Zwei Rückschläge, die kaum schmerzen

Die Schweizer Nationalmannschaft verliert die Vergleiche mit Schweden (3:4) und Russland (0:3). Dennoch hat Fischers Auswahl die Teilnahme am Viertelfinal auf sicher.

Kutscherow veredelt eine schöne Kombination im Powerplay zum 2:0. (Video: SRF)

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Wehe, wenn sie losgelassen. Die Russen eilen in Bratislava von Sieg zu Sieg. Sechs Erfolge in sechs Partien sind es mittlerweile. Auf dem Beleg für die Dominanz steht das Torverhältnis von 29:3. Diese Sbornaja ist gespickt mit Stars: Owetschkin, Malkin, Kutscherow, Kowaltschuk und Kuznetsow führen das Aufgebot an. Allein die Anwesenheit dieses Quintetts unterstreicht die Dringlichkeit der Kampagne. Für Russland ist nur WM-Gold gut genug, eine Alternative nicht vorgesehen. Am Sonntagabend konnten auch die Schweizer, die zuvor so vorzüglich gespielt hatten, den hochkarätig besetzten Gegner nicht vom Weg abbringen. Die Equipe von Patrick Fischer blieb erstmals ohne Torerfolg und verlor 0:3.

Selbstverständlich wussten und wissen die Schweizer um die Qualität des Gegners. Ebenso selbstverständlich wollten sie nicht in Ehrfurcht erstarren, sondern mitspielen, die Russen unter Druck setzen, ihnen Probleme bereiten. Aber den Schweizer Auswahlen gelingt das gegen diesen Kontrahenten einfach zu selten. Sie haben es im Verlauf der Jahrzehnte mit allerhand Taktiken versucht: mal mit destruktivem Spiel, mal mit Härte, mal mit offensivem Hurra-Hockey. Trotzdem sind bei nunmehr 23 Vergleichen an Weltmeisterschaften erst zwei Siege gelungen: 1998 bei der Heim-WM und 2000 in St. Petersburg.

Russland tanzt und trifft

Das Grundproblem ist: Die Russen könnten mit Hartnäckigkeit und Härte aus der Komfortzone gelockt und aus dem Konzept gebracht werden. Doch das Schweizer Eishockey steht bedingt für diese Tugenden. Und die läuferischen Vorzüge vermögen die Schweizer selten auszuspielen, weil das Läuferische auch eine Kernkompetenz der Sbornaja ist.

Gestern liefen zu Beginn fast nur die Russen – und zwar dem Gegner um die Ohren. Fora kassierte früh eine Strafe. Im Unterzahlspiel setzte Scherwey ein Zeichen, indem er ohne Stock einen Owetschkin-Schuss blockte. Danach lud Orlow den Schweizer Verteidiger Frick zum Tanz, am weiten Torpfosten reagierte Anisimow schneller als Fora. Erst nach neun Minuten kam der Aussenseiter durch Josi zu einer ersten guten Möglichkeit.

Anissimow bringt den Favoriten in Führung (Video: SRF)

Dass die Russen neben der offensiven Herrlichkeit gewillt waren, auch nach hinten zu arbeiten, erschwerte die Aufgabe für die Schweizer. Ab dem Mitteldrittel kamen sie zwar häufiger zu Chancen, fanden den Zugriff, aber nicht dieses eine Tor, welches der Partie eine andere Dynamik hätte geben können. «Das war eines der besten Teams, gegen die ich je gespielt habe», sagte Captain Diaz. «Zu Beginn wurden wir vom Tempo der Russen überrascht. Danach haben wir ins Spiel gefunden. Leider gelang uns kein Tor.» Vorab das Überzahlspiel ist noch nicht medaillenwürdig. Wie es im Powerplay funktioniert, demonstrierten Gusew und NHL-Topskorer Kutscherow beim zweiten Tor des Abends.

Kutscherow vier Minuten vor Schluss mit der Entscheidung. (Video: SRF)

Ab Dienstag mit Niederreiter

Fischers Umstellungen haben sich nicht ausgezahlt. Am Vorabend hatte die Schweiz gegen Schweden 3:4 verloren, 24 Stunden danach experimentierte der Trainer und liess keine Linie unverändert. Moser rückte zu Hischier/Fiala in den ersten Block. Der wuchtige Angreifer sollte der Toplinie mehr Wasserverdrängung geben. Gegen Schweden kam das NHL-Duo nicht auf Touren, stand bei drei Gegentoren auf dem Eis. Stattdessen brillierte in einem der besten Spiele an diesem Turnier die Linie mit Haas, Andrighetto und Scherwey. Letztlich war die Schweiz gegen den Titelverteidiger ein bisschen zu wenig abgeklärt: Unmittelbar nach dem 3:3 durch Haas in der 51. Minute nutzte Ekman Larsson eine Nachlässigkeit zum Siegtor.

Für die Schweiz sind beide Niederlagen zu verschmerzen. Das Nationalteam hat die Qualifikation für die K.-o.-Phase auf sicher. In der Gruppe B bewegen sich die möglichen Viertelfinalgegner auf einem ähnlichen Level, weshalb es eine untergeordnete Rolle spielt, auf welchem Platz in den Top 4 die Schweiz die Gruppe abschliessen wird. Am Dienstag steht die letzte Vorrundenpartie an. Gegen Tschechien wird Fischer erstmals auf den aus der NHL eingeflogenen Angreifer Niederreiter zählen können.

Telegramm:

Schweiz - Russland 0:3 (0:1, 0:1, 0:1)

Bratislava. - 9056 Zuschauer.

SR Björk/Tufts (SWE/USA), Malmqvist/Oliver (SWE/USA).

Tore: 4. Anissimow (Orlow, Gussew) 0:1. 27. Kutscherow (Gussew/Ausschluss Hischier) 0:2. 56. Kutscherow (Anissimow, Saizew) 0:3. -

Strafen: 4mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 7mal 2 Minuten gegen Russland.

Schweiz: Genoni; Fora, Frick; Loeffel, Genazzi; Weber, Josi; Diaz; Rod, Bertschy, Scherwey; Fiala, Hischier, Simon Moser; Andrighetto, Kuraschew, Ambühl; Martschini, Haas, Hofmann; Praplan.

Russland: Georgijew; Saizew, Orlow; Chafizullin, Gawrikow; Sergatschjow, Nesterow; Sadorow; Telegin, Andronow, Kowaltschuk; Dadonow, Malkin, Grigorenko; Kaprissow, Kusnezow, Owetschkin; Kutscherow, Anissimow, Gussew; Barabanow.

Bemerkungen: Schweiz ohne Janis Moser (verletzt), Mayer (Ersatztorhüter) und Berra (geschont). - Timeout Schweiz (58:04). - Schweiz ab 56:23 ohne Goalie. - Schüsse: Schweiz 31 (9-11-11); Russland 34 (12-14-9). - Powerplay-Ausbeute: Schweiz 0/6; Russland 1/3. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 19.05.2019, 23:20 Uhr

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