Rapperswil-Jona

«Es wäre falsch, wenn wir nun in kollektive Trauer verfallen würden»

Am Donnerstag ist Rapperswil-Jona nach 21 Jahren in der höchsten Eishockey-Liga in die NLB abgestiegen. Verwaltungsrat ­Sandro Ruggli (46) geht davon aus, dass dies Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Nur wenige Stunden nach dem Abstieg blickt Lakers-Verwaltungsrat Sandro Ruggli bereits wieder zuversichtlich in die Zukunft. Bild: Reto Schneider

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie waren am Donnerstag nicht in Langnau. Haben Sie das Spiel im Fernsehen mitverfolgt?
Nein, meine Frau hatte Geburtstag und ich war mit ihr im Theater. Aber natürlich wäre ich sonst im Stadion gewesen – wie übrigens in den meisten der vorangegangenen Spielen jeweils auch.

Sie haben also nicht mit­bekommen, wie es den Lakers im Emmental ergeht?
(schmunzelt) Doch, ich habe mich im Theater mit dem Smartphone über die Zwischenstände informiert: Nach dem frühen 0:2- Rückstand überwog bei mir die Enttäuschung, nach dem 1:2 die Hoffnung.

Wie kann der NLA-Klub gegen den B-Ligisten in einer Serie mit 0:4 untergehen?
Für mich ist das auch ein wenig unverständlich. Gleichzeitig fällt es einfacher, die Niederlage zu akzeptieren, wenn sie so deutlich ausgefallen ist. An dieser Stelle möchte ich den SCL Tigers zum Sieg in der Ligaqualifikation und zum Aufstieg gratulieren und ihnen für die erfolgreiche Saison ein grosses Kompliment aussprechen. Sie sind verdient aufgestiegen.

Wie gross ist Ihre ­Enttäuschung?
Ich bin persönlich sehr enttäuscht und traurig, wie übrigens auch das ganze Umfeld. Aber das Leben geht weiter. Es wäre aber falsch, wenn wir nun als Führungs- und Strategieorgan in kollektive Trauer verfallen würden. Vielmehr müssen wir die neue Ausgangslage kritisch analysieren, die notwendigen Schlüsse daraus ziehen und der Organisation und dem Umfeld die Marschrichtung vorgeben. Daran arbeiten wir im Moment mit Hochdruck.

Die Lakers hatten mit Niklas Persson, Nicklas Danielsson und Johan Fransson drei Weltmeister im Kader und stiegen trotzdem ab. Was ist da falsch gelaufen?
Um diese Frage zu beantworten, bin ich wahrscheinlich nicht die richtige Person. Ich habe drei Jahre mehr schlecht als recht im Nachwuchs des damaligen SCRJ Eishockey gespielt, mehr nicht. Deshalb fehlt mir zur Beantwortung dieser Frage auch die fachspezifische Kompetenz. Aber letztlich hat es ganz einfach nicht gereicht. Allem Anschein nach ist das Konzept, neben hervorragenden Ausländern auf junge Schweizer Spieler zu setzen, nicht aufgegangen. Diese waren insbesondere in der Ligaqualifikation, wo wir nur mit zwei Ausländern antreten durften, der enormen Belastung in den entscheidenden Momenten nicht gewachsen. Das hat meiner Meinung nach mit mangelnder Erfahrung zu tun.

Wann hat der Verwaltungsrat realisiert, wie ernst die ­Si­tua­tion tatsächlich ist?
(überlegt) Die sportliche Führung verbreitete uns ge­gen­über immer die Zuversicht, dass es auch dieses Jahr zum Ligaerhalt reichen würde. In der Vergangenheit haben wir ja mehrmals bewiesen, dass wir eine typische Playout-Mannschaft sind. Daran glaubten wir – erst recht, als die Formkurve gegen Ende der Qualifikation nach oben zeigte. Gegen Ambri-Piotta war es dann auch sehr knapp und meiner Ansicht nach hätten wir es in dieser Serie im sechsten Spiel packen müssen. Anschliessend gerieten wir in eine Negativspirale, aus der es für uns kein Entrinnen mehr gab.

Gab es denn keinen Plan B, mit welchem das Ruder unter Umständen noch hätte herumgerissen werden können?
Doch. Wir haben vor Beginn der Playouts beschlossen, dass wir, im Falle einer Niederlage im ersten Spiel der Ligaqualifikation, einen Trainerwechsel vornehmen müssen.

Eldebrink musste gehen und wurde durch seinen Assistenten Michel Zeiter ersetzt. ­Haben Sie auch eine externe Lösung in Betracht gezogen?
Das haben wir. Allerdings gab es eine Absage. Andere kamen nicht infrage, weil sie gleich einen 2-Jahres-Vertrag haben wollten. Wir waren der Meinung, dass Michel Zeiter das Team kennt und es im Griff hat. Da war es naheliegend, dass der Assistent die Mannschaft übernimmt. Es geht da – aus meiner Sicht – um sehr wenig, es geht um Gefühle ...

... die jemand von ausserhalb, der nicht seit über einem Jahr um das Team ist ...
(unterbricht lachend) Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre. Ja, in der Nachbetrachtung stimmt das.

Was würden Sie aus heutiger Sicht anders machen?
Wir hätten bereits vor einem Jahr die gesamte Organisation viel radikaler hinterfragen müssen.

Dazu gibt es am Montag, wenn der Verwaltungsrat zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommt, die Gelegenheit. Wird der Abstieg in die NLB Konsequenzen nach sich ziehen?
Wir müssen die Si­tua­tion analysieren und da muss jede personelle und organisatorische Massnahme hinterfragt werden. Und ja, ich gehe davon aus, dass es Konsequenzen nach sich ziehen wird. Aber ich möchte betonen, dass es ein Neuanfang ist. Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen und alles, auch jenes, das wir gut gemacht haben, infrage stellen. Es gibt viel Gutes und Bewährtes, zu dem es Sorge zu tragen gilt. Wir dürfen jetzt nicht mit dem Zweihänder alles zerstören.

Die Idee von einem Farmteam in Herisau hat sich mit dem Fall in die National League B erledigt. Gibt es weitere klubinterne Projekte, wie beispielsweise die Nachwuchsabteilung oder das Trainingseisfeld im ­Lido, die durch den Abstieg ­gefährdet sind?
Nein, auf gar keinen Fall. Der Abstieg tangiert weder unsere Nachwuchsabteilung noch das Hallenprojekt, das für uns entscheidend ist und jetzt mit aller Kraft weiterverfolgt werden muss. Diese Halle ist die Grundlage für die Konsolidierung und Weiterentwicklung des Nachwuchs. Diesbezüglich haben wir ein strukturelles Defizit, nämlich zu wenig Eis. Das ist ein riesiges Problem. Da ist der Klub, aber auch die öffentliche Hand – die uns ge­gen­über immer sehr wohlwollend gesinnt ist – gefordert, uns zu unterstützen. Ohne diese zweite Eishalle haben wir langfristig keine erfolgreiche Perspektive im Nachwuchs und damit mittelfristig auch nicht mit der ersten Mannschaft.

Sie haben zuletzt immer wieder betont, dass die ­National League B auch eine Chance sein könne.
Ja, davon bin ich überzeugt. Wir haben jetzt vier, fünf Jahre den Kopf immer wieder aus der Schlinge ziehen können. Diesmal nicht mehr. Das ist der Grund, aber auch die Chance, uns grundsätzlich zu hinterfragen.

Wie weit ist die Planung für eine NLB-Saison?
Sowohl die Strategie als auch das Budget für die NLB sind bereits sehr weit fortgeschritten.

Die Zeit drängt.
Ja. Priorität hat, unsere NLB-Mannschaft zu formieren. Das eilt. Wir haben – davon bin ich nach wie vor überzeugt – viele gute Spieler in unserem Team, die nun von anderen Klubs Angebote erhalten. Da müssen wir sehr, sehr schnell reagieren und den Spielern Perspektiven aufzeigen, damit sie bei uns bleiben.

Mit welchen Argumenten ­wollen Sie die Spieler halten?
Erstens sind wir eine gute Organisation, zweitens spielen wir gutes Eishockey – leider nicht mehr in der NLA. Ein junger Spieler kann sich bei uns weiterentwickeln. Zudem gibt es mit dem mittelfristig angestrebten Wiederaufstieg auch eine sportliche Perspektive.

Wer wird die Mannschaft als Trainer in der NLB führen?
Für diesen sehr wichtigen Entscheid müssen wir uns Zeit nehmen. Wir hatten mit Anders Eldebrink und Michel Zeiter zwei gute Trainer. Aber wir müssen nun alle Positionen hinterfragen, auch jene des Trainers.

Folglich wird auch die Arbeit von Sportchef Harry Rogenmoser hinterfragt.
Ja, das ist so.

Wie viele der Spielerverträge haben für die National League B Gültigkeit?
Das sind einige, doch sind die meisten mit einer Ausstiegsklausel zugunsten des Spielers versehen. Wir müssen also neu verhandeln, was auch gut ist.

Sie haben angekündigt, dass im Verwaltungsrat nach dem Abgang von VR-Präsident Lucas H. Schluep keine weiteren ­Austritte folgen werden.
Christa Gebert hat bereits vor einem Jahr ihren Austritt aus dem Verwaltungsrat auf die Generalversammlung 2015 angekündigt. Dieser Rücktritt ist bedauerlich, aber zu respektieren und hat nichts mit der heutigem Ausgangslage zu tun.

Gibt es aus Ihrer Sicht einen Minimalbestand für den VR?
Nein, aber ich denke, dass es aufgrund der Konstellation sinnvoll wäre, uns mit einem bis zwei Mitgliedern zu verstärken.

Haben Sie schon jemals bereut, dass Sie sich 2012 in den VR der Lakers Sport AG wählen liessen?
Nein. (zsz.ch)

Erstellt: 11.04.2015, 10:21 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben