Rapperswil-Jona

Rücktritt nach Drohungen im Internet

Noch ist der ­Abstieg Rapperswil-Jonas in die NLB nicht in Stein gemeisselt. Doch ausgerechnet in der Phase, in welcher auf sportlicher Ebene um Sein oder Nichtsein gekämpft wird, geht es im Umfeld der Mannschaft drunter und drüber.

Lucas H. Schluep ist nach den Vorfällen vom Montag von seinem Amt als VR-Präsident der Rapperswil-Jona Lakers zurückgetreten.

Lucas H. Schluep ist nach den Vorfällen vom Montag von seinem Amt als VR-Präsident der Rapperswil-Jona Lakers zurückgetreten. Bild: Kurt Heuberger

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Die Nerven liegen blank. Während der dritten Partie der Ligaqualifikation gegen die SCL Tigers, welche wie bereits die beiden vorangegangenen mit einer knappen Niederlage Rapperswil-Jonas zu Ende gehen sollte, ­geriet VR-Präsident Lucas H. Schluep hoch oben in den Logen der Diners-Club-Arena mit einem Gast aneinander. Augenzeugen berichten, dass Schluep den Zuschauer am Ohr gepackt und ihm verbal gedroht habe. Da sich die beiden Involvierten schnell einmal wieder beruhigt hätten, sei die Situa­tion nicht eskaliert.

Von diesem Vorfall hat auch Konrad Müller Kenntnis. Der Verwaltungsrat der Lakers Sport AG bestätigt, dass es zu einem «Ohrenzupfer» gekommen sei. Dabei habe es sich aber primär um eine Abwehrreaktion von ­Schluep gehandelt. «Lucas ­Schluep ist nicht handgreiflich geworden. Im Gegenteil, er musste sich zur Wehr setzen. So zumindest hat man mir gegenüber den Vorfall geschildert», sagt Müller, der nicht persönlich zugegen war. Dass Schluep und seine anwesenden Familienmitglieder im Anschluss an die dritte Nieder­lage in der Serie von Polizisten zum Auto eskortiert werden mussten, war der traurige Höhepunkt eines für den St. Galler NLA-Klub auf allen Ebenen äusserst unerfreulichen Ostermontags.

Bestätigung mit Verspätung

Tags darauf wurde um exakt 11.03 Uhr über den offiziellen Twitter-Account der Lakers der Rücktritt von Schluep verkündet – und nur eine Minute später wieder gelöscht ... (siehe Kasten) Medienanfragen wurden mit Verweis auf die noch immer geltende «Silenzio stampa» abgewiesen, ehe gestern kurz vor Mittag die offizielle Bestätigung mittels Medienmitteilung folgte. In dieser wird der Rücktritt des VR-Präsidenten begründet: «Zum Schutz seiner Person und mit Rücksicht auf seine Familie tritt Lucas H. ­Schluep mit sofortiger Wirkung zurück. Wo persönliche Integrität nicht gewahrt wird und Familienangehörige verleumdet und verunglimpft werden, ist die Grenze des Zumutbaren überschritten.»

Gemäss Müller seien auf Internet-Foren «massive Drohungen» gegen die Vereinsführung und namentlich gegen Schluep veröffentlicht worden, worauf dieser seinen Rücktritt bekannt gegeben habe. «Wir können den Entscheid nachvollziehen, auch wenn wir ihn zutiefst bedauern», sagt Müller. Schluep gehörte seit der Generalversammlung 2010 dem Verwaltungsrat der Lakers Sport AG an, seit 2012 amtete er als VR-Präsident. Über die Nachfolge­regelung möchte der Klub «zeitnah» informieren.

«Auch in der NLB dabei»

Ganz ohne Captain ist das Lakers-Schiff im aktuellen Sturm der Ligaqualifikation trotzdem nicht unterwegs: Vizepräsident Hans-Ueli «Jöggi» Rihs hat vor­übergehend das Kommando übernommen, und weitere Rücktritte aus dem VR sind gemäss Müller nicht zu erwarten: «Wir, die verbliebenen Mitglieder des Verwaltungsrates (Christa Gebert, Sandro Ruggli, Peter Kilchenmann, Rihs und Müller sowie Beisitzer Rolf Kaufmann; Red.), haben am Dienstag in einer Sitzung nochmals bestätigt, dass wir unsere Arbeit fortführen werden – falls nötig auch in der NLB.»

Damit beantwortet der gebürtige Glarner, der seit 2012 dem Führungsgremium angehört, auch jene Frage, die den Fans derzeit am stärksten auf der Zunge brennt: Gibt es für die Rapperswil-Jona Lakers – entgegen anderslautenden Verlautbarungen aus Klubkreisen – auch in der zweithöchsten Liga eine Zukunft? Für Müller, der am Montag nach dem Spiel zusammen mit der Mannschaft den aufgebrachten Anhängern vor der Spielergarde­robe Rede und Antwort gestanden hatte, steht dies ausser Zweifel: «Falls wir wirklich absteigen sollten, gälte es dies zu akzeptieren, aber auch als Chance zu sehen. Zwar wäre unter anderem das Projekt mit dem SC Herisau als NLB-Farmteam hinfällig, doch wir könnten uns in dieser Liga ein gesundes Fundament erarbeiten und dann über fünf bis sechs Jahre den Wiederaufstieg anstreben – sollten wir früher in die National League A zurückkehren, hätten wir natürlich auch nichts dagegen einzuwenden. Aber wir sind der gesamten Region gegenüber verpflichtet, dass wir den Klub am Leben erhalten. Dafür muss es uns unter anderem auch gelingen, wieder alle in ein Boot zu holen.»

Doch noch steht der Abstieg trotz 0:3-Rückstand in der Serie nicht definitiv fest. Als Vorbereitung auf das Spiel von heute Abend sind die Lakers bereits vorzeitig für ein Mini-Trainingscamp ins Emmental gereist. «Die Spieler und der Staff können sich dort voll und ganz auf ihre Aufgaben konzentrieren», begründet Konrad Müller die ungewöhnliche Massnahme. Er selber werde heute in der Langnauer Ilfishalle mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit ebenfalls anwesend sein, und er gibt sich zuversichtlich: «Der vierte Sieg ist immer der schwierigste. Zudem werden die Tigers heute auch Druck spüren.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.04.2015, 12:50 Uhr

Gezwitscher

Vorgestern Mittag erschienen auf dem offiziellen Twitter-Kanal der Lakers die Worte «Rücktritt von Lakers-Präsident Lucas H. Schluep». Gemäss Verwaltungsrat Konrad Müller wurde diese Meldung nicht von einem Mitarbeiter des Klubs veröffentlicht: «Unser Account muss gehackt worden sein. Es gibt keine andere Erklärung dafür.» Darüber, wie der Verfasser der Zeilen zu der Information gekommen ist, die sich als wahr herausstellen sollte, kann Müller nur mutmassen: «Vielleicht hat er ­irgendwo ein paar Gesprächsfetzen aufgeschnappt.» (müm)

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