Eishockey

«Bekam richtiggehend Albträume»

Mit Leo Schumacher steht bei den GCK Lions seit dieser Saison eine Schweizer Trainerlegende und ein ausgewiesener Ausbildner an der Bande. Der 64-Jährige weist über vier Jahrzehnte Berufserfahrung auf.

Ein Mann mit riesigem Erfahrungsschatz: Leo Schumacher, seit dieser Saison Headcoach der GCK Lions, ist seit über 40 Jahren Profitrainer.

Ein Mann mit riesigem Erfahrungsschatz: Leo Schumacher, seit dieser Saison Headcoach der GCK Lions, ist seit über 40 Jahren Profitrainer. Bild: Silvano Umberg

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Was können Sie besser als Ihre Spieler?
Leo Schumacher: Den Match analysieren, Fehler im Spiel erkennen. Und coachen natürlich.

Und was können Ihre Spieler besser als Sie?
Schlittschuh laufen. Sie haben auch die bessere Technik und mehr Kraft. Und sie können besser gamen. (schmunzelt)

Ihr grösster Erfolg?
Der Aufstieg mit Chur in die Nationalliga A. (1991; Red.)

Und im Leben?
Sind es meine zwei Söhne, die super rausgekommen sind. (Der ältere hat die Nachfolge seines Vaters als Headcoach der Elite-A-Junioren des EVZ übernommen, der andere ist erst 14-jährig, spielt Golf und fährt Ski; Red.)

Wann werden Sie nervös?
Wenn das Training oder der Match nicht so laufen, wie ich mir es vorgestellt habe. Wenn das Tempo, die Konzentration fehlt. Ich schaue dann nicht lange zu, sondern tue das kund.

Was macht Sie sprachlos?
Kaum etwas. Am ehesten bin ich es, wenn ich einen Spieler sehe, der in seiner Entwicklung stehen bleibt, obwohl das Talent da wäre. Meist ist es eine Kopfsache. Und da muss der Spieler selber einen Weg finden.

Ihr erster Berufswunsch?
Ich lernte Hochbauzeichner, machte dann eine Zusatzlehre als Maurer – mit dem Ziel, Bauführer zu werden. Mein wirklicher Traumjob war das aber nicht. Meine absolute Leidenschaft war immer das Eishockey.

Wie sind Sie zum Eishockey gekommen?
Ich wuchs unweit von Zug in Steinhausen auf. Irgendwann sprach es sich herum, dass es in Zug eine neue Eisbahn gibt. Sonst lief nicht viel, also gingen alle dorthin. Und Eiskunstlauf war nicht so mein Ding. (lacht)

Was fasziniert Sie am Eishockey?
Die Schnelligkeit. Es ist der schnellste Sport der Welt – auch im Kopf, man muss blitzschnell Entscheidungen treffen. Zudem ist es ein Kampfsport. Und ich war schon immer ein Kämpfer, wollte mich stets beweisen.

Und warum sind Sie Trainer geworden?
Als 20-Jähriger, ich spielte damals bei Zug an der Schwelle zur NLB, bekam ich gröbere Probleme mit den Knien. Der Arzt riet mir zum Aufhören. Ich erhielt dann die Möglichkeit geboten, die Moskitos zu trainieren. Ein Jahr machte ich das als Amateur, dann konnte ich bereits den ersten Profivertrag unterschreiben. Ich wäre aber wohl auch Trainer geworden, wenn ich länger hätte spielen können. Denn Taktik interessierte mich schon sehr früh, ich wollte immer alles wissen. Die sechsjährige Berufslehre war jedoch nicht für die Katz. Ich sammelte wichtige Erfahrungen, da ich schon mit 21 ganze Baustellen leiten durfte. Da lernte ich, zu führen und mich durchzusetzen.

Haben Sie den Entscheid, Trainer zu werden, jemals bereut?
Nein, nie.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Ein sehr spezieller Moment war, als Luca Sbisa seinen ersten NHL-Einsatz hatte. Er war lange mein «Schüler», ich hatte ihn einst vom Stürmer zum Verteidiger umfunktioniert. Hühnerhaut habe ich aber auch, wenn andere Ehemalige in der höchsten Schweizer Liga etwas reissen.

Und welches war die grösste Enttäuschung?
Nach dem Aufstieg mit Chur erhielt ich sehr wenig Zeit, obwohl die Mannschaft kaum verstärkt worden war. Bereits im Oktober wurde ich nach einer Niederlagenserie fristlos entlassen. Insgesamt war ich in meiner Trainerkarriere aber nur während dreier Monate arbeitslos.

Die Mehrheit der Zeit waren Sie beim EV Zug engagiert, seit dem Jahr 2000 ausschliesslich. Was bewog Sie nun dazu, zu den GCK Lions zu wechseln?
Ich hatte schon früher Kontakt mit den GCK Lions. Peter Zahner (CEO der ZSC-Lions-Organisa­tion, deren Farmteam die GCK Lions sind; Red.) ist ein Trainerfreund von mir. Wir haben uns schon immer gut verstanden, sprechen die gleiche Sprache. Auch Edgar Salis (den mittlerweile zurückgetretenen ZSC-Sportchef; Red.) kenne ich gut, und Simon Schenk (bis vergangenen Winter Sportchef der GCK Lions; Red.) wollte mich. Das Problem war, dass meine Frau unseren jüngeren Sohn nicht in Zürich aufziehen wollte und das Pendeln für mich damals nicht infrage kam. Nun geht das besser. Der Job bei GCK ist für mich ein «Geschenk des Himmels».

Inwiefern?
Es war klar, dass in Zug mein Trainervertrag mit dem Erreichen des Pensionsalters auslaufen und ich danach in anderer Funktion weiterbeschäftigt würde. Beim Gedanken daran, künftig kein Team mehr coachen zu können, bekam ich irgendwann richtiggehend Albträume. Deshalb bin ich den EVZ-Verantwortlichen sehr dankbar, dass man mich aus dem Vertrag liess und ich nun weiterhin als Trainer wirken kann.

Erstmals seit der Saison 1998/99, als Sie nach Ueli Schwarz’ Rücktritt den SC Bern bis zum Meisterschaftsende betreuten, sind Sie nun wieder bei den Aktiven Headcoach. Was ist anders als im Nachwuchs?
Grundsätzlich ist meine Rolle hier die gleiche wie jene bei der Zuger Elite-A. Es geht darum, junge Spieler weiterzubringen. Nun sind sie einfach ein bisschen älter – und ich habe ausserdem einige Routiniers, die als verlängerter Arm von mir auf dem Eis wirken können. Ein weiterer Unterschied: Wir müssen auch Erfolg haben. Das gehört auch zur Ausbildung eines Spielers. Dieser Punkt wurde meiner Ansicht nach bei den GCK Lions in den letzten Jahren etwas vernachlässigt. Es gibt ja keinen Absteiger. Da besteht die Gefahr, sich etwas zurückzulehnen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Saisonstart?
Wir begannen gut (drei Siege aus den ersten vier Partien; Red.). Nach den vier Niederlagen in Folge befürchtete ich etwas, das Team könnte wieder ins alte Fahrwasser geraten. Am Dienstag gab es aber mit dem Auswärtssieg gegen Ajoie die richtige Antwort.

Nun folgt heute das Heimspiel gegen die SCRJ Lakers, den souveränen Leader. Welche Erwartungen haben Sie an das erste Zürichseederby der Saison?
Rappi hat sicher eine Topmannschaft – Sven Lindemann, Corsin Casutt, Michael Hügli und Florian Schmuckli sind übrigens ehemalige Spieler von mir. Dennoch oder gerade deshalb dürfen wir uns aber keinesfalls verstecken. Wir müssen zeigen, dass auch wir Eishockey spielen können. Aber klar, um zu gewinnen, müsste sicher alles für uns laufen.

Wie vertreiben Sie sich die Zeit auf der Heimfahrt von einem Auswärtsspiel?
Mit Lesen. Und falls meine Augen dazu zu müde sind, jasse ich auf dem iPhone. Von Eishockey will ich in dieser Zeit nichts wissen. Die Analyse nehme ich jeweils erst am nächsten Morgen vor – mit einer gewissen Distanz.

Was sind Ihre Hobbys?
Golf und die Familie. Da bei uns alle spielen, lässt sich das wunderbar verbinden.

Ihr Lieblingssong?
Der änderte immer wieder mal. Seit jeher einer meiner Favoriten ist Freddie Mercury.

Ihr Lieblingsfilm?
«Spiel mir das Lied vom Tod». Den habe ich bestimmt schon sieben- oder achtmal gesehen.

Ihr Lieblingsbuch?
Oft lese ich Werke von Adler-Olsen. Im Moment bin ich aber am Thriller «Ich bin der Zorn» von Ethan Cross dran.

Ihr Lebensmotto?
Suchte ich nach einem Spruch, gäbe es viele, die mir gefallen würden. Ich bin ein sehr positiver, aufgestellter Mensch. Und ich mag jedem den Erfolg gönnen – sofern er das Produkt akribischer Arbeit ist.

Welches Thema beschäftigt Sie aktuell am meisten?
Der Umweltschutz. Wir gehen viel zu sorglos mit unserem Planeten um. Ich werde die Auswirkungen vielleicht nicht mehr so stark zu spüren bekommen, aber meine Söhne. Deshalb versuche ich mit gutem Beispiel voranzugehen und meinen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.10.2017, 07:37 Uhr

Worum Gehts?

Zum zehnten Mal seit dem Abstieg der St. Galler aus der höchsten Liga kommt es heute Abend (20 Uhr, KEK) zum Duell zwischen den GCK Lions und den SCRJ Lakers. Alle bisherigen Zürichsee-Derbys gingen aufs Konto des Teams aus Rapperswil-Jona (44:12 Tore), einmal (5:4 nach Penaltys am 27. Dezember 2015) ergatterten sich die Zürcher zumindest einen Punkt.

Die Lakers reisen als Tabellenführer nach Küsnacht. Sie haben sieben ihrer acht Meisterschaftspartien gewonnen, zuletzt sechs in Serie. Die GCK Lions erwischten zunächst ebenfalls einen guten Saisonstart (acht Punkte nach vier Spielen). Danach lief der Puck aber nicht mehr für sie, sprich es resultierten vier mehrheitlich knappe Niederlagen. Am Dienstag durchbrachen sie allerdings die Negativserie mit einem 4:3-Erfolg in Pruntrut gegen den Tabellenneunten Ajoie. Die Zürcher selber liegen nach neun Partien auf Rang 7, also auf einem Playoff-Platz – und damit dort, wo sie auch am Ende der Qualifikation stehen wollen. Ein wichtiger Faktor diesbezüglich ist sicher, dass sie heuer wieder (mehrheitlich) auf zwei Söldner zählen können; den Amerikaner Ryan Hayes und den Kanadier Pascal Pelletier.(su)

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