Er lässt die Chancen der Schlussphase noch einmal Revue passieren. Und er stellt fest, dass er Mühe hat, die doch beschränkten Einflussmöglichkeiten eines Coaches einfach zu akzeptieren: «Das muss ich schon noch etwas lernen, da bin ich oft noch zu sehr Spieler.»

Besonders war diese Rückkehr nach Kloten auf jeden Fall. «Ich kenne immer noch so viele Menschen hier», sagt Liniger, «und von der Bank auf die Zuschauerränge zu blicken, ist ein wunderschönes Gefühl.» Wenn er genau geschaut hat, konnte er hoch unter dem Hallendach Rikard Grönborg entdecken. Der ZSC-Trainer nutzte den spielfreien Tag zum Scouting des Farmteams. Er sah den neuen Co-Leader der Swiss League. Und er sah einen aufgewühlten jungen Kollegen, der das naheliegendste Wort nie in den Mund nahm: Pech.

Linigers Lernprozess ist in vollem Gang.

Spieltelegramm:

Kloten - GCK Lions 1:0 (1:0, 0:0, 0:0)
Swiss-Arena. – 4163 Zuschauer. – SR Erard, Hendry, Kehrli/Haag. – Tor: 12. Kellenberger (Steiner) 1:0. – Strafen: 3×2 plus 1×10 (Steiner) gegen Kloten, 5×2 plus 1×10 (Braun) gegen GCK Lions. – Kloten: Nyffeler; Stämpfli, Ganz; Grossniklaus, Kindschi; Steiner, Kälin; Knellwolf, Faille, Lehmann; Sturny, Forget, Marchon; Kellenberger, Sutter, Obrist; Halberstadt, Lemm, Krakauskas; Mettler. – GCK Lions: Zürrer; Braun, Büsser; Widmer, Sidler; Geiger, Peter; Berni, N. Meier; Hayes, Backmann, Brüschweiler; Suter, Sigrist, Simic; Hinterkircher, Fuhrer, Rizzello; Puide, Chiquet, Riedi. – Bemerkungen: Kloten ohne Wetli (krank), Figren, Back, Staiger, Füglister, Brunner (alle verletzt) und Janett (überzählig). GCK Lions ohne Mathew, Andersson, Zumbühl, Burger (alle verletzt), Hardmeier, Diezi, J. Meier, Marchand, Oana (alle abwesend). – 31. Lattenschuss Kellenberger. 32. Time-out GCK Lions. GCK Lions ab 59:10 ohne Goalie.

Erstellt: 08.10.2019, 23:19 Uhr

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