Ein Berner Ende mit deutlicher Ansage

Die ZSC Lions und Genf-Servette duellieren sich in einem wilden Auf und Ab um einen Platz gegen Davos im Playoff-Final, in Bern wird nur noch ein rhetorischer Kampf geführt: War die Saison des SCB gut oder doch nicht so wunderbar?

Guy Boucher (rechts Assistent Lars Leuenberger): So nicht.

Guy Boucher (rechts Assistent Lars Leuenberger): So nicht. Bild: Keystone

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Wer im Jahr zuvor die Playoffs verpasst hat und es dann in die Halbfinals schafft, der darf doch von einer Steigerung sprechen – so meinte es SCB-CEO Marc Lü­thi am Dienstagabend. Was nach der Niederlage in Davos einerseits stimmt, andererseits auch nicht.

Denn dass die Mannschaft im Jahr zuvor nur auf Platz 9 abschloss, war ein Ausreisser nach unten, wie er einer Organisation wie dem SCB eigentlich nicht passieren darf. Und daher darf die Leistung aus dem Vorjahr auch nicht als Ausgangspunkt zur Bewertung dieser Saison genommen werden.

Denn die Normalität in Bern muss mit den hohen Ansprüchen «Playoffs» heissen. Und wenn eine Mannschaft die Qualifikation auf Platz 2 abschliesst, dann ist es enttäuschend, wenn sie bereits in den Halbfinals scheitert.Ohne einen einzigen Sieg gegen den HC Davos. Wenn sie sich aus den Playoffs mit einer Bilanz von vier Siegen und sieben Niederlagen verabschieden muss.

Viel Training, wenig Spielfreude

Und vor allem, wenn sie wie der SCB in der Qualifikation während längerer Phasen unwiderstehlich wirkte. Die Berner müssen sich fragen, war­um ihnen nach der Weihnacht auch noch die Wucht abhanden gekommen ist, die sie lange Zeit wenigstens noch ausgezeichnet hatte, nachdem sie manch anderes schon vorher weggeworfen hatten.

Wer genau hinschaute, der sah: Dem SCB fehlte ab Februar jegliche spielerische Qualität, das Bemühen in der Offensive verkam zu einem stumpfen und simplen Stil. Waren Offensivaktionen gefragt, kam wie später im Playoff gegen Davos (und schon gegen Lausanne) nicht mehr viel – oder gar nichts mehr.

Die Gesichtsfarbe der Schlüsselspieler passte sich dem Spielstil an – und umgekehrt. Bleich dominierte. Zu wenig trainiert haben die Berner sicher nicht, die Spielfreude und Kreativität indessen scheint ihnen abhandengekommen zu sein. Deshalb war das Berner Ende eines mit deutlicher Ansage. In den Playoffs dominierte nur noch die Hoffnung, dass es besser werde. Guy Boucher als Trainer wirkte zunehmend ratloser. Das lässt nicht auf viele weitere Jahre des Kanadiers in Bern schliessen.

«Wir waren nichts»

Ein anderer Kanadier hat am Dienstag mit 0:8 eine epochale Schlappe bezogen, aber er sitzt weiterhin fest im Sattel. Chris McSorley, Genfs Trainer, Mitbesitzer und Sportchef. Ein Spiel genügte, um die Kräfteverhältnisse zwischen den ZSC Lions und ihren Herausforderern neu zu verteilen.

Wie sollen die Zürcher diese Genfer packen? So hatte die Frage vor Spiel 4 gelautet. Wie sollen die Genfer noch eine Chance haben? Das wird vor dem heutigen fünften Vergleich diskutiert. Nichts könnte das Auf und Ab in dieser Serie, die bei 2:2 steht, besser belegen. Aber einmal wird es ein Ende haben. «Wenn wir so weiterspielen, haben sie keine Chance», sagte Severin Blindenbacher nach dem Sieg in Genf.

Immer wieder ein Wunder

McSorley blieb nicht viel anderes übrig als dies: «Wir waren nichts.» Die Genfer Cheerleader hätten bei ihrem Wirken viel besser ausgesehen als seine Spieler auf dem Eis gegen die ZSC Lions. Er klagte, dass er Alexandre Picard gleich beim ersten Einsatz nach einer Charge von Mike Künzle verlor. Wieder spielten die Genfer einen Match mit nur zwei Ausländern.

Und sie werden, wenn sich nichts ändert, auch heute im Hallenstadion nur zwei aufstellen können: Matt D’Agostini und Tom Pyatt. Dazu fehlt auch noch Noah Rod – er fällt wie Mat­thew Lombardi, Chris Rivera, Taylor Pyatt und Picard mit einer Hirnerschütterung aus. «Aber dieses Team hat in extremen Si­tua­tio­nen immer wieder ein Wunder geschafft», ist McSorleys Hoffnung für heute Abend. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 26.03.2015, 09:52 Uhr

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