Eishockey

Auch am Tag danach ein Auf und Ab

Die Gefühlsachterbahn ging für die Lakers auch am Tag nach der bitteren Niederlage im dramatischen siebten Finalspiel weiter. Stolz und Enttäuschung wechselten sich immer wieder ab.

Wieder und wieder wiederholt sich das entscheidende Gegentor vor Jeff Tomlinsons geistigem Auge.

Wieder und wieder wiederholt sich das entscheidende Gegentor vor Jeff Tomlinsons geistigem Auge. Bild: Keystone

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Mit dem Einschlafen habe erkeine Mühe gehabt, verriet SCRJ-Headcoach Jeff Tomlinson gestern: «Ich war total fertig, als ich zu Bett ging.» Dies sei um circa 2.30 Uhr gewesen. Zuvor hätten sie (der Staff und die Spieler) noch zusammen mit den Fans «Wunden geleckt». Rund 200 Personen fanden sich weit nach Mitternacht bei der SGKB-Arena ein, um die Mannschaft in Empfang zu nehmen. Zuvor war das Team schon in Langenthal von den über 1000 mitgereisten Fans mit aufmunternden Gesängen und tosendem Applaus bedacht worden.

«Unsere Fans sind für mich neben der tollen Leistung unserer Mannschaft in diesem Final das Highlight dieser Saison», zeigt sich Markus Bütler beeindruckt. Der Lakers-Geschäftsführer verfolgte die alles entscheidende siebte Partie vor Ort auf der Tribüne. «Ein unglaub­licher Match. Da war alles drin.» Nur der Ausgang habe nicht gestimmt. Er verspüre auch am Tag danach noch eine riesige Enttäuschung und Leere. Zu akzeptieren, dass die Saison nun vorbei sei, falle ihm schwer.

Begeisterung entfacht

Bütler denkt dabei nicht zuletzt an die Finanzen. Die beiden garantierten Heimspiele gegen Ambri in der Ligaqualifikation hätten dem Klub ziemlich sicher schwarze Zahlen ermöglicht – weil das Interesse wohl gross und Saisonkarten nicht mehr gültig gewesen wären. Nun wird ein Verlust resultieren. «Wie hoch dieser genau ausfällt, werden wir erst in ein paar Wochen sehen, wenn alles abgerechnet ist. Er dürfte aber im Rahmen des Budgets (circa –400 000 Franken; Red.) liegen», sagt Bütler dazu.

Gute Neuigkeiten gibt es dafür bezüglich der angestrebten Budgeterhöhung für kommende Saison um rund zwei Millionen Franken, wobei circa die Hälfte in die Mannschaft investiert werden soll. Es seien bereits erste Absichtserklärungen unterzeichnet. Mehreinnahmen erhoffen sich die Lakers aber auch durch dasTicketing. In diesen Playoffs sei in der Stadt wieder grosse Begeisterung fürs Eishockey zu spüren gewesen. Das Interesse der Bevölkerung, Medien und auch Sponsoren sei gestiegen. «Es wäre schön, wenn diese positive Stimmung über den Sommer erhalten bliebe und sich dann im Saisonkartenverkauf niederschlagen würde.» Glücklich wäre Bütler mit einem Zuschauerschnitt von knapp über der 3000er-Marke. Diese Saison lag er in der Qualifikation bei 2684, verbesserte sich dank der acht gut besuchten Playoff-Heimspiele (3681) schliesslich auf 2933.

Dass zusätzliches Geld notwendig ist, um im Frühling 2018 den zum Ziel gesetzten Aufstieg tatsächlich zu realisieren, steht für Bütler, Tomlinson wie auch Sportkoordinator Roger Maier ausser Frage. «Es wird nächste Saison sicher nicht einfacher. Die Konkurrenz schläft nicht. Kommt hinzu, dass ja dann in der Ligaqualifikation mit drei Ausländern gespielt werden darf. Alleine dadurch entstehen Mehrkosten», begründet Maier. Zudem habe diese Saison gezeigt, dass die Mannschaft mehr Tiefe brauche, aber auch robuster werden müsse, um im dritten Jahr auch die letzten beiden Hürden auf dem Weg zurück in die NLA meistern zu können. Auch das koste. (Mehr zur Kaderplanung siehe Kasten unten.)

Stolz – und Enttäuschung

Zurück zu Tomlinsons Nacht. Diese war trotz ringen Einschlafens kurz. «Nach zwei, drei Stunden wachte ich auf, und dann war es vorbei mit Erholung», berichtet der Deutschkanadier. Tausend Gedanken seien in seinem Kopf gekreist. Speziell die match­entscheidende Szene lief immer wieder vor dem geistigen Auge ab. «Der Fehler passierte in der neutralen Zone. Da verloren wir den Mann.» Er habe noch gehofft, dass Keeper Melvin Nyffeler Pierrick Pivron stoppen könne, «doch dann sah ich das Netz zappeln – und vorbei wars».

Am Tag danach wechselten sich beim Trainer dann zwei Gefühle immer wieder ab: der Stolz auf die Mannschaft («Sie hat unglaublich gekämpft und sich während der Saison extrem weiterentwickelt») und riesige Enttäuschung. Diese Gefühlsachterbahn durchlebte Tomlinson nicht zuletzt darum mehrfach, weil er gestern begann, mit den Spielern Einzelgespräche zu führen, bevor diese am Wochenende in die Ferien «entlassen» werden. Dies tut der 46-Jährige vor allem mit Blick auf die kommende Saison, die am 8. Mai mit dem Start des Sommertrainings lanciert wird. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.04.2017, 16:18 Uhr

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Lakers-Kader 2017/18

Trainer: Jeff Tomlinson (CAN/Vertrag bis 2018). – Assistenztrainer: Robin Farkas (CAN/2018).
Torhüter (2): Melvin Nyffeler (2019), Beat Trudel (2019).
Verteidiger (8): Sven Berger (2019), Thomas Büsser (2019), Jorden Gähler (2019), Cyrill Geyer (2018), Nico Gurtner (2018), Fabian Maier (2018), Rajan Sataric (2018), Florian Schmuckli (2018).
Stürmer (12): Jared Aulin (CAN/2018), Corsin Casutt (2018), Michael Hügli (2018), Cédric Hüsler (2018), Dion Knelsen (CAN/2019), Sven Lindemann (2019, Option bis 2020), Steve Mason (2019), Josh Primeau (2019), Leandro Profico (2019), Antonio Rizzello (2019), Jan Vogel (2018), Gianluca Zanzi (2018).
Zuzüge (7): Berger (Ambri-Piotta/NLA), Büsser (Winterthur/NLB), Gähler (Winterthur/NLB), Lindemann (SCL Tigers/NLA), Primeau (Langenthal/NLB), Schmuckli (EVZ/NLA), Trudel (Elite-Junioren).
Abgänge (8): Niki Altorfer (Visp/NLB), Yves Bader (?), Nicola Brandi (Auslandjahr), Patrick Blatter (Winterthur/NLB), Reto Schmutz (Ajoie/NLB), Janick Schwendener (Thurgau/NLB), Thomas Studer (Thurgau/NLB), Michael Tobler (?).
Noch offen: Elia Auriemma (Antwort des Spielers hängig), Lars Frei (Vertrag läuft wegen Unfall weiter; Gespräche werden aufgenommen, sobald er wieder gesund ist), Tim Grossniklaus (Interesse von Klubseite da), Luka Hoffmann, Ryan McGregor (abhängig von Alternativen auf dem Markt).
Bemerkungen: Angestrebt wird ein Kader mit 12 bis 13 Verteidigern und 14 bis 15 Stürmern (inklusive zwei bis drei Rookies aus dem eigenen Nachwuchs). Bei Profico ist noch offen, ob er als Stürmer oder Verteidiger auflaufen wird.

Gros des Teams steht

Die Vorgabe für kommende Saison klar und heisst: Wiederaufstieg.

Das Gros der Mannschaft, welche die Rückkehr in die NLA bewerkstelligen soll, steht bereits. Zwei Torhüter sowie – sofern Leandro Profico tatsächlich in den Angriff wechselt – acht Verteidiger und (der Langzeitverletzte Lars Frei nicht mitgezählt) zwölf Stürmer ­haben die Lakers für die Saison 2017/18 unter Vertrag. Ausgereizt ist der finanzielle Spielraum damit aber noch nicht. Sechs bis acht weitere Feldspieler könnten dazukommen, wobei die eine Hälfte aus sogenannten Rookies, sprich Junioren, bestehen soll und die anderen aus Verstärkungsspielern.

Bei der Suche nach Letzteren wollen sich die Verantwortlichen Zeit lassen. Zum einen, «weil der Markt im Moment nicht viel hergibt», wie Sportkoordinator Roger Maier betont. Zum anderen, weil das Geld mit Bedacht ausgegeben werden muss und man sich nicht um die Chance bringen will, später allenfalls einen «Top Shot» zu verpflichten. «Es gibt immer wieder Spieler, die bei einem NLA-Team zwischen Stuhl und Bank fallen», erklärt der ebenfalls in der für die Transfers zuständigen Sportkommission sitzende Geschäftsführer Markus Bütler.

Früher als diese Saison, sprich bis spätestens Mitte Januar statt erst nach Qualifikationsende, soll ein dritter Ausländer zum Team stossen. Dieser muss dann nicht nur Notnagel im Verletzungsfall sein, sondern in der Ligaqualifikation, die neu mit drei Ausländern gespielt werden darf, Entscheidendes zum Aufstieg beitragen.

Aktuell stehen sieben Zuzügen (der prominenteste ist Sven Lindemann von den SCL Tigers) acht Abgänge gegenüber. Bei vier bisherigen Spielern ist die Situation noch ungeklärt. Mit Ryan McGregor und Tim Grossniklaus laufen Gespräche, Elia Auriemma wurde ein Angebot unterbreitet, angeblich soll dieser aber bereits bei den Ticino Rockets unterschrieben haben. (su)

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