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Auf Klotens Exit folgt der Aderlass

Eine Woche nach dem ­Abstieg verlassen Talente den EHC. Dominik Egli und Andri Spiller bleiben kaum allein.

Wer wird den Verein nun nach dem Abstieg verlassen?
Wer wird den Verein nun nach dem Abstieg verlassen?
Keystone

Es herrscht Funkstille in Kloten. Auf der Website des EHC deutet nichts auf den grössten Umbruch der Clubgeschichte hin – dabei ist es genau eine Woche her, dass der EHC nach 56 Jahren aus der höchsten Liga verbannt wurde. Eine ­Woche, die mit einer Medienkonferenz begann, an der sich der neue Sportchef Felix Hollenstein 14 Tage Zeit gab. Dann wollte er seine Schweizer Spieler für die Swiss League beisammen haben. ­Bekannt aber sind bislang erst Abgänge, seit gestern zwei schmerzliche mehr.

Es drohen weitere Abgänge

Der eine heisst Dominik Egli. Der 19-Jährige, in der Ligaqualifikation produktivster Verteidiger des EHC (3 Punkte aus 7 Spielen), unterschrieb für zwei Saisons bei Biel. Klotens einziger Vertreter an der U-20-WM war realistischerweise kaum zu halten, trotzdem tut sein ­Abgang dem Club weh. Denn er zeigt, dass junge Spieler mit grossem Potenzial dieses ­lieber eine Liga höher entwickeln.

Gleiches gilt für Andri Spiller. Der 22-Jährige lief zwar bloss dreimal für den EHC auf, gehörte im Playout aber zu den Auffälligsten und untermauerte das mit Skorerpunkten. Ein gebrochenes Handgelenk beendete seine Saison jäh, nun wird der treffsicherste Schweizer der Swiss League (26 Tore) für die Rapperswil-Jona Lakers stürmen.

Die Abgänge von Egli und Spiller ­bleiben kaum die letzten. Für Stürmer Thierry Bader (20) gibt es mehrere Interessenten in der National League, Tim Bozon kommt seinem Ziel Nordamerika aus der zweithöchsten Schweizer Liga ebenfalls nicht näher, und von jenen, die im Laufe der Saison neu beim EHC unterschrieben, stösst am ehesten Jeffrey Füglister tatsächlich zum Team. Der 28-Jährige war bei Langenthal in der Swiss League ein zuverlässiger Skorer, Kloten ist sein Stammclub.

Helbling will sich Zeit lassen

Die anderen vermeintlichen Zuzüge, die nun ohne Vertrag dastehen, haben attraktive Alterna­tiven. An Nicolas Steiner (26) zeigt Lausanne Interesse. Benoit Jecker (23) wird zwar nicht in Biel bleiben, aber keine Mühe haben, einen erstklassigen Arbeitgeber zu finden. Und bei Timo Helbling fragt sich grundsätzlich, ob er zum Karrierenende noch Swiss League spielen möchte – falls ja, könnte auch Stammclub Olten eine Option sein. Der 36-Jährige will sich mit seiner Entscheidung Zeit lassen.

Und so steht Sportchef Hollenstein zum Einstand vor einer Mammutaufgabe. Er muss nach einer trauma­tischen Saison vermitteln, dass Kloten auch in der Swiss League gute Perspektiven bietet. Er muss Schlüsselspieler identifizieren und von diesem Projekt überzeugen – Steve Kellenberger und Roman Schla­genhauf zum Beispiel. Und er muss ­diesen Schlüsselspielern den Verbleib auch finanziell schmackhaft machen. Also Löhne bieten, die sich in der Nähe ihres letztjährigen NL-Salärs bewegen. Bei einem Budget, das mit gut 4 Millionen Franken für die erste Mannschaft um über die Hälfte schrumpft.

Die Fragezeichen hinter den Spitzenspielern

Äussern tun sie sich in Kloten derzeit nicht zu Personalfragen. «Wir sind mitten in den Gesprächen und geben keine Wasserstandsmeldungen», sagt CEO Pascal Signer, versichert aber: «Wir sind alle voll dran.» Damit meint er auch die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle oder André Rötheli, dessen Vertrag als Cheftrainer nach wie vor nicht unterschrieben ist. Nächste Woche, so hofft Signer, sollen erste Personalien spruchreif sein.

Ist es überhaupt denkbar, dass langjährige Spitzenspieler wie Tim Ramholt oder Morris Trachsler (beide 33) zweitklassig spielen mögen? Erlebt René Back (35) nach dem Abstieg ein spätes Karriere-Revival? Gelingt es Romano Lemm, sich in der Swiss League neu zu erfinden? Können Edson Harlacher, Marc Marchon und Patrick Obrist künftig Leistungsträger sein? Zu einem guten Preis?

Beim EHC sammeln sie im Stillen Antworten auf diese Fragen. Und wissen doch: Viele Neins können sie sich nicht leisten, wenn es mit der angestrebten Rückkehr in die National League wirklich einmal klappen soll.

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